Im Gebiet Kaliningrad leben ca. 940.000 Menschen, von denen rund die Hälfte in der Stadt Kaliningrad wohnt. Die andere Hälfte verteilt sich auf 21 kleinere Städte und etwa 2.520 ländliche Siedlungen. Die Versorgung der Bevölkerung mit Trinkwasser mit normgerechter Qualität sowie die Aufbereitung und Entsorgung der Abwässer stellen insbesondere in den kleinen Städten und Ortschaften immer noch eine Herausforderung dar. Die Zuständigkeit für die betriebliche (Neu-) Organisation sowie die Planung und Unterhaltung von Wasserversorgungs- und Abwasserentsorgungssystemen wurde auf die kommunalen Verwaltungen übertragen. Diesen fehlen jedoch ausreichende Einnahmen bzw. andere Finanzierungsquellen zur Durchführung von Sanierungsmaßnahmen. Defizite lassen sich dadurch sowohl bei der Trinkwasserversorgung als auch bei der Abwasserentsorgung erkennen.
Die Gründe für die Defizite bei der Bereitstellung von Trinkwasser im Gebiet Kaliningrad sind unterschiedlich: Qualitätsmängel resultieren beispielsweise aus den erhöhten Gehalten des Grundwassers an Eisen, Mangan, Chloriden, Härtesalzen und dem Fehlen von Aufbereitungsanlagen, die geeignet wären, das Trinkwasser in geforderter Qualität bereitzustellen. Die überwiegende Anzahl der Wasserwerke ist durch verschlissene Aufbereitungsanlagen, veraltete Leitungsnetze sowie in baulich und hygienisch schlechtem Zustand befindliche Hochbehälter gekennzeichnet.
Im Bereich der Abwasserentsorgung ist die Aufmerksamkeit vor allem für Lösungen im ländlichen Raum gestiegen. Viele Siedlungen haben allenfalls eine Teilkanalisation, in etwa 1.000 Ortschaften existieren keine organisierten Abwassersysteme. Die Abwässer werden unbehandelt direkt in die Gewässer eingeleitet. Die Städte und ländlichen Siedlungen städtischen Typs haben überwiegend eine Abwasserkanalisation. Es erfolgt aber nur eine mehr oder minder wirksame mechanische Reinigung, in vielen Fällen sogar eine Direkteinleitung der anfallenden Abwässer in die Gewässer.
In den Arbeitsfeldern der Wasserversorgung und der Abwasserentsorgung gibt es Beispiele Deutsch-Russischer Projekte, mit denen alle Partner Erfahrungen sammeln und Fähigkeiten aufbauen konnten, die es weiter zu nutzen und zu festigen gilt. Ziel ist auch zukünftig die Sicherung einer qualitätsgerechten Trinkwasserversorgung und einer hygienisch einwandfreien Abwasserentsorgung. Beides sind auch wesentliche Standortfaktoren für die Entwicklung von Gewerbe und Landwirtschaft. Sie dienen darüber hinaus der Erfüllung der aus internationalen Abkommen resultierenden Verpflichtungen zur Reduzierung der negativen ökologischen Auswirkungen auf die grenzüberschreitenden Gewässer, die z. B. im Rahmen der Arbeit der Helsinki-Kommission (HELCOM) übernommen wurden.
(aus der Dokumentation der Deutsch-Russischen Umwelttage 2013)