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Insektenschutz im Garten: Sind Wespenfallen im Freien erlaubt?

Wespen auf einem Marmeladenbrot
Wespen auf einem Marmeladenbrot
Quelle: imageBROKER Burkhard Sauskojus / Getty Images

Das Prinzip klingt einfach und umweltfreundlich: Ein Lockmittel (zum Beispiel aus Apfelsaft und Essig) soll lästige Wespen in eine Falle locken, in der sie dann ertrinken. Es gibt fertige Fallen zu kaufen oder Anleitungen zur eigenen Herstellung. Je nach Jahreszeit oder Aufstellort können jedoch auch ungewollt weitere Insekten und sogar besonders geschützte Arten getötet werden.

Inhaltsverzeichnis

Wer kennt es nicht? Im Sommer gemütlich draußen sitzen, egal ob beim Eisessen, an der Kaffeetafel oder beim Grillen, früher oder später gesellen sich Wespen dazu. Laut dem NABU gibt es in Deutschland einige hundert Wespenarten. Ähnlich wie bei den Bienen, lebt die überwiegende Mehrzahl der Wespenarten solitär (einzeln lebend) und nur wenige sozial (Staaten bildend). Lästige, ungebetene Gäste an der Kaffeetafel gehören aber nur zwei Arten an: die Deutsche Wespe (Vespula germanica) und die Gemeine Wespe (Vespula vulgaris).

Informationen zur Lebensweise von Wespen und Hornissen und Maßnahmen zur Abwehr finden Sie im Steckbrief.

Wespenfallen im Handel sind Biozidprodukte

Abhilfe sollen Wespenfallen schaffen. Das Prinzip klingt einfach und umweltfreundlich: Ein Lockmittel (bestehend zum Beispiel aus Apfelsaft und Essig) soll lästige Wespen in eine Falle locken, in der sie dann ertrinken. Es gibt fertige Fallen zu kaufen oder Anleitungen zur eigenen Herstellung. Bei im Handel erhältlichen Produkten mit einer Lockstofflösung handelt es sich per Definition um ein Biozidprodukt, da diese dem Anlocken und letztlich dem Töten von Schadorganismen dienen (Biozid-Verordnung, EU Nr. 528/2012, BPR, Artikel 3). Biozidprodukte müssen ein Zulassungsverfahren durchlaufen, bevor sie auf dem Markt bereitgestellt werden können. 

Weitere Informationen zum Zulassungsverfahren für Biozidprodukte finden Sie hier:  Rechtliche Regelungen

Da die Lockstofflösungen in den Wespenfallen häufig risikoarme Wirkstoffe wie zum Beispiel Essig enthalten, erfolgt die Zulassung in der Regel als vereinfachtes Verfahren. Ein vereinfachtes Zulassungsverfahren ist weniger aufwendig und soll die Verwendung von Biozidprodukten fördern, die für die Umwelt, sowie für die Gesundheit von Mensch und Tier, vorteilhafter sind. Voraussetzung ist, dass die Produkte keine besorgniserregenden Beistoffe oder Nanostoffe enthalten, dass für die Verwendung keine persönliche Schutzausrüstung notwendig ist und eine ausreichende Wirksamkeit nachgewiesen ist. 

Bei der Wirksamkeitsprüfung wird die Lockwirkung im Feldversuch überprüft. Ob sich jedoch die Anzahl der Wespen, die sich zum Beispiel an der Kaffeetafel einfinden, deutlich reduziert, wird nicht untersucht. Da sowohl die Deutsche als auch die Gemeine Wespe sozial in Wespennestern mit Hunderten Arbeiterinnen organisiert sind, hilft der Fang, selbst von mehreren Einzeltieren in Fallen, meist nicht, da neue Wespen die Kaffeetafel als Nahrungsquelle nutzen. Außerdem wirken Wespenfallen unspezifisch. Das Lockmittel ist nicht nur für die Deutsche und Gemeine Wespe attraktiv, sondern auch für andere Insektenarten. Untersuchungen haben gezeigt, dass je nach Aufstellort und Jahreszeit regelmäßig ungewollt auch weitere Insekten und sogar besonders geschützte Arten, wie die heimische Hornisse (Vespa crabro) in solchen Lockfallen getötet werden. 

Wespenfalle hängt in einem Baum Wespenfalle
Quelle: Simon McGill / Getty Images

UV-Lichtfallen

Neben Biozidprodukten gibt es auch Elektrofallen, die Insekten durch Ultraviolettes Licht (UV-Licht) anlocken. Fliegen die Insekten in die Falle, werden sie an einem Hochspannungsgitter getötet oder bleiben an einer Klebeflächen hängen. Da diese Fallen eine Vielzahl an Insekten anlocken, unter anderem auch Schmetterlinge, sollten sie nicht im Außenbereich angewendet werden. Denn nach BArtSchV §4 Absatz 1 Nr. 4 und 5 ist es verboten, wildlebende Tiere der besonders geschützten Arten, zu denen zum Beispiel die Europäische Hornisse und viele Schmetterlingsarten gehören, mit künstlichen Lichtquellen […] oder sonstigen elektrischen Geräten […] nachzustellen, anzulocken, zu fangen oder zu töten. Somit dürfen diese Fallentypen nach geltendem Recht nicht im Außenbereich verwendet werden, auch wenn vor allem bei Onlinehändlern zum Teil explizit mit einer Verwendung im Freien geworben wird.

Lichtfalle mit Ultraviolettem Licht locken eine Vielzahl an Insekten an. UV-Fallen locken eine Vielzahl an Insekten an.
Quelle: Science Photo Library / Getty Images

Darf ich Wespen bekämpfen?

Nach dem Bundesnaturschutzgesetz (BNatSchG) sind alle wildlebenden Tiere geschützt: Das heißt, es ist verboten, sie ohne vernünftigen Grund zu fangen, zu verletzten oder zu töten (§ 39 Abs. 1, BNatSchG). Dieser allgemeine Artenschutz bezieht sich grundsätzlich auf alle wildlebenden Tiere, also auch auf die in Deutschland vorkommenden Wespenarten, wie zum Beispiel die Deutsche Wespe (Vespula germanica) oder die Gemeine Wespe (Vespula vulgaris). Entscheidend ist hier die Definition eines „vernünftigen Grunds“. Juristisch liegt ein vernünftiger Grund dann vor, wenn eine Handlung ausdrücklich erlaubt ist oder im Rahmen einer Abwägung aus der Sicht eines durchschnittlich gebildeten, dem Naturschutz aufgeschlossenen Betrachter gerechtfertigt erscheint. Das BNatSchG gibt als Beispiel für einen vernünftigen Grund „wissenschaftliche oder naturkundliche Untersuchungen an Tieren oder Pflanzen sowie diesbezügliche Maßnahmen der Umweltbildung im zur Erreichung des Untersuchungsziels oder Bildungszwecks notwendigen Umfang vorgenommen werden“ (§ 39a Abs. 4a). Im Rahmen von Abwägungen zum Tierschutzrecht spricht das Vorhandensein von Alternativen bereits gegen das Vorliegen eines vernünftigen Grunds. Eine Prüfung auf vorhandene Alternativen ist im Artenschutz jedoch nicht vorgesehen. 

Daher sollte bedacht werden: Viele Arten, die uns lästig sind oder auch schädlich sein können, übernehmen in der Natur sehr nützliche und wichtige Aufgaben. Viele Arten sind Bestäuber und daher oft auf Blüten anzutreffen. Andere Arten jagen Insekten und Spinnentiere, um diese als Nahrung für ihre Larven in ihre Nester einzutragen. Auch parasitisch lebende Wespenarten gibt es. Wespen übernehmen also eine wichtige Aufgabe bei der Regulation anderer Insektenarten. Deshalb sollte immer abgewogen werden, ob lästige Wespen bekämpft werden müssen oder ob man sich mit ihnen arrangieren kann.

Darüber hinaus gibt es besonders geschützte Arten: Aufgrund ihrer stark rückläufigen Vorkommen bzw. ihrer allgemeinen Gefährdungssituation dürfen diese Arten grundsätzlich nicht gefangen, verletzt oder getötet werden, unabhängig vom Vorliegen eines vernünftigen Grundes (siehe § 44 Abs. 1, BNatSchG). Das heißt, auch im Rahmen der guten fachlichen Praxis der Schädlingsbekämpfung dürfen besonders geschützte Tierarten grundsätzlich nicht gefangen, verletzt oder getötet werden. Ausnahmen dürfen nur von den jeweils zuständigen Länderbehörden erteilt werden. Zu den besonders geschützten Arten zählen nach Bundesartenschutzverordnung (BArtSchV, Anhang 1) etwa die Kreiselwespe (Bembix rostrata), die Knopfhornwespe (Cimbex olin) und die Hornisse (Vespa crabro).

Für die praktische Umsetzung der Artenschutzbestimmungen in Deutschland sind die Behörden der jeweiligen Bundesländer zuständig. Was konkret verboten ist und welche Konsequenzen ein Verstoß – die Vornahme der verbotenen Handlung – hat, kann sich je nach Bundesland unterscheiden. Im Allgemeinen ist ein Verstoß eine Ordnungswidrigkeit und kann mit einem Bußgeld in Höhe von bis zu 50.000 Euro geahndet werden (§ 69 BNatSchG).

Vorbeugen und Abwehren statt Bekämpfen

Was also tun, wenn im Sommer Wespen lästig werden? Der NABU bietet auf seiner Internetseite zahlreiche Tipps zum friedlichen Umgang mit Wespen ohne den Einsatz von Biozidprodukten:

  • Nahrungsmittel im Freien abdecken und Reste wegräumen
  • Nach dem Essen, vor allem bei Kindern, Mund und Hände feucht abwischen
  • Wespen können vorsichtig mit Wasser aus einer Sprühflasche besprüht werden

Wie sollte nicht reagiert werden? 

  • Anpusten: Das im Atem enthaltende Kohlendioxid gilt für Wespen als Alarmsignal.
  • Heftige Bewegungen: Das führt dazu, dass die Wespen sich bedroht fühlen und aggressiv reagieren können.

Wespen, die sich in einiger Entfernung vom Nest aufhalten, sind auf der Suche nach Nahrung. Dabei wird sowohl zuckerhaltige als auch eiweißhaltige Nahrung gesammelt. Es kann daher helfen, an der Kaffeetafel oder beim Grillfest Ablenkfutter anzubieten, an dem die Tiere sich bedienen dürfen.

Weitere Informationen zum richtigen Umgang mit Wespen und Hornisse finden Sie im NABU Flyer „NABU aktiv: Bienen, Wespen und Hornissen – Kein Grund zur Panik oder kostenlos unter dem folgenden LinkUmgang mit Wespen und Hornissen: Kein Grund zur Panik - NABU

Aber Wespe ist nicht gleich Wespe! So sehen Feldwespen (Polistes spp.) der Gewöhnlichen beziehungsweise der Deutschen Wespe sehr ähnlich, sie sind aber friedliche Blütenbesucher und interessieren sich nicht für Kuchen, Eis und ähnliches. Auch die heimische Hornisse (Vespa crabro) hat oft mit Vorurteilen zu kämpfen. Dabei ist ein Hornissenstich nicht gefährlicher als ein Bienen- oder Wespenstich. Hornissen sind auch nicht per se gefährlich oder aggressiv, Vorsicht ist nur in der Nähe ihrer Nester geboten, die sie verteidigen.

Fazit: Wespen sind nach Bundesnaturschutzgesetz geschützte, wildlebende Tiere, die wichtige Rollen im Naturhaushalt übernehmen. Einige Arten sind nach Bundesartenschutzverordnung besonders geschützt, zum Beispiel die Hornisse (Vespa crabro). Somit ist es verboten, Wespen und Hornissen grundlos zu bekämpfen, und es ist in den allermeisten Fällen auch gar nicht nötig. Falls Sie doch eine Gefahrensituation vermuten, zum Beispiel wenn Nester in sensiblen Bereichen (beispielsweise in Kindergärten) vorkommen, wenden Sie sich bitte an einen kundigen Wespen- und Hornissenberater in ihrer Nähe. Dieser entscheidet dann vor Ort, wie vorgegangen werden sollte. Auf der Seite des BUND Niedersachsen gibt es zum Beispiel ein Hilfsangebot eines Wespen- und Hornissenfachmanns. Auch in anderen Regionen sind Experten und Expertinnen vorhanden, meist hilft hier schon eine Onlinesuche.

Wespen an einem Strohhalm Wespen können im Sommer ganz schön lästig werden!
Quelle: imageBroker Raimund Kutter / GettyImages

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