Um letztlich die Relevanz des Finanzsektors insgesamt für die Transformation korrekt herleiten zu können, braucht es Forschung hinsichtlich der Wirkungskanäle nachhaltiger Investitionen. Während die nachhaltige Wirkung nachhaltiger realwirtschaftlicher Investitionen auf der Hand liegt (z. B. eingesparte Emissionen durch erneuerbare Stromgewinnung gegenüber konventioneller), ist dies bei den finanzwirtschaftlichen Ansätzen wie Engagement oder Exit-Strategien nicht direkt ersichtlich. Gerade aufgrund der Überlagerung mit gesellschaftlichen, technologischen und regulatorischen Entwicklungen sind ihre Auswirkungen darüber hinaus schwer empirisch zu identifizieren. Für ein besseres Verständnis des tatsächlichen Potenzials nachhaltiger finanzwirtschaftlicher Aktivitäten für die Transformation der Realwirtschaft braucht es hier weitere Forschung. Dies ist insbesondere wichtig, um regulatorische Maßnahmen gezielt einzusetzen und die Steuerungsfunktion des Finanzsektors hin zu mehr Nachhaltigkeit noch besser ausführen zu können.
Gleichzeitig gilt es zu beachten, dass der Fokus auf tatsächliche Finanzierungskanäle gerichtet wird und nicht auf den für die Finanzierung oft irrelevanten Sekundärmarktdaten (z. B. Aktien- und Anleihepreisen) verbleibt, wie es gegenwärtig üblich ist. Diese haben jedoch nur eine eingeschränkte direkte Wirkung auf Nachhaltigkeitsentscheidungen von Unternehmen, da Aktienpreise von mehr als ausschließlich der Nachhaltigkeitsperformance der Unternehmen abhängen. Wenig im Blick sind bisher direkte Finanzierungen von Unternehmen, die aber in Deutschland mit seinen vielen kleinen und mittelständischen Unternehmen besondere Relevanz haben. Es gilt, tiefer in die Geschäftsprozesse der Unternehmen einzusteigen und Entscheidungsprozesse zu analysieren, um die Finanzierungkanäle und ihre Wirkung auf Nachhaltigkeits- und Transformationsentscheidungen besser nachvollziehen zu können. Nur wenn hier mehr Wissen generiert wird, kann der Einfluss von konkreten Finanzierungen auf die Nachhaltigkeit von Unternehmen gut dargestellt werden.
Darüber hinaus wird ein Ansatz für kontinuierliches Monitoring nachhaltiger Investitionen vorgeschlagen. Es werden aktuell immer mehr und unterschiedliche Produkte entwickelt, die nachhaltige Kriterien berücksichtigen, und Unternehmen setzen sich teils ambitionierte Ziele. Jedoch bringt das bloße Setzen von Zielen der Umwelt wenig und eine tatsächliche Erfolgsverfolgung findet oftmals nur unregelmäßig statt. Unternehmen setzen in der Folge ihre Ziele wieder herab (greenrinsing) und betreiben damit eine spezifische Form des Greenwashing. Um hier gegenzuarbeiten und für ambitionierten Umweltschutz im Finanzsektor einstehen zu können, können technische Hilfsmittel, wie das im Rahmen dieses Projektes entwickelte Softwaresystem zum Rollout von Sustainable Finance-Produkten in Deutschland unterstützen.
All diese Maßnahmen sollen unterstützen, dass die Finanzströme insgesamt mehr auf Nachhaltigkeit ausgerichtet werden. Hierbei sind sowohl öffentliche Finanzflüsse, als auch private Investitionen anzuvisieren, sodass die benötigten Mittel freiwerden. Bereits heute gibt es erste Länder, die von Finanzinstitutionen Berichte dazu einfordern, wie sie zu den Klimazielen des Landes beitragen, wie zum Beispiel in den Niederlanden im Rahmen des Klimaatakoord.