HBM4EU hat Strategien, Dokumente mit Leitlinien, EU übergreifende HBM-Harmonisierungsmethoden und ein vollständiges analytisches Qualitätssicherungs- und -kontroll-Programm entwickelt, um die Vergleichbarkeit von HBM-Daten und ihre Verwendung für die Politik zu verbessern. Dadurch ist ein europäisches Netzwerk von HBM-Analyselaboren entstanden, das qualifizierte und fachkundige Labore für chemische Analysen, die Entwicklung von Analysemethoden und zur Unterstützung/Implementierung von Qualitätssicherungs-Programmen für die in HBM4EU priorisierten Stoffgruppen umfasst.
Die sogenannten „HBM4EU Aligned Studies“ haben neue, vergleichbare HBM-Daten für Europa generiert und Informationen über die aktuelle interne Exposition der Allgemeinbevölkerung gegenüber ausgewählten prioritären Substanzen sowie über Belastungs-Biomarker bei über 10.000 Bürger:innen (z.B. Expositions-Biomarker für Phthalate, DINCH, Flammschutzmittel, Pestizide, Acrylamid, PFAS, Arsenspezies, UV-Filter, Cadmium, Bisphenole, PAKs und Mykotoxine) gewonnen. Harmonisierte Studien zur Exposition am Arbeitsplatz wurden durchgeführt u.a. für Chrom (VI), andere schädliche Chemikalien, Diisocyanaten und bei der Behandlung von Elektroschrott. Eine gezielte Interventionsstudie zu Quecksilber hat die Auswirkungen von Ernährungsempfehlungen für schwangere Frauen bewertet, die aus Ländern kommen, in denen die Ernährung einen hohen Anteil an Süßwasser- und Meeresprodukten sowie hohe Quecksilberwerte enthält. Letzeres war auch durch eine erfolgreiche Zusammenarbeit zwischen HBM-Experten und Gesundheitsdienstleistern zur Gesundheitsförderung/-vorsorge möglich.
Über die Durchführung von Machbarkeitsstudien konnte HBM4EU sowohl den Nutzen, als auch die Nachteile bzw. Hindernisse bei der Kombination von HBM und Gesundheitserhebungen aufzeigen.
HBM-Metadaten und zusammenfassende Statistiken sind über das HBM-Modul der europäischen „Information Platform for Chemical Monitoring“ (IPCHEM) verfügbar und tragen zur Verwendung von HBM-Daten in politischen Prozessen bei.
Ein neues, interaktives, europäisches HBM-Dashboard wurde entwickelt, um die Visualisierung von HBM-Datensammlungen und zusammenfassenden Statistiken aus HBM4EU, z.B. zu Expositionsniveaus, zeitlichen/räumlichen Trends der Chemikalienexposition von Bürger:innen und Expositionsverteilungen (z.B. nach Geschlecht, Region, Altersgruppe und Bildungsniveau) zu ermöglichen.
Um HBM-Daten im Zusammenhang mit Gesundheitsrisiken zu interpretieren, wurden Richtwerte, sogenannte „HBM-Guidance Values“ (HBM-GVs), für die allgemeine Bevölkerung und ausgewählte Berufsgruppen abgeleitet. Darüber hinaus wurden HBM-basierte Indikatoren entwickelt, um die Verwendung von HBM-Daten zur Bewertung zeitlicher/räumlicher Trends bei der internen Exposition von Bürger:innen zu ermöglichen und, um einen Überblick über potenziell gefährdete Bevölkerungsgruppen zu erhalten.
Um externe und interne Exposition zu verknüpfen und Expositionsmodelle zur Risikobewertung zu verbessern, hat HBM4EU Werte für toxiko-kinetische Schlüsselparameter und spezifische chemisch-biologische Wechselwirkungen ermittelt. Die HBM4EU-Expositionsdatenbank wurde aufgebaut, um notwendige Daten für Expositionsmodelle zur Rekonstruktion der Exposition aus HBM-Daten bereitzustellen und interne Dosen für die priorisierten Chemikaliengruppen abzuschätzen.
Expositions-Biomarker wurden durch Wirkungs-Biomarker als „Proof of Concept“ ergänzt, um die Beweiskraft von Zusammenhängen zwischen Exposition und gesundheitlichen Auswirkungen durch Humanstudien zu erhöhen. Neue Methoden auf Grundlage künstlicher Intelligenz und Systemtoxikologie wurden entwickelt, um mehrere der prioritären Stoffgruppen mit molekularen Initiierungs- und Schlüsselereignissen in schädlichen Wirkungspfaden, sogenannten Adverse Outcome Pathways (AOPs), zu verknüpfen. Vorhandene Daten wurden zusammen mit neuen Messungen analysiert - im Einklang mit den gesundheitlichen Endpunkten und priorisierten Effekt-Biomarkern - um das Wissen über Expositions-Gesundheits-Beziehungen, insbesondere für Per- und Polyfluorierte Alkylverbindungen (PFAS), zu erweitern.
Um Chemikalien zu identifizieren, die Anlass zur Sorge geben, hat HBM4EU die ersten Wirksamkeitsnachweise entwickelt, die folgendes aufzeigen: 1) das Potenzial des Suspect Screenings zur gleichzeitigen Erfassung einer Reihe von Expositionsmarkern in menschlichen Proben, 2) die Möglichkeiten des Non-Target-Screenings von halogenierten Expositionsmarkern zum Auffinden neuer Marker in menschlichen Proben, bei denen es sich um potentiell neu auftretende Stoffe handelt, 3) die Erarbeitung einer bisher in diesem Umfang nicht vorhandenen, aggregierten und QA/QC-konsolidierten EU-Datenbank (CECScreen), in der mehr als 300.000 Expositionsmarker im Zusammenhang mit Chemikalien, die Anlass zur Sorge geben, erfasst sind, und 4) Erstellung von eine MS/MS-Spektral-Referenzbibliothek, um das Konfidenzniveau in die Identität der erkannten Expositionsmarker zu erhöhen.
Um die Gesundheitsrisiken chemischer Mischungen zu identifizieren, wurden verschiedene Fallstudien und ein Entscheidungsbaum zur Behandlung von Mischungseffekten entwickelt. Für die kombinierte Exposition gegenüber mehreren Chemikalien hat HBM4EU aufgezeigt, wie die Netzwerkanalyse bestehender HBM-Daten verwendet werden kann, um reale Mischungen zu identifizieren, d.h. Cluster von gleichzeitig vorkommenden Chemikalien. Eine Netzwerkanalyse bestehender HBM-Datensätze aus 4 verschiedenen Ländern in Europa zeigte, dass kombinierte Expositionen gegenüber mehreren Chemikalien häufig und in allen Bevölkerungsgruppen vorkommen. In der sogenannten SPECIMEn-Studie zu Pestiziden wurden harmonisierte Suspect-Screening-Analysen an Urinproben durchgeführt, die zur Identifizierung von 95 pestizidbezogenen Markern führten, die mit 30 Ausgangsverbindungen in Verbindung stehen, z.B. Acetamiprid, Chlorpropham, Boscalid und Clothianidin.
Für die Verbreitung und Verwendung der Ergebnisse wurde eine breit angelegte Kommunikations- und Disseminationsstrategie formuliert, auf deren Basis die Ergebnisse und Hauptbotschaften konsequent und zielgruppengerecht umgesetzt wurden. Darüber hinaus wurden für die Einspeisung der Ergebnisse in politische Prozesse Strategie- und Kommunikationslinien und stoffspezifische Policy Briefs und Berichte erarbeitet, die die HBM4EU Ergebnisse aufgreifen und so Antworten und Kernbotschaften für politische Entscheidungsträger liefern.
Es wurden weitere prioritäre Stoffe und Stoffgruppen identifiziert und es fand ein Survey statt, der politische Erfordernisse/Aktivitäten für die Risikobewertung von Chemikalien ermittelt hat – beides fließt in die Fortsetzung der Arbeiten in dem Folgeprojekt „Partnerschaft für die Bewertung des Risikos von Chemikalien“ (PARC) ein.
Am Ende entstand eine Vision für ein nachhaltiges HBM-Programm in Europa, basierend auf dem Input der sogenannten National Hubs (NH) von HBM4EU, EU-Agenturen, EU-Generaldirektionen, den Erfahrungen von HBM4EU und einem Konzept, das in der EU-Chemikalienstrategie für Nachhaltigkeit verankert ist.