Die Fließ- und Stillgewässer-Simulationsanlage – Einführung
Die Fließ- und Stillgewässer-Simulationsanlage auf dem Versuchsfeld des Umweltbundesamtes in Berlin-Marienfelde ist eine neue, technisch anspruchsvolle und große Versuchseinrichtung, die u.a. über 16 Fließrinnen mit einer Gesamtfließstrecke von 1,6 km, 16 Teiche sowie über ein circa fünf Kilometer langes Rohrleitungsnetz mit über 60 Pumpen und 360 Schieberventilen einschließlich der dazugehörigen Messtechnik verfügt. In dieser Anlage lassen sich fließende, stehende und durchströmte Gewässer – von Bächen und Flüssen über Teiche und Seen bis hin zu Flussseen – mit den darin befindlichen aquatischen Lebensgemeinschaften nachbilden. Die FSA zählt zu den großen Modell-Ökosystemen (Mesokosmen), die Bindeglieder zwischen den vereinfachten und leicht zu kontrollierenden Laborversuchen und Freilandexperimenten (Feldstudien) darstellen.
In der FSA lassen sich Untersuchungen unter realitätsnahen, aber kontrollierten Bedingungen bei gleichzeitig laborähnlich optimalen Beprobungsmöglichkeiten durchführen. Der Zweck von Mesokosmenexperimenten ist u.a., gezielt in die Systeme eingebrachte Stoffe oder Mikroorganismen auf ihre Wirkung auf Flora und Fauna zu untersuchen und Aussagen über ihre Verteilung und Stabilität zu machen. Dabei kann es sich um Stoffe handeln, die mit gereinigtem, kommunalem Abwasser (z.B. Arzneimittel, hormonell wirksame Stoffe, Wasch- und Reinigungsmittel, Bakterien, Viren), mit dem oberflächlichen Abfluss bei Niederschlagsereignissen (z.B. Pflanzenschutzmittel) oder nach Stör- bzw. Unfällen (z.B. Industriechemikalien) in Oberflächengewässer gelangen können.
In der Anlage werden Fragen experimentell bearbeitet, die die Kompetenz des Umweltbundesamtes für die Zulassung von Stoffen und Stoffgemischen (Formulierungen) stärken und die für die wissenschaftliche Unterstützung des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit zur Weiterentwicklung und Konsolidierung umweltrechtlicher Regelungen beitragen sollen.
Flexible Modulbauweise ermöglicht die Simulation eines Brandungsbereichs (Projekt Mikroplastik) sowie die Nachbildung eines Flussabschnittes (Projekt Metformin)