Moderner Naturschutz erfordert, dass die zu schützenden Gebiete und Güter in den gesellschaftlichen Zusammenhang gestellt werden. Eine nachhaltige Bewirtschaftung in und um Schutzgebiete bietet Vorteile für Mensch und Natur. So gilt umweltverträgliches Wirtschaften als Voraussetzung dafür, Natur- und Kulturlandschaften und deren biologische Vielfalt zu erhalten, wie auch einer nachhaltigen und sozialverträglichen Entwicklung für den Menschen und der Umweltsicherung Rechnung zu tragen. Insbesondere Biosphärenreservate können in ländlichen Regionen als Modellregionen für ein nachhaltiges Wirtschaften wichtige Wirtschaftsimpulse im Sinne der „Green Economy“ geben, vor allem in den Themenbereichen nachhaltige Landnutzung, ökologischer Landbau, erneuerbare Energien, Artenschutz für zukünftige Nutzungen, Tourismus (Ökotourismus, Kulturtourismus, Gesundheitstourismus), aber auch zu Themen aus dem Bereich der Bildung für nachhaltige Entwicklung. Bislang gibt es im Gebiet Kaliningrad allerdings noch kein entsprechendes Biosphärenreservat. Zu den Kandidaten für die Ausweisung gehört der 2012 gegründete Naturpark „Wischtynezki“ (Rominter Heide), dessen Fläche zusammen mit den angrenzenden Gebieten in Polen und Litauen einen der letzten großen zusammenhängenden Tieflandwälder Mitteleuropas umfasst. Des Weiteren könnten die staatlichen Naturschutzgebiete „Djunny“ und „Gromowski“ geeignet sein, die wichtige Biotope des Nemandeltas und der Kurischen Nehrung im Grenzgebiet zu Litauen beinhalten. Als Großschutzgebiete regionaler Bedeutung könnten sich diese mit ihren vom Menschen schonend und nachhaltig bewirtschafteten Anrainergebieten in eine „Green Economy“ einbringen und damit ein umweltverträgliches Wirtschaften modellhaft aufzeigen.
(aus der Dokumentation der Deutsch-Russischen Umwelttage 2013)