Die Ozeane um die Antarktis sind für viele Arten von ganz besonderer Bedeutung. Wale, die regelmäßig in das Südpolarmeer wandern, finden hier im antarktischen Sommer nicht nur ein besonders gutes Nahrungsangebot, sondern auch eine der wenigen Regionen der Welt, die erst gering durch menschliche Aktivitäten „verlärmt“ ist. Das reichhaltige Nahrungsangebot im Antarktischen Sommer erlaubt es heimischen Robben und Pinguinen, ihre Jungen in oftmals großen Kolonien gut geschützt aufzuziehen. Unterwasserlärm kann sich in verschiedener Weise auf den Erfolg der Nahrungssuche auswirken.
In den Meeren der südlichen Hemisphäre ist es nicht immer leiser als im Rest der Welt, aber die Lärmquellen sind überwiegend natürlicher Art. Im Antarktischen Winter ist es unter dem gefrorenen Eispanzer sehr leise. Mit zunehmenden Temperaturen schmilz das Eis, Eisschollen reiben sich gegeneinander und hausgroße Stücke des Schelfeises brechen ab. All dies erzeugt natürlichen Lärm im Meer, an den die aquatische Lebewelt gut angepasst ist. Von Menschen erzeugten Lärm gibt es hier nur wenig: In der Antarktis wird weder nach Bodenschätzen gesucht, noch werden Offshore-Installationen, wie Windkraftanlagen, gebaut. Da für Fahrten im Südpolarmeer nur wenige Schiffe ausgerüstet sind, gibt es einen geringeren Schiffsverkehr, so dass der hieraus resultierende, dominierende, tieffrequente Hintergrundlärm deutlich niedriger ausfällt – er ist um etwa 20 Dezibel niedriger als in den restlichen Meeren der Welt. Allerdings konzentriert sich die Schifffahrt auf die kurze Zeit um den antarktischen Sommer und bestimmte Regionen, zum Beispiel die häufig von Touristen und Wissenschaftler besuchte Antarktische Halbinsel.
In den Meeren um die Antarktis ist eine Vielzahl unterschiedlicher Schiffe aktiv. Den Großteil machen Touristenschiffe – also große und kleine Expeditionskreuzfahrtschiffe und Yachten – aus, da etwa 95 Prozent des Tourismus schiffsbasiert sind. Zusätzlich sind Forschungs- und Marineschiffe sowie Fischereiboote im Südpolarmeer unterwegs. Die meisten unternehmen dabei mehrere Fahrten pro Saison. Jedes dieser Schiffe bringt überwiegend tieffrequenten kontinuierlichen Schall in den Ozean ein. Forschungsschiffe nutzen zudem Geräte, wie wissenschaftliche Airguns (auch Schallkanonen oder Luftpulser genannt) oder Sonare, die impulshafte Schallwellen mit erheblichen Quellschallpegeln aussenden: Wissenschaftliche Airguns erreichen Spitzenschallpegel von bis zu 250 dB. Sie sind damit 1.000-mal lauter als ein Schiff. Der größte Teil dieses Lärms stammt aus dem tiefen Frequenzbereich bis 300 Hz, in dem auch die im Südlichen Polarmeer häufigen Bartenwale, wie Blauwal oder Buckelwal, überwiegend kommunizieren. Auch Pinguine verbringen einen großen Teil ihres Lebens im Wasser, aber wir wissen kaum etwas über ihre Hörfähigkeit. In einem aktuellen Forschungsvorhaben lässt deshalb das UBA derzeit die Hörfähigkeit von Pinguinen testen.