In allen Sektoren und Regionen sind Fortschritte bei der Anpassungsplanung und -umsetzung zu beobachten. Das wachsende öffentliche und politische Bewusstsein für Klimarisiken hat dazu geführt, dass mindestens 170 Länder und viele Städte Strategien zur Anpassung und Minderung in ihre Klimapolitik und Planungsprozesse aufgenommen haben. Allerdings sind die Anpassungsfortschritte ungleichmäßig verteilt sowie lückenhaft. Bei vielen Initiativen liegt der Schwerpunkt auf der unmittelbaren und kurzfristigen Verringerung eines spezifischen Klimarisikos, was die Möglichkeiten für eine transformative Anpassung einschränkt. Daraus ergibt sich eine Umsetzungslücke zwischen dem derzeitigen Anpassungsniveau und dem zur effektiven Reduktion von Klimarisiken erforderlichen Niveau. Ein Großteil der gegenwärtigen Anpassungsmaßnahmen sind allerdings stark fragmentiert, das heißt, an Stelle großer und umfangreicher Maßnahmen werde viele kleine Vorhaben, von geringem Umfang und eher sektorspezifisch durchgeführt. Diese geschehen auch häufig als Reaktion auf aktuelle Klimaauswirkungen oder kurzfristige Risiken und konzentrieren sich zumeist nur auf die Planung und weniger auf die Umsetzung. Die größten Anpassungslücken bestehen in den unteren Einkommensschichten der Gesellschaft. Beim derzeitigen Tempo der Anpassungsplanung und -umsetzung wird auch dieses Missverhältnis weiter anwachsen. Anpassungs- und Minderungsoptionen sind häufig durch lange Umsetzungsperioden gekennzeichnet. Daher ist nicht nur eine langfristige Planung, sondern auch eine rasche Umsetzung noch in diesem Jahrzehnt wichtig, um die Lücken zu schließen. Zumal die bis zur Weltklimakonferenz COP26 im Jahr 2021 beschlossenen Minderungsmaßnahmen unzureichend sind, um die globale Erwärmung unter dem Schwellenwert von 1,5 °C zu halten (siehe Abbildung 8). (Quelle des Abschnitts: AR, WGII, SPM Kapitel C.1)
Anpassungsstrategien
Seit dem AR5 wurde die Zahl der politischen Maßnahmen und Gesetze, die sich mit der Treibhausgasminderung befassen, kontinuierlich erhöht. Dies hat zur Vermeidung von Emissionen geführt, die andernfalls entstanden wären und auch zu verstärkten Investitionen in treibhausgasarme Technologien und Infrastruktur. Die Anpassung der Finanzströme an die Ziele des Übereinkommens von Paris vollzieht sich allerdings nur sehr langsam und ist zudem ungleichmäßig auf Regionen und Sektoren verteilt. Die internationale Zusammenarbeit ist aber ein entscheidender Faktor für die Verwirklichung ehrgeiziger Ziele zur Eindämmung des Klimawandels. Das Rahmenübereinkommen der Vereinten Nationen über Klimaänderungen (UNFCCC), das Kyoto-Protokoll und das Übereinkommen von Paris unterstützen die nationalen Ambitionen und fördern die Entwicklung und Umsetzung von Klimapolitiken. Es entstehen Partnerschaften, Vereinbarungen, Institutionen und Initiativen, die auf subglobaler und sektoraler Ebene tätig sind und mehrere Akteure einbeziehen.
Ein Großteil aller dokumentierten Anpassungsmaßnahmen macht die Anpassungen an wasserbezogene Risiken aus. Bei Überschwemmungen im Binnenland hat die Kombination aus nicht-strukturellen Maßnahmen wie Frühwarnsystemen und strukturellen Maßnahmen wie Deiche bereits deutlich zur Vermeidung menschlicher Verluste beigetragen. Die Verbesserung des natürlichen Wasserrückhaltes, die Flächennutzungsplanung oder die Bewirtschaftung flussaufwärts gelegener Wälder können das Hochwasserrisiko weiter verringern. Ein nachhaltiges Wassermanagement auch von Seiten der Verbrauchenden, die damit einhergehende Wasserspeicherung sowie die Erhaltung der Bodenfeuchtigkeit und eine effiziente Bewässerung reduzieren die lokale Vulnerabilität und gehören zu den häufigsten Anpassungsmaßnahmen. Eine nachhaltige Bewässerung ist in vielen Regionen ein wirksames Mittel zur Verringerung des Dürrerisikos und der Klimaauswirkungen, erfordert jedoch ein angemessenes Management, um mögliche negative Folgen wie den zunehmenden Verlust des Grundwassers sowie die zunehmende Versalzung des Bodens zu vermeiden. Die Wirksamkeit der meisten wasserbezogenen Anpassungsoptionen zur Verringerung klimabezogener Risiken nimmt allerdings mit zunehmender Erwärmung ab. (Quelle des Abschnitts: AR6, WGII, SPM Kapitel C.2)
Minderungsstrategien
Mehr als die Hälfte der globalen CO2-Emissionen werden derzeit von den Meeren und anderen Senken an Land, wie Böden und Pflanzen, aufgenommen. Bei hohen atmosphärischen CO2-Konzentrationen nimmt allerdings die relative Aufnahmefähigkeit der natürlichen Senken ab. Die Wirkungsweise der natürlichen Senken hat damit auch Einfluss auf die Effizienz von Maßnahmen zur Entnahme von CO2 aus der Atmosphäre. Unter den sehr niedrigen und niedrigen THG-Emissionsszenarien (SSP1-2.6 und SSP1-1.9), in denen die CO2-Konzentrationen im 21. Jahrhundert ihren Höhepunkt erreichen und sinken, nehmen Land und Ozean als Reaktion auf sinkende atmosphärische CO2-Konzentrationen weniger Kohlenstoff auf und werden unter SSP1-1.9 bis 2100 sogar zu einer schwachen Nettoquelle. Aufgrund dieser Asymmetrien im Kohlenstoffkreislauf bei wechselnden CO2- und Temperaturbedingungen, müsste mehr CO2 aus der Atmosphäre entfernt werden als ursprünglich emittiert, um die gleiche Veränderung der atmosphärischen CO2-Konzentration zu erreichen. (Quelle des Abschnitts: AR6, WGI, SPM Kapitel B.4)
Ein besserer Schutz und ein besseres Management von Ökosystemen, verbunden mit der Anpassung an den Klimawandel, können die Risiken der globalen Erwärmung für die biologische Vielfalt und für uns Menschen in allen Regionen verringern. Um die klimawandelmindernde Wirkung verschiedener Ökosysteme weltweit zu bewahren sind strikte Restriktionen zu deren Schutz notwendig. So müssten mindestens 30-50 % der Erdoberfläche wirksam geschützt werden. Entsprechende Erhaltungs- und Wiederherstellungsmaßnahmen sollten vermehrt in der Lage sein, auf aktuelle Veränderungen verschiedener Ebenen reagieren zu können sowie auch künftige Veränderungen der Ökosystemstruktur, der Zusammensetzung von Lebensgemeinschaften und der Verteilung von Arten einkalkulieren. (Quelle des Abschnitts: AR6, WGII, SPM Kapitel D.4)
Die Eindämmung der globalen Erwärmung erfordert weltweit die Begrenzung der kumulativen CO2-Emissionen auf mindestens Netto-Null. Netto-Null bedeutet, dass alle durch den Menschen verursachten THG-Emissionen durch Reduktionsmassnahmen wieder aus der Atmosphäre entfernt werden müssen und somit die Klimabilanz der Erde netto, also nach den Abzügen durch natürliche und künstliche Senken, Null beträgt. Komplementär ist auch eine starke Verringerung der Emissionen anderer Treibhausgase notwendig, was auch zur Verbesserung der Luftqualität beitragen würde. Um die Erwärmung auf weniger als 1,5 °C bzw. 2 °C gegenüber dem vorindustriellen Niveau zu beschränken, sind einschneidende Treibhausgasemissionsminderungen in allen Sektoren und Regionen notwendig. (Quellen des Abschnitts: AR6, WGI, SPM Kapitel D.1+D2)
Die modellierten Emissionspfade, in denen es gelingt, die Erwärmung auf 1,5°C zu begrenzen, machen deutlich, dass die globalen CO2-Emissionen in den frühen 2050er Jahren bei Netto-Null liegen müssen. Um die Erwärmung noch auf 2°C über dem vorindustriellen Niveau zu begrenzen, sollten die globalen Netto-Null-CO2-Emissionen spätestens in den frühen 2070er Jahren erreicht werden. Viele dieser Pfade beinhalten neben starken Verringerungen der THG-Emissionen auch negative CO2-Emissionen. In dem Fall bedeutet Netto-Null, dass alle durch den Menschen verursachten THG-Emissionen durch Reduktionsmaßnahmen wieder aus der Atmosphäre entfernt werden müssen und somit die Klimabilanz der Erde netto, also nach den Abzügen durch natürliche und künstliche Senken, Null beträgt. Das Ausmaß der maximalen Erwärmung hängt somit von den kumulativen THG-Emissionen bis zum Erreichen des Netto-Nullpunktes ab. (Quellen des Abschnittes: AR6, WGI, SPM Kapitel D.2 / AR6, WGIII, Kapitel C3)
Entscheidend ist die Transformation des Energiesystems, das Beenden von Subventionen für fossile Brennstoffe, Emissionsreduktionen im Industrie- und Gebäudesektor (u.a. durch kompaktere Bebauung und die Schaffung städtischer CO2-Senken durch Grün- und Wasserflächen), der Ausbau der Niedrigemissionstechnologie im Verkehrssektor und nachfrageseitige Minderungsoptionen im Land- und Forstsektor. Nachfrageseitige Lösungsansätze allein im Verkehrs- und Gebäudesektor sowie im Ernährungssystem könnten 40-70 % zur Emissionsreduzierung bis 2050 beitragen (Abbildung 9). Diese sind außerdem mit der Verbesserung des grundlegenden Wohlergehens für alle Menschen vereinbar z.B. durch gesündere Ernährung mit weniger tierischen Produkten. Klimaschutz geht idealerweise auch Hand in Hand mit der Anpassung an den Klimawandel. Beispielsweise steigert die Ausweitung von Grün- und Wasserflächen in Großstädten die Lebensqualität zusätzlich, indem der städtische Wärmeinseleffekt reduziert wird und ein nachhaltiger Waldumbau kann Schäden durch Extremereignisse wie Stürme oder Hitzeperioden verringern. (Quellen des Abschnittes: AR6, WGIII, SPM Kapitel C.3 bis C.6)
Technische Beiträge zu Anpassung und Minderung
In sämtlichen modellierten 1,5°C- und 2°C- Emissionspfaden wird die Entfernung von Kohlendioxid aus der Atmosphäre (engl.: Carbon Dioxide Removal, CDR) und, teilweise in beträchtlichen Umfang, auch Maßnahmen zur Kohlenstoffabscheidung und -speicherung (engl.: Carbon Capture and Storage, CCS) vorausgesetzt, um verzögerte Minderungsanstrengungen und nicht-vermeidbare Emissionen zu kompensieren sowie die Atmosphäre nach einem Überschreiten der Temperaturziele (engl.: Overshoot) wieder abzukühlen. CDR-Optionen unterscheiden sich methodisch (d.h.: biologisch und (geo-)chemisch), bezüglich ihrer technologischen Reife, der CO2-Speicherungsdauer sowie ihrer Potenziale, Kosten, Risiken, politischen Steuerung und institutionellen Rahmenbedingungen. Insgesamt gilt, je umfangreicher und früher die Emissionsminderungen, desto geringer der Temperatur-Overshoot und desto kleiner der Bedarf an CDR. CDR-Methoden können potenziell weitreichende Auswirkungen auf die biogeochemischen Kreisläufe und das Klima haben, mit dem Potenzial, die globale Erwärmung abzuschwächen aber auch zu verstärken sowie die biologische Vielfalt und Ökosysteme zu schädigen. Die Einführung von CDR und CCS in großem Maßstab stößt jedoch auf erhebliche Machbarkeits- und Nachhaltigkeitsprobleme und ist in absehbarer Zukunft äußerst kostenintensiv. Die einzigen weit verbreiteten CDR-Optionen bestehen derzeit in der Stärkung natürlicher Senken, zum Beispiel durch Wiederaufforstung, Agroforstwirtschaft und verbesserte Waldbewirtschaftung oder im Moorschutz. Die Höhe negativer Emissionen, und damit unsere Abhängigkeit von unsicheren oder wenig nachhaltigen CDR-Optionen, variiert in den Modellrechnungen des IPCC jedoch stark.
Die Kosten emissionsarmer Technologien, wie Windkraft und Photovoltaik, sind seit 2010 kontinuierlich gesunken. Insbesondere innovationspolitische Maßnahmenpakete haben diese Kostensenkungen ermöglicht und deren weltweite Verbreitung gefördert. Im globalen Süden haben sich die Innovationen aufgrund der schwächeren Rahmenbedingungen jedoch verzögert. In vielen Ländern haben aber die politischen Maßnahmen die Energieeffizienz verbessert, die Abholzungsraten verringert und die Einführung von Technologien beschleunigt, was zu vermiedenen und in einigen Fällen zu reduzierten oder beseitigten Emissionen geführt hat. Vieles deutet darauf hin, dass durch politische Minderungsmaßnahmen bereits weltweit Emissionen in Höhe von mehreren Milliarden Tonnen CO2-Äquivalenten pro Jahr vermieden wurden. Für eine nachhaltige Entwicklung sind beschleunigte und gerechte Klimaschutzmaßnahmen zur Abschwächung des Klimawandels und zur Anpassung an dessen Auswirkungen von entscheidender Bedeutung. (Quellen des Abschnittes: AR6, WGIII, SPM Kapitel C.3+C4+C11)