Die Küsten- und Meeresgebiete der Nord und Ostsee unterscheiden sich in ihren morphologischen und hydrodynamischen Eigenschaften. Im Küstenverlauf wechseln Steil- und Flachküstenabschnitte, und diese reagieren unterschiedlich auf die Auswirkungen des Klimawandels. Die Nordsee steht zudem unter starkem Einfluss der Tide, während die Gezeiten an der Ostsee nur schwach ausgeprägt sind. Dies erfordert für das Monitoring, dass die Indikatoren stets differenziert mit Blick auf die entsprechenden Bedingungen an der Nordsee und der Ostsee entwickelt und interpretiert werden. Gleichzeitig ermöglicht jedoch der bundesweite Zuschnitt des DAS-Monitorings nur sehr eingeschränkt bundesland- oder gar regionsspezifische Betrachtungen. Um dennoch wichtige Themen wie die Küstenerosion oder die zunehmenden Herausforderungen der Entwässerung der küstennahen Niederungsgebiete im DAS-Monitoring adressieren zu können, wird für den Monitoringbericht 2023 mit Fallstudien gearbeitet (siehe Indikatoren KM-I-4 und KM-I-6). Diese lassen keine allgemeinen Rückschlüsse auf den gesamten deutschen Küstenraum zu. So erlaubt die Fallstudie zur Veränderung der Steilküste auf dem Fischland / Ostsee keine Aussagen zum Küstenrückgang an anderen Küstentypen. Ebenso wenig sind die Entwässerungsbedingungen im Gebiet des in der Fallstudie KM-I-6 dargestellten Eider-Treene-Schöpfwerksverbands mit denen der anderen Schöpfwerksverbände unmittelbar vergleichbar. Mit Blick auf diese Themen gilt es daher, nicht nur zusätzliche Datenquellen zu erschließen, sondern auch weiterführende konzeptionelle Vorstellungen zu entwickeln, wie man unter Berücksichtigung der heterogenen Verhältnisse zu generalisierenden Aussagen kommen kann.
Erhebliche methodische, teilweise auch datentechnische Herausforderungen bestehen ebenso für die Beschreibung von Phänomenen wie der Verschiebung der Brackwasserzone im Ästuarbereich beziehungsweise bis ins Landesinnere hinein, der Versalzung küstennaher Grundwasservorkommen oder auch der Auswirkungen von Sturmfluten auf den Hochwasserschutz im Binnenbereich. Die Kleingruppe Klimaindikatoren, die von der LAWA zur Entwicklung gemeinsamer Indikatoren im Wasserbereich eingesetzt wurde, diskutierte diese und weitere Themen. Dennoch bedarf es bis zur Entwicklung aussagekräftiger Indikatoren weiterer wissenschaftlicher Auseinandersetzungen. Als besonders schwierig erweist sich, dass gerade die Küstengebiete, auch die hier mündenden Fließgewässer, in erheblichen Teilen stark anthropogen überprägt sind und sich damit sehr vielfältige Einflussfaktoren überlagern. Die unmittelbaren Effekte des Klimawandels herauszuarbeiten, ist vor diesem Hintergrund eine große Herausforderung, teilweise auch gar nicht möglich.
Da Investitionen in den Küstenschutz in Deutschland zum deutlich überwiegenden Teil aus der GAK finanziert werden, sind diese über die bundesdeutsche GAK-Berichterstattung abbildbar (siehe Indikator KM-R-2). Für Schäden, die an Küstenschutzsystemen entstehen, gibt es hingegen keine zentrale Datenhaltung. Ähnlich verhält es sich mit Schäden an Siedlungen und Infrastrukturen im Hinterland. Auch Versicherungsdaten lassen sich nicht spezifisch für diese Regionen auswerten. Möglicherweise werden die Arbeiten zum Aufbau eines bundesweiten Klimaschadenskatasters durch BMUV und UBA weitere Erkenntnisse hervorbringen.
Mögliche Beeinträchtigungen touristischer Nutzungsmöglichkeiten an der Küste werden in den DAS-Handlungsfeldern „Tourismuswirtschaft“ (siehe Indikatoren TOU-I-1 und TOU-I-3) und „Menschliche Gesundheit“ (siehe Indikator GE-I-7) thematisiert. Eine umfassendere und systematischere Betrachtung kann aber bisher nicht erfolgen. Dies gilt in besonderer Weise auch mit Blick auf Anpassungsmaßnahmen und -aktivitäten. Auch hier gibt es neben den Datenlücken nach wie vor konzeptionelle Herausforderungen.
Generell sind die Verknüpfungen zwischen Meeresschutz und Klimaanpassung im DAS-Monitoring noch kaum thematisiert, die Meeresökosysteme selbst noch wenig im Blick. Hier gibt es nach wie vor Wissens- und Datenlücken, es besteht aber die Befürchtung, dass sich der Klimawandel zum größten Motor des Artensterbens im Meer entwickelt. Eine vertiefende Diskussion zu möglichen Indikatoren wie zur Versauerung und zum Verlust von Sauerstoff (auch der Zunahme von Todeszonen ohne Sauerstoff) und deren Folgen für die Artenzusammensetzung steht noch aus.