Mit dem Indikator zu den wetter- und witterungsbedingten Störungen der Schieneninfrastruktur konnte im Monitoringbericht 2023 neben dem Straßenverkehr und der Binnenschifffahrt erstmals ein dritter Verkehrsträger berücksichtigt werden. Nicht thematisiert ist nach wie vor der Luftverkehr, für den zum Zeitpunkt der Entwicklung der DAS verschiedene Analysen ergeben hatten, dass dieser nur bedingt von möglichen Klimaänderungen betroffen sein wird158. Zwischenzeitlich wurde sowohl auf nationaler als auch internationaler Ebene zu möglichen Auswirkungen des Klimawandels auf den Luftverkehr intensiver gearbeitet, und es wurden verschiedene relevante Themenfelder identifiziert, die im Rahmen von Wirkstudien mit Beteiligung unter anderem des DWD untersucht werden. Die Untersuchungen können künftig gegebenenfalls eine Grundlage für eine Erweiterung des Indikatorensets zum Themenfeld Luftverkehr sein159. Der Öffentliche Personennahverkehr (ÖPNV) ist als weiterer Verkehrssektor bislang nur ansatzweise mit dem Indikator zu den Störungen der Schieneninfrastruktur adressiert. Grund hierfür ist, dass für den ÖPNV bislang zu wenige Informationen und Daten zu möglichen Klimawandelfolgen und notwendigen Anpassungsmaßnahmen vorliegen, um das Thema im Indikatorenset abzubilden.
Wesentliche Auswirkungen des Klimawandels auf den Verkehr sind Schäden an Verkehrsinfrastrukturen, die insbesondere als Folge von extremen Wetter- und Witterungsereignissen auftreten, sowie daraus resultierende Störungen im Verkehrsablauf und Unfallgefahren. Für den Verkehrsträger Straße erlauben die verfügbaren Daten aus der Unfallstatistik eine Annäherung an diese Themen. Um ein genaueres Bild von den Auswirkungen auf den Verkehrsablauf zeichnen zu können, wären aber Daten zur Häufigkeit und Dauer von Verkehrsbehinderungen oder Stauungen infolge wetterbezogener Ursachen wie Starkregen oder Sturm erforderlich. Mit Blick auf das Unfallgeschehen im Straßenverkehr sind vertiefende Informationen über mögliche Auswirkungen sommerlicher Hitze und Hitzeperioden auf das Fahrverhalten und Unfallgeschehen erforderlich, um den diesbezüglichen Indikator weiter zu schärfen. Für den Schienenverkehr liegen Daten zur Störungsursache teilweise nicht im gewünschten Detailgrad vor; zum Beispiel können im Großstörungsfall nicht alle gewünschten Informationen erfasst werden. Für das DAS-Monitoring ließe sich der Indikator durch die Einbeziehung der Dauer von Störfällen weiter verbessern.
Insgesamt fehlen bislang für alle Verkehrsträger systematisch erfasste und auswertbare Daten, mit denen sich die Folgewirkungen von Wetter- und Witterungsextremen auf die Verkehrsinfrastrukturen quantitativ beschreiben lassen. Sowohl für Straße und Schiene als auch für die Binnenschifffahrt wären ursachenbezogene Informationen hilfreich, die beispielsweise die Kosten für die Behebung von Schäden oder für die Instandhaltung von Verkehrsinfrastrukturen abbilden. Dies gilt auch für Infrastrukturen des Luftverkehrs, soweit dieser zukünftig in das DAS-Monitoring integriert wird. Grundsätzlich wären Daten wünschenswert, die verschiedene Regionen wie Flussniederungen, Küsten oder Mittelgebirge mit ihren jeweiligen Betroffenheiten differenziert darstellen können.
Im Verkehrsbereich lassen sich Anpassungsmaßnahmen bislang nicht anhand von Response-Indikatoren abbilden, obwohl es auch in diesem Handlungsfeld gezielte Anpassungsaktivitäten gibt. Die in Entwicklung oder schon in Umsetzung befindlichen Anpassungsmaßnahmen entziehen sich aber in vielen Fällen einer kontinuierlichen Datenerhebung, auf der eine regelmäßige Darstellung mittels Indikatoren aufgebaut werden kann. Dies gilt für informatorische Maßnahmen wie die Bereitstellung von Datendiensten, Management-Instrumenten oder Leitfäden ebenso wie für regulatorische Maßnahmen, etwa die Anpassung von Regelwerken und Bemessungsgrundlagen. Um ingenieurtechnische Ansätze zur Anpassung erfassen zu können, zum Beispiel die Entschärfung abflussschwacher Bereiche an Straßen oder die flussbauliche Sicherung einer Mindestwassertiefe an Wasserstraßen, wäre die Einführung eines „Anpassungsmarkers“ wünschenswert, mit dem sich die hierfür investierten Mittel der Klimaanpassung zuordnen lassen. Der Aufwand für regelmäßig durchzuführende Maßnahmen des operativen Managements von Verkehrsinfrastrukturen, zum Beispiel für Unterhaltungsbaggerungen an Wasserstraßen oder das Vegetationsmanagement an Bahntrassen, variiert in Abhängigkeit von verschiedenen, unter anderem klimatischen Größen. Viele dieser Maßnahmen werden an die Herausforderungen des Klimawandels anzupassen sein. Um einen sich ändernden Umfang solcher Maßnahmen quantitativ abzubilden, bedarf es einer ausreichend differenzierten Erfassung des Arbeitszeit- beziehungsweise Kostenaufwands. Eine Darstellung von operativen Maßnahmen zur Optimierung von Verkehrsabläufen und zu zeitlichen, räumlichen oder auch intermodalen Verlagerungen von Personen- und Güterverkehren würde eine aufwändige Auswertung von feingranularen Daten zu Verkehrsflüssen erfordern. Hierzu bedarf es weiterer Forschungsarbeiten, um gezielte Hinweise auf geeignete Ansätze für Monitoringindikatoren zu erhalten.