Ein zentrales raumordnerisches Instrument, um Klimarisiken und Schadenspotenziale zu reduzieren, ist die Festlegung spezifischer Flächennutzungen. Unter anderem fördert die Regionalplanung durch die Flächensicherung für Natur und Landschaft die Erhaltung der Biodiversität (siehe Indikator RO-R-1): Der Biotopverbund stellt sicher, dass Tier- und Pflanzenarten ihr jeweiliges Verbreitungsgebiet an die sich ändernden klimatischen Bedingungen anpassen können. Die gezielte Ausweisung von zweckspezifischen Vorrang- und Vorbehaltsgebieten unterstützt darüber hinaus den Hochwasserschutz (siehe Indikator RO-R-3) und trägt dazu bei, in Zeiten häufiger auftretender Hitze und Trockenheit die Grund- und Trinkwasserreserven zu sichern (siehe Indikator RO-R-2) oder in betroffenen Regionen, insbesondere in sich aufheizenden Städten, bioklimatische Belastungen zu reduzieren (siehe Indikator RO-R-4). Die Ausdehnung einiger der berücksichtigten Flächenkategorien in den letzten Jahren ist ein Indiz für eine zunehmende Verankerung der Thematik in aktuellen Planungsprozessen.
Neben der gezielten Sicherung von ökologisch oder klimatisch wertvollen Flächen ist entscheidend, die Neuinanspruchnahme von Flächen für Nutzungen zu reduzieren, die deren Potenzial zur Klimaanpassung beeinträchtigen. Der Fokus liegt vor allem darauf, den Zuwachs von Siedlungs- und Verkehrsfläche zu begrenzen (siehe Indikator RO-R-5). Trotz einer insgesamt immer langsamer wachsenden Siedlungs- und Verkehrsfläche über die letzten Jahre sind erhöhte Anstrengungen erforderlich, um beispielsweise durch Flächenrecycling oder Nachverdichtung ihre Ausdehnung zukünftig weiter zu verringern, ohne dabei aber bioklimatische oder sonstige Erfordernisse der Klimaanpassung zu vernachlässigen. Problematisch bleibt zudem, dass neue Wohnflächen aufgrund des hohen Siedlungsdrucks nach wie vor in Überschwemmungsgebieten entstehen (siehe Indikator RO-R-6). Regional- und Bauleitplanung müssen ihre Steuerungsfunktion konsequent für die Freihaltung von Überschwemmungsgebieten und Gebieten anderer Gefahren, beispielsweise Geogefahren, einsetzen.
Förderprogramme von Bund und Ländern unterstützen die Klimaanpassung in der Regionalplanung und besonders auch in der nachhaltigen Stadtentwicklung. Die Städtebauförderung von Bund und Ländern unterstützt Städte und Gemeinden, städtebauliche Missstände zu beseitigen und lebenswerte Quartiere zu schaffen. Klimaschutz und Anpassung sind dabei Fördervoraussetzung und als Querschnittsaufgaben programmübergreifend förderfähig. Das Bundesprogramm „Anpassung urbaner Räume an den Klimawandel“ fördert eine klimaangepasste (Weiter-)Entwicklung von Grün- und Freiflächen, etwa von Park- und Grünanlagen, sowie Entsiegelung und Begrünung von Frei- und Verkehrsflächen. Das „Weißbuch Stadtgrün“ formuliert dazu ebenso wie weitere Materialien des Bundes konkrete Maßnahmenvorschläge und Empfehlungen für die Integration städtischen Grüns in urbanen Räumen.219
Die Maßnahmen und Empfehlungen des Bundes stützen sich auf die Ergebnisse verschiedener Forschungsvorhaben. Das BBSR betreut unter anderem das Aktionsprogramm „Modellvorhaben der Raumordnung“ (MORO), in denen das Spannungsfeld zwischen wachsenden Raumansprüchen und der immer begrenzteren Ressource Raum auf Ebene der Regionalplanung im Fokus steht. Weitere Projekte widmen sich der Forschung zu klimaresilientem Stadtumbau oder Techniken einer wassersensiblen Stadtentwicklung. Die Erkenntnisse aus der Klimaanpassungsforschung des Bundes wurden im Rahmen der „Querauswertung zentraler Verbundvorhaben des Bundes zur Anpassung an den Klimawandel mit Fokus Stadt- und Regionalentwicklung“220 zusammengefasst und in Form von Berichten und Leitfäden für Kommunen und Regionen aufbereitet.
Da Klimawandelfolgen über Landesgrenzen hinweg auftreten, ist eine intensive und vernetzte Kommunikation ein Schlüssel für eine nachhaltige Regionalentwicklung. Hier unterstützt seit 2021 das ZKA. Zu seinen Aufgaben zählt die Beratung von Kommunen in allen Phasen der Entwicklung und Umsetzung von Klimaanpassungskonzepten. Darüber hinaus informiert das Zentrum zu passenden Fördermöglichkeiten.
218 - Huber B., Dunst L. 2021: Klimaanpassung in der Bauleitplanung. Zum Integrationsstand klimaanpassungsrelevanter Maßnahmen in Flächennutzungs- und Bebauungsplänen mittelgroßer Städte Deutschlands. Raumforschung und Raumordnung, 79, 5, 501-517. doi: 10.14512/rur.34.
219 BMUB – Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit(Hg.) 2017: Weißbuch Stadtgrün – Grün in der Stadt – Für eine lebenswerte Zukunft. Berlin: 42ff. https://www.bmwsb.bund.de/SharedDocs/downloads/Webs/BMWSB/DE/publikationen/wohnen/weissbuch-stadtgruen.html
220 - BBSR – Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (Hg.) 2023: Forschungsprojekt: Querauswertung zentraler Verbundvorhaben des Bundes zur Anpassung an den Klimawandel mit Fokus Stadt- und Regionalentwicklung – Ergebnisse. https://www.bbsr.bund.de/BBSR/DE/forschung/programme/weitere/anpassung-klimawandel-massnahmen/querauswertung/01_Start.html?pos=2