Moorrenaturierung
Eines der Vorzeigebeispiele für NbS ist die Renaturierung und Wiedervernässung von ehemals trockengelegten Mooren. Durch die Trockenlegung gelangt Sauerstoff in die Torfböden und Zersetzungsprozesse werden angeregt, wodurch immense Mengen an klimaschädlichem CO2 an die Atmosphäre abgegeben werden. Dieser Prozess kann durch Wiedervernässung gestoppt werden und trägt damit aktiv zur Reduktion von CO2-Emissionen bei. Zusätzlich ist diese Maßnahme mit einer Erhöhung der Biodiversität verbunden. Zu den Ländern mit einem hohen Anteil an Moorfläche (über 10 Prozent der Landesfläche) zählen zum Beispiel Finnland, Kanada und Indonesien. Schaut man sich die EU und den Status der Moore innerhalb der Mitgliedsstaaten an, so gelten 50 Prozent der Moore als degradiert, also beschädigt und nicht mehr in ihrem natürlichen ursprünglichen Zustand (Boell 2023). Für den Klima- und Biodiversitätsschutz haben NbS hier ein besonders großes Potenzial. Mehr Informationen befinden sich auf der Internetseite zu Moorklimaschutz.
Wiederbewaldung
Der Schutz bestehender Wälder und die Wiederbewaldung von ehemals abgeholzten Wäldern können dazu beitragen, Kohlenstoff zu speichern, den Wasserhaushalt zu verbessern und die Biodiversität zu fördern. Wälder sind der wichtigste oberirdische Kohlenstoffspeicher und großflächige, diverse Wälder, wie der Amazonas-Regenwald, gelten als Hotspot der Biodiversität. Hier gilt es, bestehende Wälder zu bewahren und degradierte Flächen wieder in ihren ursprünglichen naturnahen Zustand zurückzuführen.
Per NbS-Definition sind Aufforstungsmaßnahmen, die auf den Anbau von großflächigen Wald-Monokulturen abzielen, aber auszuschließen. Diese speichern zwar Kohlenstoff, aber tragen nicht zur Erhöhung der Biodiversität in den Wäldern bei, weshalb diese Maßnahme nicht als eine NbS angesehen wird. Ebenso werden Maßnahmen der atmosphärischen Kohlenstoffabscheidung, wie der Anbau von Pflanzen zur energetischen Nutzung in Kombination mit CO2-Abscheidung und Speicherung (BECCS, engl. Bioenergy with Carbon Capture and Storage), oder auch die Herstellung und Nutzung von Pflanzenkohle nicht als NbS bezeichnet, da dies teils technische Ansätze sind und nicht direkt zu einer Erhöhung der Biodiversität beitragen.
Wiederherstellung von Küstenökosystemen und Mangrovenwäldern
Der Schutz und die Renaturierung von marinen und küstennahen Ökosystemen, wie den Mangrovenwäldern, können einen immensen Beitrag für den Klimaschutz leisten, da diese überdurchschnittlich viel Kohlenstoff speichern. Zusätzlich schützen intakte Mangrovenwälder vor Sturmfluten und Überschwemmungen von Küstengebieten und dienen somit auch der Anpassung an die Folgen des Klimawandels. Für die lokale Bevölkerung stellen intakte Mangrovenwälder zudem eine wichtige Einkommensquelle durch den Verkauf von Holzprodukten und Fischerei dar. Marine und küstennahe Ökosysteme wie Mangrovenwälder, Seegras- und Salzwiesen sind auch unter dem Begriff „Blue Carbon“-Ökosysteme bekannt. Diese speichern Kohlenstoff in ihrer Biomasse und den Sedimenten und tragen zu einer Verbesserung der Biodiversität bei.
Klimafreundliche Bodennutzung als NbS
Böden spielen eine besondere Rolle für den Klimaschutz, denn sie speichern mehr Kohlenstoff als die gesamte Vegetation und Atmosphäre zusammen und können Treibhausgasemissionen binden. Gleichzeitig können sie aber auch eine Emissionsquelle sein, wenn der gebundene Kohlenstoff durch nicht nachhaltige Landnutzung und Landnutzugsänderung (zum Beispiel die Entwässerung von Mooren) freigesetzt wird. Darüber hinaus hat die Nutzung von Böden Auswirkungen auf die Biodiversität und Wasserqualität. Eine klimafreundliche Bodennutzung durch naturbasierte Lösungen kann sich auch positiv auf die Bodengesundheit und damit auf Klimaanpassungsziele und Ernährungssicherheit auswirken.
Weitere Maßnahmen
Eine weitere beispielhafte Maßnahme für NbS ist die Vergrößerung von Grünflächen im urbanen Raum (Stichwort „Schwammstadt“) oder die Integration von Bäumen auf landwirtschaftlichen Flächen („Agroforstwirtschaft“ genannt). Naturbasierte Maßnahmen sind sehr vielfältig und können unterschiedlichste Ökosysteme betreffen. Die Einzelmaßnahmen müssen aber immer an den jeweiligen Standort und Ökosystem angepasst sein.
In der vom Umweltbundesamt beauftragten Studie „Role of soils in climate change mitigation“ (Frelih-Larsen et al., 2022) werden verschiedene Maßnahmen von klimafreundlicher Bodennutzung auf Übereinstimmung dieser Maßnahmen mit der Definition von NbS sowie deren Klimaschutzpotenzial hin untersucht. Die globalen Klimaschutzpotenziale von NbS-Maßnahmen für verschiedene Ökosysteme und deren ökologischen Einschränkungen werden in der vom UBA beauftragten Studie „Nature-based solutions and global climate protection“ (Reise et al., 2022) untersucht.