Die Green-Szenarien sind in der RESCUE-Studie veröffentlicht und wurden im November 2019 auf einer internationalen Konferenz vorgestellt.
Die RESCUE-Studie zeigt, dass Treibhausgasneutralität in Deutschland bei gleichzeitiger Reduktion der Primärrohstoffinanspruchnahme durch ambitioniertes Handeln möglich ist. Dazu muss auf allen Ebenen gemeinschaftlich ambitioniert und auf einander abgestimmt vorangeschritten werden. Es reicht dabei nicht aus, dass nur die technischen Möglichkeiten zur Treibhausgasminderung und Reduzierung des Rohstoffkonsums genutzt werden. Es bedarf vielmehr einer breiten Kombination an Strategien zur:
- Substitution: Ersetzen von treibhausgas- und ressourcenintensiven Techniken und Produkten durch treibhausgasneutrale bzw. treibhausgas- und ressourcenarme Alternativen.
- Vermeidung: Durch Effizienz, Suffizienz und zunehmende Kreislaufführung von Materialien reduzierter Verbrauch von Produkten und Aktivitäten, die zu geringen Treibhausgasemissionen und niedriger Primärrohstoffinanspruchnahme und Ressourcenbeanspruchung führen.
- Senken: Die Entnahme von bereits emittiertem CO2 aus der Atmosphäre durch Kohlenstoffsenken, wie Wälder zur Treibhausgasminderung.
Für einen erfolgreichen Klimaschutz müssen natürliche Senken stärker genutzt werden. Sie stellen jedoch keinen Ersatz für Substitution und Vermeidung dar. Schon heute besteht so die Möglichkeit einer nachhaltigen CO2-Entnahme aus der Atmosphäre und der Möglichkeit, Synergien zu weiteren Herausforderungen in der Umweltpolitik, bspw. Biodiversitätsschutz, zu heben.
Die RESCUE-Studie zeigt, dass für einen angemessenen Beitrag Deutschlands zur Begrenzung des globalen Temperaturanstiegs auf 1,5 °C und für eine global gerechtere Rohstoffnutzung sehr hohe nationale Anstrengungen entsprechend dem GreenSupreme-Szenario nötig sind. Je früher und ambitionierter gehandelt wird, desto ausgewogener ist die Balance zwischen den Strategien Substitution, Vermeidung und Senken für die Gestaltung von Klima- und Ressourcenschutz. Andernfalls wird ein Punkt überschritten, jenseits dessen das Ziel der Treibhausgasneutralität nicht mehr rechtzeitig erreicht werden kann.
Für eine Entwicklung Deutschlands, die sich am Klima-Übereinkommen von Paris orientiert, sind die nationalen Treibhausgasemissionen bis 2030 gegenüber 1990 um rund 70 % zu mindern. Die aktuellen Politiken und Zielsetzungen der Bundesregierung reichen nicht aus, dass Deutschland seiner Verantwortung gerecht wird. Es ist eine deutliche Ambitionssteigerung der Treibhausgasminderung bis 2030 in Deutschland erforderlich.
Die Wechselwirkungen zwischen Klima- und Ressourcenschutz erfordern ein übergreifendes Denken und integriertes Handeln. Alle Green-Szenarien vollziehen den Ausstieg aus der Nutzung fossiler Energien in allen Bereichen, also Strom, Brennstoffe, Kraftstoffe und Rohstoffe (Ausgangsstoffe) für die chemische Industrie. Der zeitweise Mehrbedarf an Rohstoffen zum Umbau des Energiesystems sollte durch einen Technologiemix und entsprechende technologische Entwicklungen verringert werden. Zusätzlich sollte der Ausbau der erneuerbaren Energien global koordiniert erfolgen, um Bedarfsspitzen nach einzelnen Materialien möglichst gering zu halten.
Der Ausstieg aus der Kohleverstromung sollte bis 2030, der vollständige Ausstieg aus der Kohlenutzung (also auch Wärme und Rohstoff in der Industrie) sollte bis spätestens 2040 erfolgen. Auf die Nutzung fossiler Energieträger sollte bis spätestens 2050 vollständig verzichtet werden.
Ein gesellschaftliches Umdenken ist notwendig, um ein umweltbewussteres Handeln sowohl bei der Nachfrage als auch beim Angebot sicherzustellen. Hierfür sind politisch die erforderlichen ordnungsrechtlichen, sozialen und ökomischen Rahmenbedingungen zu schaffen sowie bildungspolitische Maßnahmen zu ergreifen.
Seitens der Politik bedarf es eines klaren Bekenntnisses zu einer ambitionierten Klima- und Ressourcenschutzpolitik. Es müssen nicht nur ambitionierte Ziele im Klima- und Ressourcenschutz gesetzt werden, sondern es muss der Rahmen dafür geschaffen werden, dass diese auch sicher erreicht werden. Ergänzend sind entsprechende europäische und internationale Entwicklungen erforderlich, die sich am Übereinkommen von Paris und der Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung orientieren. So bedarf es insbesondere der Verankerung von Ressourcenschonung in bi- und multilateralen Abkommen (z.B. Rohstoffpartnerschaften, Handelsabkommen, der Dialog mit multilateralen Organisationen und Plattformen (G7/G20, EU, UNEP, etc.) sowie der Vereinbarung von international verbindlichen Zielen zur Rohstoffinanspruchnahme bzw. Rohstoffeffizienz.
Deutschland muss Maßnahmen ergreifen, um globale Treibhausgasminderungen und eine Minderung der Rohstoffinanspruchnahme durch finanzielle, technologische Hilfen und Wissenstransfer zu unterstützen. Der Ausstieg aus der Nutzung fossiler Energieträger sowie der Schutz und Ausbau der natürlichen Senken sollte dabei im Fokus stehen. In Deutschland in Verkehr gebrachte Produkte (auch importierte Produkte) sollten hohen Anforderungen an geringen Treibhausgasemissionen und der Materialeffizienz, bezogen auf die gesamte Lieferkette, gerecht werden, um so auch den globalen Wandel zu Klima- und Ressourcenschutz zu stärken.
Es muss jetzt breit gehandelt werden! Und jeder Beitrag, sowohl in Produktion als auch bei der Nutzung ist wichtig!
Hier finden sie eine detailliertere Darstellung der zentralen Studienergebnisse.