Entsorgung von Sperrmilch: Die gängige Praxis
Das Kolostrum wird ausnahmslos an Kälber verfüttert und trägt entscheidend zu deren guten Gesundheitsstatus bei. Bei der Entsorgung von Sperrmilch mit möglichen Arzneimittelrückständen, und das sind Schätzungen zufolge bis zu vier Prozent der gesamten erzeugten Milchmenge(33), befindet sich die Milchkuhhaltung in der Zwickmühle: Sie zu verfüttern bedeutet, wissentlich unerwünschte Wirkstoffe zu verfüttern. Wissenschaftliche Untersuchungen haben bewiesen, dass sich Sperrmilchfütterung an Kälber negativ auf deren Gesundheitszustand auswirkt(34,35). Bei weiblichen Kälbern hat die Fütterung mit tierarzneimittelhaltiger Sperrmilch noch als Milchkühe negative Auswirkungen auf Gesundheit und Leistungsfähigkeit(36). Auch Sauen erhalten bei Gesäugeentzündungen (MMA) während der Laktation Tierarzneimittel und scheiden diese über die Milch aus. Das Datenmaterial zeigt, dass Tierarzneimittel enthaltende Sauenmilch ähnliche nachteilige Effekte auf die Gesundheit der Ferkel hat, wie tierarzneihaltiges Kolostrum von Kühen bei Kälbern.
Gefahren der Sperrmilchentsorgung
Durch subtherapeutische Konzentrationen von Antibiotikarückständen in der Sperrmilch steigt das Risiko der Resistenzbildung. Nicht optimal, aber besser als die Verfütterung, ist die Entsorgung von Sperrmilch über die Gülle. Aber auch so können Antibiotikarückstände die Resistenzbildung fördern, da sie mit der Gülle auf die Felder und damit in die Umwelt gelangen (siehe: Umweltwirkungen von Tierarzneimitteln und Eintrag und Vorkommen von Tierarzneimitteln in der Umwelt).
Sperrmilchentsorgung
Bei der Sperrmilchentsorgung über die Gülle, welche gelagert, kompostiert oder in der Biogasanlage vergoren wird, kann der Eintrag von Tierarzneimittelrückständen in die Umwelt verringert werden, da durch die Behandlungen die Wirkstoffe teilweise abgebaut werden (siehe: Behandlung von Wirtschaftsdüngern). Außerdem gehen der Landwirt und die Landwirtin kein Risiko für die Tiere ein.