Am Vormittag des 24. Juni 2016 ruft Landrat Dr. Kai Zwicker im Kreis Borken in Nordrhein-Westfalen den Katastrophenalarm aus. Zuvor hatte es heftige Regenfälle gegeben – nun stehen Straßen unter Wasser, Keller sind vollgelaufen, Deiche drohen zu brechen. Und es ist bereits das zweite Mal innerhalb eines Monats, dass es im Kreis Borken zu Überschwemmungen kommt. Den betroffenen Kommunen ist klar: Es muss etwas passieren. Denn aufgrund des Klimawandels steigt zunehmend die Gefahr von Starkregen und Hochwasser in Deutschland.
Neun Städte und Gemeinden im südlichen Teil des Kreises schließen sich daraufhin für das Klimaprojekt „Hochwasserallianz Bocholter Aa“ zusammen und entwickeln unter anderem ein Schutzkonzept für die Region rund um den Fluss und seine Zuläufe. Ein Warnsystem und naturnahe Lösungen, wie etwa die Schaffung von Überschwemmungsfläche durch artenreiche, breite Auenstrukturen, helfen seither nicht nur bei Hochwasser, sondern auch bei Starkregen. Das ebenso ambitionierte wie erfolgreiche Projekt wurde 2022 vom Bundesumweltministerium und dem Umweltbundesamt mit dem Bundespreis „Blauer Kompass“ ausgezeichnet. Der „Blaue Kompass“ ist die höchste staatliche Auszeichnung in Deutschland, die im Rahmen eines Wettbewerbs für Projekte zur Vorsorge und Anpassung an die Folgen des Klimawandels vergeben wird.
„Die Auszeichnung hat in gewisser Weise auch unsere Sichtweise auf die eigene Tätigkeit verändert“, sagt Rouven Boland von der Stabsstelle Abteilung Klimaschutz und Klimafolgenanpassung im Kreis Borken. „Hier im Münsterland neigen wir doch zur Bescheidenheit und haben daher die Projekte im Rahmen der Hochwasserallianz und auch die Zusammenarbeit mit und unter den Kommunen als normalen Teil unserer täglichen Arbeit angesehen. Daher war bereits die Nominierung ein starkes Motivationssignal und die nachfolgende Auszeichnung natürlich noch einmal umso mehr.“ Durch den Bundeswettbewerb sei die landesweite Aufmerksamkeit für die „Hochwasserallianz Bocholter Aa“ gestiegen, es habe mehrere Anfragen an den Kreis dazu gegeben. „Auch von der Politik wurde die Auszeichnung äußerst positiv wahrgenommen.“