Energieeinsparpotenziale
Elektrische Antriebe in Industrie und Gewerbe verbrauchen fast zwei Fünftel des gesamten Stromes in Deutschland und circa 80 Prozent in diesen zwei Sektoren. Gerade bei elektrischen Antrieben und den davon angetriebenen Aggregaten besteht ein großes und wirtschaftliches Stromeinsparpotenzial – besonders bei Druckluft, Pumpen und Ventilatoren. So können zum Beispiel nach der Studie „Energieeffizienz: Potenziale, volkswirtschaftliche Effekte und innovative Handlungs- und Förderfelder für die Nationale Klimaschutzinitiative“ bis 2020 in den Sektoren Industrie und Gewerbe, Handel, Dienstleistungen rund 44 Milliarden Kilowattstunden (Mrd. kWh) Strom eingespart werden. Die größten Einsparpotenziale könnten danach besonders durch den Einsatz energieeffizienter Pumpen (5 Mrd. kWh), effizienter Beleuchtung (9 Mrd. kWh) und effizienter Lüftungs- (7 Mrd. kWh) und Druckluftsysteme (5 Mrd. kWh) ausgeschöpft werden.
Auch beim Brennstoffverbrauch der zwei genannten Sektoren liegt noch ein erhebliches Einsparpotenzial vor. Es beträgt nach der oben genannten Studie für den Sektor Gewerbe, Handel, Dienstleistungen 33 Milliarden Kilowattstunden und für den Sektor Industrie 20 Milliarden Kilowattstunden.
Noch wird dieses große wirtschaftliche Potenzial nicht genutzt. Hierfür gibt es zwei Hauptgründe: Ein Mangel an Information und finanzielle Einschränkungen. Industrie- und Gewerbeunternehmen verwenden die verfügbaren Investitionsmittel vorrangig für das Kerngeschäft und stellen hohe Anforderungen an die Amortisationszeit von Energieeffizienzmaßnahmen (vielfach Soll-Amortisationszeit kleiner 1,5 Jahre).
Bundesländer, Bundesregierung und Europäische Kommission helfen bereits, die genannten Effizienzpotenziale zu erschließen: Ökodesign-Richtlinie, Förderprogramme der Klimaschutz-Initiative des Bundesumweltministeriums oder das ERP-Umwelt- und Energieeffizienzprogramm der KfW-Bank sowie verschiedene Informationskampagnen. Darüber hinaus gibt es noch weitere Möglichkeiten, in Industrie und Gewerbe, Handel, Dienstleistungen existierende Energieeffizienzpotenziale zu erschließen. Hervorzuheben ist die Einführung von Energiemanagementsystemen, zum Beispiel gemäß der Norm DIN EN ISO 50001. Sie ermöglichen nahezu immer, wirtschaftliche Effizienzpotenziale zu erkennen und zu erschließen, besonders in der Industrie.
Die Klimawirkung von Kältesystemen in der Nichtwohngebäudeklimatisierung und der Prozesskälte unterscheidet sich stark. Anhand von Simulationsrechnungen konnte die Studie Nachhaltige Kälteversorgung in Deutschland zeigen, dass Kältemaschinen mit halogenfreien, natürlichen Kältemitteln deutlich klimafreundlicher abschneiden als HFKW-Anlagen, da erstere zum einen energieeffizienter sind und zum anderen keine oder vernachlässigbare klimarelevante direkte Emissionen (Kältemittelemissionen) verursachen. Der Anlagenvergleich umfasst auch sorptive Kältesysteme (zum Beispiel Absorptionskältesysteme). Der Anteil des Kältebedarfs in den Bereichen Gebäudeklimatisierung und Industriekälte wird ermittelt, der sich anstelle von Kompressionskältesystemen mittels wärmegetriebener Kältesysteme decken lässt. Mit Solar- oder Abwärme angetrieben, sind Absorptionskälteanlagen herausragend energieeffizient und weisen die geringsten Treibhausgasemissionen aller in der Studie untersuchten Anlagen auf. Der Potentialanalyse geht eine umfangreiche Analyse des Kältebedarfs in den betrachteten Anwendungsbereichen voraus.