Recycling
Ein wichtiger „Rohstoff“ in der Behälter- und auch der Flachglasindustrie sind Scherben. In der Regel können in allen Produktionsstätten die Scherben wiedereingesetzt werden, die als Bruch während der Produktion entstehen. Zusätzlich dazu werden in der Behälterglasindustrie fast alle eigentlichen Rohstoffe durch Scherben ersetzt. Seit den 1970er-Jahren gibt es für diese Branche ein Sammelsystem, bei dem in der Regel nach drei Farben (weiß, braun, grün) Behälterglas getrennt gesammelt wird. Mit der Verpackungsverordnung von 1991 bekam dieses Sammelsystem einen rechtlichen Rahmen. Es wurde für Behälterglas eine Verwertungsquote von 75 Prozent festgelegt. Zwischenzeitlich wurde die Quote weiter angehoben. Mit Inkrafttreten des Verpackungsgesetzes (VerpackG) zu Jahresbeginn 2019 müssen mindestens 80 Masseprozent des Behälterglases zur Wiederverwendung vorbereitet oder dem Recycling zugeführt werden. Ab dem Jahr 2022 steigt die Verwertungsquote für Behälterglas auf 90 Prozent.
Im Jahr 2006 hat jeder Bundesbürger im Durchschnitt 24 Kilogramm Altglas gesammelt und in Containern entsorgt. Insgesamt wurden in Deutschland 2,6 Millionen Tonnen Altglas gesammelt – davon 1,9 Millionen Tonnen in den privaten Haushalten. Bei einer Produktionsmenge von 3,9 Millionen Tonnen im gleichen Jahr mit einem Inlandsabsatz von 2,9 Millionen Tonnen Behälterglas betrug die Sammelquote circa 84 Prozent.
Nach der Sammlung werden die Altglasfraktionen in sogenannten Drei-Kammer-Fahrzeugen zur den Aufbereitungsanlagen gefahren, wo die Scherben von Störstoffen (Keramik, Steine, Porzellan etc.) befreit, farblich nachsortiert und granuliert werden. Von dort aus wird das Altglas-Granulat zu den Glashütten transportiert, wo es Rohstoffe ersetzt. Aber der Einsatz von Glasscherben trägt nicht nur zur Ressourcenschonung bei, er verringert auch noch die prozessbedingten CO2-Emissionen und den Energieverbrauch. Pro ein Prozent Scherben werden 0,2 bis 0,3 Prozent Energie eingespart. Dies bedeutet eine zehnprozentige Einsparung bei einem Scherbeneinsatz von 50 Prozent, die in der Behälterglasindustrie durchschnittlich erreicht wird. Bei Grünglas kann der Scherbenanteil sogar über 70 Prozent liegen, da diese Glasfarbe einen relativ hohen Anteil an Fehlfarben toleriert.
Auf dem Weg zur Nachhaltigen Produktion in der Glasindustrie
Im sogenannten Brundtland-Report aus dem Jahre 1987 wurde der Begriff „Nachhaltige Entwicklung“ folgendermaßen definiert: „Entwicklung zukunftsfähig zu machen, heißt, dass die gegenwärtige Generation ihre Bedürfnisse befriedigt, ohne die Fähigkeit der zukünftigen Generation zu gefährden, ihre eigenen Bedürfnisse befriedigen zu können." Was bedeutet das nun für die Produktion von Glas und Mineralfasern? Bei einem solch energieintensiven Herstellungsprozess bedeutet dies, dass Glas- und Mineralwolle wohl niemals nachhaltig produziert werden kann. Nur eine Annäherung an dieses Ziel ist durch intensive Anstrengungen unter anderem bei der Energie- und Rohstoffeinsparung möglich. Viele Ansätze gibt es in diesem Bereich für die Industrie. Verschiedene Projekte wurden durchgeführt, um zum Beispiel durch die direkte Vorwärmung der Altglasscherben mit Abluft den Energieverbrauch in der Schmelze zu senken. Optimierungspotenziale im Bereich Scherbeneinsatz und -aufbereitung wurden ermittelt und realisiert. Aber noch gibt es hier einiges zu tun. Das Umweltbundesamt unterstützt die Weiterentwicklungen mit Investitionsprojekten.
Aber auch jeder Bürger kann einen Beitrag zur Nachhaltigkeit leisten. Kaufen Sie zum Beispiel Mehrwegflaschen , die bis zu 50-mal wieder befüllt werden können, bevor sie wieder eingeschmolzen werden. Wenn es sich nicht um regionale Spezialitäten handelt, verzichten Sie besser auf Flaschen mit speziellen Formen, Farben oder Prägungen. Denn diese müssen über lange Transportstrecken zu speziellen Brauereien zurückgebracht werden. Greifen Sie einfach zu sogenannten Einheitsflaschen, wie zum Beispiel der Perlglasflasche, die zum nächstgelegenen Abfüller zurückgebracht werden kann.