In Siedlungsbereichen sind bauliche Maßnahmen der Gewässerentwicklungen aus Platzgründen oftmals nur eingeschränkt möglich. Eine Verbesserung der Durchgängigkeit und von Sohle und Ufer ist jedoch in den meisten Fällen umsetzbar.
Umfangreiche praktische Hinweise bietet eine zweiteilige DWA-Publikation zur Entwicklung urbaner Fließgewässer:
Querbauwerke und Verrohrungen umgestalten
Querbauwerke in städtischen Bereichen dienen vor allem dem Hochwasserschutz, der Schifffahrt und der Nutzung der Wasserkraft. Dabei kommt es oft zu verstärkten Sedimentablagerungen in Staubereichen und mangelhafter Durchgängigkeit. Renaturierungsmaßnahmen in urbanen Gebieten zielen deshalb auf die Wiederherstellung der Durchgängigkeit für Geschiebetransport und Wanderung/Ausbreitung von Flora und Fauna durch den Rückbau von Querbauwerken oder die Installation von Auf- und Abstiegshilfen ab. Dabei muss der Hochwasserschutz und ggf. der Gebäudeschutz mit Erhalt der Wasserspiegellage berücksichtigt werden (Mehr dazu: Umgestaltung der Ahr in Bad Neuenahr-Ahrweiler).
Bei der Renaturierung von Gewässerabschnitten mit Durchlässen und Verrohrungen ist insbesondere darauf zu achten, dass die Durchgängigkeit für den Auf- und Abstieg von Lebewesen gegeben ist. Durch die Gestaltung einer möglichst naturnahen Sohle kann sowohl die Durchgängigkeit, als auch die Strukturvielfalt in solchen Bereichen gefördert werden.
Mehr dazu: Maßnahmen für die Durchgängigkeit – wenn Hindernisse vorhanden sind
Uferverbau ökologischer gestalten
In urbanen Gebieten ist die Sicherung der Ufer und angrenzender Gebiete vor Hochwasserschäden von großer Bedeutung. Häufig werden dazu abgedichtete Pflasterungen oder betonierte Uferböschungen eingesetzt. Über eine ingenieurbiologische (z. B. Holz statt Beton) oder eine offene Bauweise (z. B. Trockenmauern) kann im urbanen Raum eine ökologische Aufwertung der Ufer stattfinden. Dabei ist zu beachten, dass die Standfestigkeit einer ökologisch freundlicheren Anlage auch bei extremer Anströmung gegeben sein muss.
Mehr dazu: Naturnahe Gewässerunterhaltung als Renaturierungsmaßnahme, Ingenieurbiologische Maßnahmen – mit Hilfe der Natur bauen
Gewässersohle aufwerten
In Städten verlaufen Flüsse und Bäche oftmals in technischen Profilen mit verbauter Sohle. Doch gerade eine strukturreiche Sohle ist die Grundvoraussetzung für eine naturnahe Gewässerentwicklung und die Vernetzung von Habitaten auch ober- und unterhalb von Städten.
Wenn aufgrund von städtebaulichen Restriktionen keine Möglichkeiten zur Renaturierung über die Gewässerufer hinaus bestehen, kann zumindest eine naturnahe Gewässersohle geschaffen werden. Beispielsweise wasserbauliche Maßnahmen wie die Erstellung von Naturstein-Sohlenriegeln mit groben Steinen geben ansonsten glatten Gewässersohlen die nötige Strukturvielfalt. Buhnen zur Strömungslenkung und Störsteingruppen fördern zusätzlich die Strömungsdiversität.
Mehr dazu: Maßnahmen im bestehenden Profil – wenn der Gewässerlauf nicht verändert werden kann
Naturnahe Gewässerunterhaltung
Eine weitere einfache und kostengünstige Möglichkeit Fließgewässer in Städten ökologisch aufzuwerten ist die Umstellung der Gewässerunterhaltung. Dazu zählt z. B. die Entwicklung von standorttypischen Wasserpflanzen zuzulassen, Totholz im Gewässerprofil zu belassen oder eine reduzierte, abschnittsweise einseitige Böschungsmahd.
Mehr dazu: Naturnahe Gewässerpflege "im Profil"