Lebensgewohnheiten und Lebensumfeld bestimmen, welche Schadstoffe Menschen aufnehmen. So wich die Schadstoffbelastung der Menschen in der ehemaligen DDR von der der Bürger der Bundesrepublik Deutschland ab. Obwohl die deutsche Einheit zu Zeiten der Deutschen Umweltstudie zur Gesundheit, GerES 1997-1999 bereits einige Jahre Bestand hatte, fanden die UBA-Forscherinnen und UBA-Forscher zum Teil noch Unterschiede in der Schadstoffbelastung. Einige Werte hatten sich aber auch angeglichen. Im Bezug auf Biozide im Hausstaub zeigt die Analyse je nach Substanz weiterhin Unterschiede zwischen Ost und West - teilweise aber auch Gemeinsamkeiten (siehe Tabelle).
Einheit bei Cadmium-, Quecksilber- und PAK-Belastung
In der Deutschen Umweltstudie zur Gesundheit, GerES 1990-1992 fand das UBA bei der Bevölkerung in Ostdeutschland noch eine höhere Belastung mit Cadmium im Blut und Urin sowie Quecksilber im Blut. Sieben Jahre später, war von diesem Unterschied nichts mehr zu erkennen. Als Grund vermuten die UBA-Forscherinnen und Forscher, dass die Emissionen in den neuen Ländern abgenommen hatten und dass das Essen weniger belastet war.
Ein ähnliches Bild ergibt sich für die Belastung mit polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffen (PAK), die Ende der 90iger erstmals in einer Deutschen Umweltstudie zur Gesundheit untersucht wurden. Proben, die das UBA rückwirkend untersuchen ließ, zeigten, dass sich auch die PAK-Belastung zwischen Ost und West angeglichen hatte. Neben dem Rückgang von Industrieabgasen im Osten, vermuten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, dass Privathaushalte alte Kohleheizungen durch modernere Anlagen ersetzt hatten.
Unterschiede bei Organochlorverbindungen und Trinkwasser
Die Bevölkerung in den neuen Bundesländern war stärker mit Dichlordiphenyldichlorethen (DDE) belastet, einem Abbauprodukt des Insektenbekämpfungsmittels Dichlordiphenyltrichlorethan (DDT). DDT wurde in der BRD bereits Ende der 70iger verboten, in der DDR erst Ende der 80iger. Im Westen waren dafür polychlorierte Biphenyle (PCB) weiter verbreitet. Sie wurden bis 1973 beziehungsweise 2000 als Weichmacher oder in Hydraulikflüssigkeiten eingesetzt. Heute gelangen Organochlorverbindungen hauptsächlich über tierische Nahrungsmittel in den menschlichen Körper. Da sich die Substanzen im Körperfett von Tieren anreichern und nur langsam abgebaut werden, braucht es Jahre bis Jahrzehnte, bis sie aus der Nahrungskette verschwinden.
Unterschiedliche Elementgehalte im Trinkwasser hängen hauptsächlich mit den Rohrsystemen der Häuser in Ost und West zusammen. So wurde in den neuen Ländern häufiger der Grenzwert der Trinkwasserverordnung für Blei, Nickel und Zink überschritten. Allerdings zeigte sich, dass der Bleigehalt des Stagnationswassers, das mehrere Stunden in den Leitungen gestanden hatte, in Ostdeutschland abgenommen hatte. Gleichzeitig stieg der Kupfergehalt. Ein Zeichen, dass im Osten zunehmend Blei- durch Kupferrohre ausgetauscht wurden.
Galerie: Vergleich und Entwicklung der Schadstoffbelastung in Ost- und Westdeutschland
In Vergleichstabellen können sich Abweichungen von den Ergebnistabellen der einzelnen Deutschen Umweltstudien zur Gesundheit ergeben, weil Daten für die Vergleiche neu berechnet oder andere Daten berücksichtigt werden mussten.