1.1 Warum sollte sich Ihre Kommune an die Folgen des Klimawandels anpassen?
Unser Klima verändert sich spürbar, und es wird sich weiter ändern – trotz weitreichender Bemühungen zum Klimaschutz. Ursache hierfür sind die Treibhausgase, die bislang ausgestoßen wurden. Um mit den Veränderungen umzugehen, müssen sich Kommunen in Deutschland bereits heute auf die möglichen Folgen des Klimawandels vorbereiten: Sie müssen sich an den Klimawandel anpassen.
Dass die durchschnittlichen Lufttemperaturen ansteigen, ist schon heute zu beobachten. Doch auch andere Elemente des Klimasystems verändern sich: Niederschläge werden häufiger und intensiver. Der sechste Sachstandsbericht des Weltklimarats IPCC aus dem Jahr 2021 zeigt, dass die Auswirkungen durch klimatische Einflüsse wie Trockenheit, Hitzewellen, Hoch- und Niedrigwasser, Starkregen, Meeresspiegelanstieg und die Veränderung in der Zusammensetzung von Arten aller Voraussicht nach auch in Europa weiter zunehmen werden. Durch die Beschäftigung mit dem Thema Anpassung an den Klimawandel können Sie nicht nur entstehende Klimarisiken und Chancen erkennen, sondern auch die Kosten begrenzen, die durch klimabedingte Schäden entstehen können.
Die Auseinandersetzung mit den Folgen des Klimawandels ist kein vollkommen neues Thema. Anpassung an den Klimawandel knüpft oftmals an bereits bekannte Vorsorgeaktivitäten an, beispielsweise für Hochwasser, Starkregen oder Hitzewellen. In Erweiterung zu den konventionellen Herangehensweisen müssen wir uns jedoch fragen, inwiefern durch den Klimawandel neue Risiken entstehen oder sich bekannte Risiken verstärken, also häufiger auftreten oder schwerere Auswirkungen haben. Dabei ist die Anpassung an die Folgen des Klimawandels ähnlich wie der Klimaschutz eine Querschnittsaufgabe, eine Aufgabe die nicht nur durch eine Behörde, ein Amt, Referat oder eine Abteilung in Ihrer Kommune bewältigt werden kann. Unterschiedliche Bereiche müssen hier zusammenwirken, um den klimawandelbedingten Herausforderungen gemeinsam zu begegnen.
"Anpassung ist lokal. Die Städte können und wollen ihren Anteil haben bei der Definition von Agenden, bei inhaltlichen und strukturellen Entscheidungen und bei der ganz konkreten Umsetzung. Städte stehen für die Hälfte der Weltbevölkerung und wir, die Bürgermeister, müssen unsere Städte und unsere Gesellschaften auch in dieser Situation, in der wir gefordert sind durch den Klimawandel und die Umsetzung von Klimaanpassung, führen. Und zu diesen Herausforderungen gehört auch ein größeres Risiko von Umweltschäden und Katastrophen."
Langfristig reduzieren Sie Beeinträchtigungen durch Extremwetterereignisse nicht nur für die menschliche Gesundheit und Vermögenswerte der Bürger und Bürgerinnen, sondern auch für die Liegenschaften Ihrer Kommune.
Sie können sich als zukunftsorientierte Kommune positionieren, die auch in einem sich wandelnden Klima eine hohe Lebensqualität bietet.
Der Prozess der Anpassung ist übergreifend und fördert so Kommunikation und Wissensaustausch zwischen den Fachressorts Ihrer Kommunalverwaltung – aber auch zwischen der Zivilgesellschaft und der Verwaltung.
Durch einen vorausschauenden Umgang mit den Folgen des Klimawandels steigern Sie für Investor*innen die Attraktivität Ihrer Kommune und für Ihre Bürger*innen die Lebensqualität.
Bildergalerie: Nutzen von Anpassungsaktivitäten
Dach- und Fassadenbegrünung in Frankfurt
Die Stadt Frankfurt fördert Dach- und Fassadenbegrünungen. Maßnahmen zu Bauwerksbegrünung sind geeignet, um der Überwärmung des Stadtgebietes entgegen zu wirken: Pflanzen am Haus spenden Schatten, die Verdunstungsleistung der Pflanzen kühlt die Umgebung. Zudem filtern Pflanzen im Stadtraum Feinstaub aus der Luft und erhöhen die Luftqualität. Starkregenereignisse werden abgepuffert. Die Begrünung bietet verschiedenen Lebewesen einen Lebensraum und dient der Erhaltung der Biodiversität. Begrünte Gebäude sind vor Witterungseinflüssen geschützt.
Weitere Informationen: Frankfurt frischt auf - 50 % Klimabonus
Quelle: Umweltamt der Stadt Frankfurt am Main
Klimaanpassung an kleineren Gewässern in Arnsberg
In der Stadt Arnsberg führten kleinere Gewässer das Wasser aus Starkregenereignissen sehr schnell und mit großer Heftigkeit in die bebauten Stadtbereiche. An vier Bächen im Stadtgebiet von Arnsberg wurden Maßnahmen durchgeführt, die dieser Problematik entgegen wirken, u.a. durch Schaffung von größeren Aufweitungszonen vor den bebauten Bereichen, Einbau von Auffangvorrichtungen für Schwemmgut, Freimachen verstopfter Durchlässe und der Stabilisierung der Ufer. Daneben dienen die Maßnahmen neben einer Verbesserung des Hochwasserschutzes in einigen Bereichen auch dem Erlebbarmachen des Flusses für die Bevölkerung.
Weitere Informationen: Renaturierung von Gewässern im Stadtgebiet der Stadt Arnsberg
Quelle: Umweltbüro der Stadt Arnsberg
Kommunale Überflutungsvorsorge in Solingen
Das Konzept zur Stadtentwässerung in der Stadt Solingen sieht vor, dass Niederschlagwasser aus Starkregenereignissen nicht mehr allein über das Kanalnetz abfließt, sondern über unbefestigte Grünflächen oder offene Entwässerungsmulden zurückgehalten oder in Bachtäler abgeleitet wird. Um die Bürgerinnen und Bürger besser zu informieren, wird ein Konzept für Beratung und Warnung aufgebaut. Dazu gehört beispielsweise die Gefahrenpotenzialkarte, die bereits vorliegt, oder eine App, die derzeit entwickelt wird und zukünftig vor Starkregen warnt. Weitere Informationen: Gefahr durch Starkregen in Solingen
Quelle: Technische Betriebe Solingen
Baumarten im Thüringer Wald
Der Thüringer Wald musste in den vergangenen Dekaden viele Extreme aushalten: höhere Temperaturen, geänderte Niederschlagsverhältnisse, längere Trockenheit, starke Hitze und heftige Stürme. Durch die Integration neuer Baumarten haben die Forstämter die Wälder in den letzten Jahren zu Mischwäldern umgebaut. Diese sind langfristig widerstandsfähiger gegenüber Wetterextremen. Im Zuge des Waldumbaus wurde der Zugang zu Wanderwegen verbessert und somit der Tourismus in den Waldregionen gefördert.
Weitere Informationen: Waldumbauportal von ThüringenForst
Die Anpassung an den Klimawandel ist heute nicht die einzige Herausforderung, denen sich Kommunen stellen müssen. Auch Themen wie der demographische Wandel, Migration, Strukturwandel, Klimaschutz und die Energiewende stehen auf der kommunalen Agenda – und das bei häufig knappen Haushaltskassen. Daher ist es wichtig, dass Sie bereits bei der Planung von Anpassungsmaßnahmen mögliche Synergien, aber auch Konflikte zwischen Klimaanpassung, Klimaschutz und anderen Zielen und Herausforderungen für Ihre Kommune erkennen. Konflikte und Synergien können in mehrfacher Hinsicht auftreten. So führt die thermische Optimierung von Gebäuden zu einer Verringerung der Energieintensität und damit des CO2-Ausstoßes und stellt somit sowohl eine Anpassungs- als auch Klimaschutzmaßnahme dar. Allerdings gibt es auch Konfliktpunkte zwischen Klimaschutz und –Klimaanpassung. So sind die künstliche Beschneiung in Wintersportgebieten oder die zunehmende Nutzung von Klimaanlagen zur Kühlung von Gebäuden in Hitzesommern zwar Anpassungsmaßnahmen, allerdings mit deutlich klimaschädigenden Auswirkungen durch einen erhöhten Energieverbrauch. Den städtebaulich deutlichsten Reibungspunkt bilden konkurrierende Raumnutzungsansprüche. Ein wichtiges Anpassungsziel in Ballungsgebieten ist die Verringerung des Wärmeinseleffektes. Hierfür ist eine möglichst lockere Bebauung mit hohem Freiflächenanteil und offen gehaltenen Frischluftschneisen ideal. Hinsichtlich des Klimaschutzes ist allerdings eine eher kompakte Siedlungsweise vorzuziehen, da diese besonders verkehrs- und energieoptimiert ist.
Hier finden Sie weitere Links zu Informationsportalen, Forschung und Beratung und zu weiteren Werkzeugen rund um das Thema Klimafolgen und Anpassung.
„Für Mensch und Umwelt“ ist der Leitspruch des UBA und bringt auf den Punkt, wofür wir da sind. In diesem Video geben wir Einblick in unsere Arbeit.
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