Energieeffizienz-Maßnahmen lohnen sich oftmals sowohl aus betriebswirtschaftlicher Perspektive, als auch gesamtwirtschaftlich wegen ihrer vielen Vorteile für Klimaschutz, Versorgungssicherheit oder für die zukunftsfähige Industrietransformation. Entsprechend sollte die Politik versuchen, die bestehenden Hemmnisse aufzulösen. Dabei können und sollten ökonomische, informatorische und regulative Instrumente (Ordnungsrecht) verwendet werden.
Das übergreifende Energieeffizienzgesetz, das im Dezember 2023 in Kraft trat, enthält als Rahmengesetz zahlreiche unterschiedliche Regeln auch für Unternehmen im GHD- und Industrie-Sektor. Indem es sowohl ein übergeordnetes Einsparziel verbindlich vorgibt, als auch konkrete Vorgaben für die einzelnen Sektoren wie etwa das Nutzen von Abwärme macht, kann es helfen, der „Effizienzwende“ mehr Schwung zu geben.
Unter informatorische Instrumente fallen beispielsweise Informationskampagnen wie die der Bundesregierung „Energiewechsel“ oder die Initiative Energieeffizienznetzwerke, bei der Unternehmen besser voneinander lernen können, wie Effizienz-Maßnahmen praktisch umgesetzt werden.
Unter ökonomische und fiskalische Instrumente fällt beispielsweise die Art, wie Entgelte (z.B. Netzentgelte) oder Ausnahmeregelungen wie die Stromsteuer- oder Energiesteuer-Erleichterung ausgestaltet werden. Den Einfluss von Energiepreisen und Preisbestandteilen für den Klimaschutz untersuchen verschiedene UBA-Studien.
Auch Förderinstrumente wie die Förderung für Energie- und Ressourceneffizienz in der Wirtschaft oder die Bundesförderung Industrie- und Klimaschutz (BIK), bei der das UBA einbezogen ist, sollen ökonomische Hemmnisse auflösen. Fachlich und administrativ betreut das Umweltbundesamt zudem die Förderung im Rahmen des Umweltinnovationsprogramms (UIP) des Bundesumweltministeriums.
UIP: Förderung demonstrativer Konzepte und Techniken
Mit dem Umweltinnovationsprogramm unterstützen Umweltbundesamt und Bundesumweltministerium Industrie- und Gewerbebetriebe, die ihre Umweltbelastungen deutlich reduzieren wollen. Das schließt auch Konzepte und Techniken zum Sparen von Energie, der umweltgerechten Energieversorgung und dem Einsatz erneuerbarer Energien ein. Ziel des Programms ist es, innovative Ideen erstmals in der Praxis zu realisieren und damit dafür zu sorgen, dass neue Techniken entwickelt werden und in den Markt gelangen.
Green Factory Allgäu
In der „Green Factory Allgäu“ fertigt die Alois-Müller-Gruppe, Spezialist für Energie- und Gebäudetechnik, seit 2019 Lüftungskanäle und versorgungstechnische Komponenten sowie Energiezentralen in Containerbauweise. Mehr als 250 Menschen arbeiten in dem 18.000 Quadratmeter energieautarken Produktions- und Bürogebäude in den Bereichen Fertigung und Verwaltung.
Die für Verwaltung und Fertigung benötigte regenerative Energie wird aus drei verschiedenen Quellen komplett vor Ort erzeugt. Der Produktionsprozess ist auf die Stromerzeugung abgestimmt. So entstand im Rahmen dieses Vorhabens nicht nur eine CO2-neutrale, sondern auch nahezu energieautarke Fabrik. Mehr Informationen: https://www.umweltinnovationsprogramm.de/projekte/green-factory-allgaeu
"AutarkBräu" - Energieautarke Karmeliten Brauerei Straubing
In Brauereien besteht ein hoher Bedarf an Prozesswärme und -Kälte. Die Prozesswärmeerzeugung der Karmeliten Brauerei Karl Sturm GmbH & Co. KG erfolgte zuvor über einen Heizwasserkessel. Steigende Energiepreise und Emissionsabgaben sowie der Bedarf an hoher Versorgungssicherheit forderten neue Ansätze für Energiekonzepte. Als Lösung wurden ineinander verzahnte Maßnahmen in der Prozesswärmeerzeugung, der Kälteerzeugung, der Abwasserbehandlung sowie Steuerungs-, Mess- und Regelungstechnik umgesetzt. Mehr Informationen: https://www.umweltinnovationsprogramm.de/projekte/autarkbraeu-energieautarke-karmeliten-brauerei-straubing
Die CO2-freie netzdienliche Bio-Fabrik (NetFroBio)
Mit einem aktuellen Jahresumsatz von rund 7,5 Millionen EUR ist die BIO-FROST Westhof GmbH ein Kleinunternehmen gemäß EU-Definition. Es verarbeitet am Standort Wöhrden ausschließlich Bio-Frischgemüse zu Tiefkühlgemüse.
Durch Umsetzung des innovativen Konzepts trägt die Fabrik zu netzdienlichem Betrieb bei und es wird gegenüber konventioneller Technik 69 Prozent weniger an Energie für Wärme und Strom pro Jahr benötigt. Mit allen innovativen Techniken benötigt die Fabrik zudem mit 0,97 m³ Trinkwasser für jede verarbeitete Tonne Gemüse nur ein Zehntel des konventionellen Wasserverbrauchs. Mehr Informationen: https://www.umweltinnovationsprogramm.de/projekte/die-co2-freie-netzdienliche-bio-fabrik-netfrobio
Errichtung eines dynamischen und umweltfreundlichen Prüffelds der Zukunft
Die Arntz Optibelt Gruppe zählt weltweit zu den führenden Herstellern von Hochleistungs-Antriebsriemen. Um die Qualität zu prüfen, werden diese sowohl statisch als auch dynamisch getestet.
Im Prüffeld können die Weichen für energieoptimierte Produkte gestellt werden, so dass sich dieser Bereich für eine genauere Betrachtung möglicher Ressourcenoptimierungen und Energieeinsparungen anbietet. Die innovativen Verspannprüfstände verbrauchen bei 34 Prozent Teillast nur knapp 20 Prozent der Prüfriemenleistung im Vergleich zu 53 Prozent bei einem Motor-Generator-Prüfstand (Stand-der-Technik). Unter Ist-Auslastung werden somit 1,4 Mio. Kilowattstunden pro Jahr gespart, was einer Einsparung von 700 Tonnen CO2 pro Jahr für etwa 30 Jahre (Prüfstand-Nutzungsdauer) ab 2022 entspricht. Mehr Informationen: https://www.umweltinnovationsprogramm.de/projekte/errichtung-eines-dynamischen-und-umweltfreundlichen-prueffelds-der-zukunft