Hintergrund und Konzept der CO₂-Budgets
Im Übereinkommen von Paris hat sich die internationale Staatengemeinschaft darauf geeinigt, die Erderwärmung auf mindestens unter 2°C, möglichst auf 1,5°C zu begrenzen. Mit dem globalen Temperaturziel ist das CO₂-Budget in den Fokus gerückt. Das nahezu proportionale Verhältnis zwischen Temperaturerwärmung und CO₂-Emissionen in der Atmosphäre ist das grundlegende Konzept hinter den CO₂-Budgets. Die Budgets geben an, wie viele Tonnen Treibhausgase noch ausgestoßen werden dürfen, um die Obergrenze der Erwärmung mit einer bestimmten Wahrscheinlichkeit noch einzuhalten. Die Staatengemeinschaft hat sich allerdings nicht geeinigt, wie sie das Restbudget untereinander aufteilen.
Unsicherheiten bei der Berechnung von CO₂-Budgets
Um ein globales CO₂-Budget zu berechnen, müssen bereits zahlreiche Annahmen getroffen werden, die über den reinen physikalischen Zusammenhang hinausgehen. Zum Beispiel müssen eine Temperaturobergrenze und eine Eintrittswahrscheinlichkeit gewählt werden. Diese Annahmen sind wesentlich für die Größe des CO₂-Budgets. So beträgt das aktuelle globale 1,5-Grad-CO₂-Budget entweder 150 Gigatonnen CO₂ mit einer 50-prozentigen Wahrscheinlichkeit oder 250 Gigatonnen CO₂ mit einer 67-prozentigen Wahrscheinlichkeit. Zusätzliche Unsicherheitsfaktoren, wie fehlende historische Temperaturdaten oder die Entwicklung von Nicht-CO₂-Emissionen, könnten jeweils sowohl zu einer Vergrößerung als auch zu einer Verkleinerung der realen CO₂-Budgets führen. Während die CO₂-Budegt mit fortschreitenden Emissionen immer geringer werden, bleibt die Höhe der Unsicherheiten ungefähr gleich. Dadurch hat die Höhe der Unsicherheiten mittlerweile dieselbe Größenordnung wie die CO₂-Budgets selbst.
Die Annahmen zum Errechnen des jeweiligen CO₂-Budgets können gut begründet und nachvollziehbar sein, sodass keine beliebigen CO₂-Budgets entstehen. Sie eröffnen eine gewisse Spannbreite an plausiblen CO₂-Budgets für den jeweiligen Kontext. Eine weitere Weichenstellung ist die Verteilung eines globalen CO₂-Budgets auf die Nationalstaaten. Hierfür stehen prinzipiell sieben Verteilungsansätze zur Verfügung. Dazu zählen unter anderem der Pro-Kopf-Ansatz, der Lastenteilungsansatz oder der Grandfathering-Ansatz. Beinahe alle Verteilungsansätze würden zu vergleichsweise großen CO₂-Restbudgets für Entwicklungsländer und zu entsprechend kleineren oder sogar bereits aufgebrauchten CO₂-Restbudgets für Industrieländer führen.
Das Hintergrundpapier „Grundlagen von CO₂-Budgets“ geht auf diese Verteilungsansätze und weitere Weichenstellungen näher ein.
Trotz der vielen Unsicherheiten und ungeklärten Verteilungsfragen hat das CO₂-Budget durch seine große politische Strahlkraft in der Debatte über „Paris-Kompatibilität“ auch im kommunalen Klimaschutz Einzug gehalten. Einige Kommunen möchten über das CO₂-Budget ihren Anteil zum Gelingen des internationalen Klimaschutzes beitragen. Jedoch wirft eine weitere Untergliederung nationaler CO₂-Budgets auf einzelne Kommunen erneute Verteilungsfragen auf und die Unsicherheiten wirken sich auf einer kleinräumigen Ebene erheblich aus.
CO₂-Budgets für Deutschland weitestgehend aufgebraucht
Der Sachverständigenrat für Umweltfragen hat 2024 seine Berechnung von nationalen CO₂-Budgets für Deutschland aktualisiert. Demnach ist das 1,5-Grad CO₂-Budget für Deutschland nach einem Pro-Kopf-Ansatz weitestgehend aufgebraucht bzw. bereits überschritten und das 1,75-Grad CO₂-Budget nahezu aufgebraucht. Dies unterstreicht erneut, dass Deutschland seiner internationalen Verantwortung gerecht werden muss, stellt aber auch deutlich in Frage, obdass CO₂-Budgets eine sinnvolle Zielgröße und ein hilfreicher Orientierungsrahmen für Kommunen sind.