Die Herausforderungen, die der Klimawandel für die unterschiedlichen Tourismussegmente, Regionen und Akteursgruppen mit sich bringt, sind ebenso vielfältig wie die Möglichkeiten und Erfordernisse zur Anpassung. Es liegt in der Verantwortung der Anbieter von touristischen Produkten und Dienstleistungen, mit technischen Maßnahmen an eigenen Immobilien und Infrastrukturen Vorsorge gegenüber möglichen Klimawandelfolgen zu treffen. Beispielsweise sollten touristisch genutzte Gebäude zum Schutz vor Hitze hohe Standards für den sommerlichen Wärmeschutz einhalten und Aufenthaltsflächen im Freien einen ausreichenden Schutz vor Sonneneinstrahlung bieten. Aus dem gleichen Grund sollten auch touristisch genutzte Rad- und Fußwege mit einer ausreichenden Beschattung ausgestattet sein. Darüber hinaus sind auch nicht technische Anpassungsmaßnahmen von Bedeutung. Eine wichtige Anpassungsaufgabe für Tourismusanbieter kann es sein, ein gezieltes Risikomanagement zu etablieren, das beispielsweise Notfallmaßnahmen oder Maßnahmen zur Gesundheitsvorsorge gegen Hitze beinhaltet. Außerdem beinhaltet Klimaanpassung für Tourismusanbieter Maßnahmen der Information und Kommunikation, die zum Ziel haben, Gäste über Klimarisiken zu informieren oder Besucherströme in risikoarme Bereiche zu lenken. Auch kann ein gezieltes Marketing von touristischen Angeboten sinnvoll sein, die eine gleichmäßigere saisonale Auslastung des eigenen Betriebs oder der Destination unterstützen (siehe Indikator TOU-R-1). Die Basis hierfür kann eine strategische Diversifizierung und Erweiterung des Angebots schaffen. Grundsätzlich ist die Anpassung an den Klimawandel auch im Tourismus ein kontinuierlicher Prozess, der bei der Weiterentwicklung von Destinationen und Betrieben stets mitzudenken und zu berücksichtigen ist.
Um Anpassungsprozesse zielgerichtet durchführen zu können, sind Tourismusanbieter angesichts der vielfältigen Herausforderungen und Möglichkeiten der Anpassung auf eine fundierte Wissensbasis und Instrumente der Entscheidungsunterstützung angewiesen. Bund und Länder unterstützen die Klimaanpassung im Tourismus unter anderem mit der Erarbeitung notwendiger Grundlagen. Beispielsweise wird der Aspekt der Klimaanpassung als Teil des Kernthemas „Klimaneutralität / Umwelt- und Naturschutz“ im Dialogprozess der „Nationalen Plattform Zukunft des Tourismus“ mit verschiedenen touristischen Akteuren adressiert. In einem UBA-Projekt wurden die Folgen des Klimawandels für deutsche Tourismusdestinationen und die hierzu bestehenden Anpassungsmöglichkeiten untersucht195. Um die Ergebnisse für Tourismusverantwortliche in der Praxis gut nutzbar zu machen, entstanden aus dem Projekt ein Leitfaden zur Klimaanpassung in Destinationen und weitere Informationsangebote.196
Neben der Forschungsförderung unterstützt die öffentliche Hand die Anpassung im Tourismus auch finanziell über verschiedene Förderprogramme. Angesichts der Bandbreite an möglichen Maßnahmen und den Schnittstellen zu anderen Handlungsfeldern, beispielsweise bei der Sicherung von Infrastrukturen, sind hierbei neben tourismus- und anpassungsspezifischen auch weitergehende Förderprogramme zu berücksichtigen. In dem oben bereits erwähnten UBA-Projekt wurden im Jahr 2018 insgesamt 30 relevante Förderprogramme auf Bundes- und Landesebene ermittelt; zudem wurden auch verschiedene Förderinstrumente der EU als relevant eingestuft. Von Bundesseite zählten oder zählen zu den Fördermöglichkeiten beispielsweise das Programm „Maßnahmen zur Anpassung an die Folgen des Klimawandels“, das KfW-Umweltprogramm und die Umweltschutzförderung der Deutschen Bundesstiftung Umwelt. Auch in den meisten Bundesländern gibt es nach den Ergebnissen des UBA-Projekts Förderprogramme, die eine Anpassung an den Klimawandel im Tourismus unterstützen. Vor allem mit Blick auf die Anpassung des Wintertourismus wird allerdings verstärkt diskutiert, die Förderung von touristischen Investitionen auf ganzjährig nutzbare Urlaubs- und Freizeitangebote zu beschränken.
In etlichen Bundesländern bestehen zudem regionalspezifische Informationsangebote, die eine Anpassung an den Klimawandel im Tourismus unterstützen. Des Weiteren integrieren Länder und Verbände das Thema Klimaanpassung zusehends in bestehende Netzwerke für Tourismusanbieter, um für das Thema zu sensibilisieren und auf Informationsmöglichkeiten hinzuweisen.
191 - StBA – Statistisches Bundesamt (Hg.) 2021: Aktuelle Daten zur Tourismuswirtschaft – Kurzfassung. Wirtschaftliche Bedeutung und Nachhaltigkeit. 40 S. https://www.destatis.de/DE/Themen/Wirtschaft/Volkswirtschaftliche-Gesamtrechnungen-Inlandsprodukt/Publikationen/Downloads-Input-Output-Rechnung/aktuelle-daten-tourismuswirtschaft.html
192 - Dworak T., Lotter F., Hoffmann P., Hattermann F., Bausch T., Günther W. 2021: Folgen des Klimawandels für den Tourismus in den deutschen Alpen- und Mittelgebirgsregionen und Küstenregionen sowie auf den Badetourismus und flussbegleitende Tourismusformen. Abschlussbericht. Umweltbundesamt (Hg.). Texte 117/2021, Dessau-Roßlau, 160 S. https://www.umweltbundesamt.de/sites/default/files/medien/479/publikationen/texte_117-2021_folgen_des_klimawandels_fuer_den_tourismus_in_deutschland_0.pdf
193 - Institut für Länderkunde Leipzig 2000, abgebildet in: DTV – Deutscher Tourismusverband e.V. (Hg.) 2002: 100 Jahre DTV – Die Entwicklung des Tourismus in Deutschland 1902–2002.
194 Dworak et al. 2021, siehe Endnote 192
195 Dworak et al. 2021, siehe Endnote 192
196 UBA – Umweltbundesamt (Hg.) 2021: Anpassung an den Klimawandel im Tourismus. https://www.umweltbundesamt.de/themen/klima-energie/klimafolgen-anpassung/anpassung-an-den-klimawandel/anpassung-auf-kommunaler-ebene/anpassung-an-den-klimawandel-im-tourismus#wie-betrifft-der-klimawandel-die-tourismuswirtschaft