Die Prozessstufen der Textilherstellung, die besonders starke Belastungen für die Umwelt hervorrufen, sind Anbau und Produktion der Rohfasern sowie die Textilveredlung.
Bei der Primärproduktion von Naturfasern werden Pestizide und Düngemittel in großer Menge eingesetzt. Bisher entfallen beispielsweise circa 14 Prozent des weltweiten Insektizidmarktes und circa fünf Prozent des Pestizidmarktes auf den Baumwollanbau. Der hohe Wasserverbrauch beim Baumwollanbau (3.600-26.900 m³ Wasser pro Tonne Baumwolle) führte unter anderem zum Austrocknen des Aralsees. Ausführliche Informationen zu den ökologischen und sozialen Folgen des Baumwollanbaus liefert das Diskussionspapier des Wuppertal-instituts „Am Beispiel Baumwolle: Flächennutzungskonkurrenz durch exportorientierte Landwirtschaft“ . Umweltentlastungen sind durch die Förderung des kontrolliert biologischen Baumwollanbaus möglich.
Die Produktion von Chemiefasern verbraucht nicht-erneuerbare Ressourcen zum einen als Rohstoff und zum anderen für die Erzeugung von Prozesswärme. Als Rohstoff werden jährlich circa 0,8 Prozent des derzeit geförderten Erdöls verbraucht.
Die Textilveredlung zählt in Deutschland zu den Branchen mit dem höchsten Abwasseranfall. Dieses Abwasser ist hoch belastet durch:
- Chemikalien, die bei der Herstellung der Fasern sowie bei der Herstellung von Garnen und Flächengebilden eingesetzt und bei der Vorbehandlung zumindest teilweise entfernt werden (insbesondere Präparations- und Schlichtemittel).
- Chemikalien, die bei der Veredlung als Textilhilfsmittel, Farbmittel und Textilgrundchemikalien eingesetzt werden.
Diese Stoffe sind zum Teil schwer abbaubar und können in den biologischen Kläranlagen nur bedingt abgebaut werden. Durch die Weiterentwicklung des Standes der Technik - dessen Umsetzung der branchenspezifische Anhang der Abwasserverordnung fordert – hat die Branche in Deutschland erhebliche Verbesserungen der Abwasserqualität und Verringerung des Wasserverbrauchs erreicht. Über den Abgaspfad entstehen erhebliche Emissionen bei den Trocknungsprozessen, die den Veredlungsprozessen im wässrigen Medium zwischen- oder nachgeschaltet sind. Diese Emissionen stammen aus den synthetischen Fasern sowie aus Präparationen (wie Spinnöle und Schmelzen), die als Hilfsmittel für die maschinelle Bearbeitung auf die Fasern und Garne aufgetragen werden.
Das sogenannte Emissionsfaktorenkonzept ist eine produktionsintegrierte Maßnahme zur Minimierung der Abgasemissionen in der Textilveredlung. Hiermit kann das Emissionspotenzial von Ausrüstungsrezepturen vorausberechnet werden. Das Konzept versetzt die Hersteller von Textilhilfsmitteln und die Anlagenbetreiber in die Lage, besonders emissionsintensive Rezepte zu erkennen und auszutauschen. Der Leitfaden „Emissionsminderung bei Textilveredlungsanlagen“ des Bayerischen Landesamtes für Umweltschutz gibt detaillierte Informationen über die abluftseitige Emissionssituation bei Textilveredlungsanlagen und über das Emissionsfaktorenkonzept.
Die oben genannten Trocknungsprozesse sowie die Erzeugung von warmem Prozesswasser führen zu einem hohen Energieverbrauch für die Textilveredlung. Die Studie „CO2-Minderungspotentiale durch rationelle Energienutzung in der Textilveredlungsindustrie“ des Bayerischen Landesamtes für Umweltschutz zeigt beispielhaft Möglichkeiten zur Nutzung des Energieeinsparpotenzials.
Das BVT-Merkblatt Textilindustrie beschreibt die Emissions- und Verbrauchssituation von europäischen Textilveredlungsanlagen sowie die Techniken zur Vermeidung und Verminderung von Umweltbelastungen detailliert. Der deutsche Beitr ag zum BVT-Merkblatt liefert umfangreiche Informationen zur deutschen Textilveredlungsindustrie.