Als Impuls für die anschließende Podiumsdiskussion hielt Kilian Osberghaus (Projektleitung LCOY – Junge Klimakonferenz Deutschland) einen Vortrag zur Fragestellung „Warum klimaresiliente Städte nicht nur eine Vision, sondern essentieller Bestandteil einer klimaneutralen Gesellschaft sind“. Darin brachte er den Blickwinkel junger Menschen auf die Stadt der Zukunft ein und verdeutlichte die Notwendigkeit, jetzt zu handeln und Finanzmittel zu nutzen, um klimaresiliente Städte zu erreichen. Als wichtigen Aspekt nannte er die Gesundheit, unter anderem in Bezug auf Hitze und Flutkatastrophen. In diesem Kontext zitierte er einen Jugendlichen der LCOY: „1,5° ist die beste Medizin, die wir haben“. Osberghaus stellte dar, dass die junge Generation bei wichtigen Entscheidungen unterrepräsentiert sei. Für ihn sind die Themen Mobilität, Rückzugsorte, Landwirtschaft, Energie und Wasser für eine zukunftsgewandte Stadt von größter Bedeutung. Als Anregung gab er zum Abschluss den Teilnehmenden mit auf den Weg: „Jede Person kann ihren/seinen Beitrag dazu leisten, dass wir insgesamt eine Zukunft haben, die positiv ist, die enkeltauglich ist, die klimaneutral ist.“
Podiumsgäste:
- Dr. Susanne Lottermoser, Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, nukleare Sicherheit und Verbraucherschutz (BMUV), Leiterin der Abteilung „Transformation – Digitalisierung, Circular Economy, Klimaanpassung“
- Matthias Herbert, Bundesamt für Naturschutz (BfN), Leiter der Abteilung „Natur und Landschaft in Planung und Projekten, erneuerbare Energien“
- Andreas Giga, Leiter der Serviceorganisation Klima.Werk, Emschergenossenschaft und Lippeverband (EGLV)
- Prof. Claudia Hornberg, Vorsitzende des Sachverständigenrates für Umweltfragen (SRU)
- Irene Burkhardt, Vizepräsidentin des Bundes Deutscher Landschaftsarchitekt:innen (bdla)
Die Podiumsdiskussion wurde mit dem Thema Entwicklungsstand klimaresilienter Städte in Deutschland eingeleitet. Irene Burkhardt (bdla) gab als Einstieg zu bedenken, dass bereits ein geballtes Wissen vorhanden sei, es jedoch neben der Entwicklung von Anpassungskonzepten auch notwendig sei, nach Barrieren zu fragen, welche lediglich einen langsamen Fortschritt erlauben, um genau dort mit Lösungen anzusetzen. Dem fügte Matthias Herbert (BfN) hinzu, dass es integrative Strukturen benötige, um vorhandenes Wissen zu streuen. Er nannte das Beispiel der Vorsorgemaßnahmen an der Weißen Elster nach dem Hochwasser von 2013 und wies darauf hin, bei den Maßnahmen auch Biodiversität im Blick zu behalten.
Dr. Susanne Lottermoser (BMUV) sprach von einem heterogenen Bild, mit einem allgemein verbreiteten Bewusstsein zum Thema Klimaanpassung, jedoch unterschiedlicher Geschwindigkeit in der Konzeption und Umsetzung. Während größere und besonders betroffene Städte Vorreiter seien, fehle es kleinen und mittleren Gemeinden oft an Finanzen und Personal, so Lottermoser.
Zur Frage der Priorisierung vor dem Hintergrund einer steigenden Dringlichkeit, antwortete Prof. Claudia Hornberg (SRU), dass Klimaresilienz bereits seit 30 Jahren ein Thema sei und Expertise in verschiedenen Fachbereichen existiere, jedoch die Interdisziplinarität unter Einbindung sozialer und ökologischer Aspekte aktuell sehr wichtig seien. Den Gedanken des Miteinanders stellte auch Andreas Giga (EGLV) heraus, indem Themen nicht mehr nur sektoral gelöst werden sollten, sondern eine Transformation des Handelns stattfinden müsse. Zudem sei es notwendig, den gesetzlichen Rahmen im Bereich Mobilität, Bebauung und Regenwasserinfrastruktur zu aktualisieren, um die Verwaltungen handlungsfähiger zu machen. „Wir müssen vom Reden zum Handeln kommen“.
Matthias Herbert gab zu bedenken, dass es zwar klar sei, wo gehandelt werden muss, die Umsetzung jedoch oftmals schwierig sei. Er argumentierte, dass personelle Kapazitäten knapp und Klimafolgen regional sehr unterschiedlich ausgeprägt seien. Schließlich bedarf es intelligenter Konzepte wie der Schwammstadt, wo Ämter zusammenrücken und die Themen Grünentwicklung und Wasser zusammendenken. Burkhardt schloss sich hier mit der Frage an, wie man alle ins Boot bringt, einschließlich Verbände, Universitäten und anderen Akteur*innen. In der Verwaltung sei eine Zusammenarbeit nicht selbstverständlich, daher seien andere Ansätze notwendig, um fachliche Grenzen aufzuweichen.
Auch Susanne Lottermoser unterstrich, dass es einer „Klimaanpassungsplanung aus einem Guss“ benötige. Städte müssten eine Vision entwickeln, welche von der Verwaltungsspitze getragen wird, damit Ämter dahingehend zusammenarbeiten. Dies sei insbesondere im Bestand eine Herausforderung, wo ein integrierter Ansatz notwendig wäre. Der gesetzliche Rahmen existiere bereits, so Lottermoser, aber die Umsetzung vor Ort müsse gegeben sein, da Klimaanpassung keine Pflichtaufgabe für Kommunen ist. Hierzu ergänzte Andreas Giga, dass zwar gute Angebote [VA1] auf Bundes- und Landesebene existieren würden, ohne Verpflichtung jedoch Zurückhaltung herrsche. Neben einer gezielten Finanzierung würde es auch einen niedrigschwelligen Zugang sowie Bürokratieabbau benötigen, laut Giga.
Zum Thema Finanzierung antwortete Claudia Hornbach, dass direkte und indirekte Kosten verstärkt betrachtet werden sollten, nicht nur Hochwasserkosten, sondern auch die Vermeidung von Krankheitskosten durch Hitzevorsorge. Irene Burkhardt ergänzte, dass das Aufzeigen von Gefährdungspotentialen und das Gegenüberstellen der finanziellen Leistung von Stadtnatur essentiell sei aber verbessert werden müsse, um politisch wirksam zu sein. Zudem müsste bei den hohen Sanierungsbedarfen einer Kommune angesetzt werden, um stärker in den Bestand zu kommen und geringere Finanzbedarfe zu erzeugen.
Matthias Herbert fügte hinzu, dass die Finanzierung aktuell gut sei, es jedoch noch am Handeln fehle. Das BfN habe bereits vor 10 Jahren praxisorientierte Publikationen herausgebracht, aktuell auch zu Gebäudebegrünung mit Fördermöglichkeiten.
Dass ein aktives Engagement vieler Akteur*innen notwendig ist, wurde von Andreas Giga am Beispiel des KlimaWerks gezeigt, welches seit 2014 existiert. Es sei ein „mühseliger Weg“ zur wassersensiblen Stadt, aber sie hätten mit der Ruhrkonferenz eine umfassende Förderung erreicht und würden aus Abwassergebühren Beiträge erwirtschaften. Viele dezentrale Lösungen seien wichtig, so Giga.
Aus dem Publikum wurden im Anschluss Anregungen und Fragen an das Podium herangetragen. Themen umfassten die Förderung konsumtiver Kosten, eine stärkere Darstellung vermeidender Kosten, Herausforderungen des Umgangs mit dem Denkmalschutz, die Einbindung von Stadtteilen, und vertieft eine Weiterentwicklung des gesetzlichen Rahmens, bspw. des BauGB mit Hinblick auf Grünkennzahl, Anteil der Geschossfläche, Regenwassereinleitung. Zum letzten Punkt antwortete eine Vertreterin des BMWSB aus dem Publikum, dass das Ministerium aktuell das BauGB überarbeite und auch anderweitig im Bereich Klimaanpassung aktiv sei, zum Beispiel mit dem Bundespreis Stadtgrün.
Susanne Lottermoser schloss die Podiumsdiskussion mit der Einschätzung, dass es in der Umsetzung sowohl Zivilgesellschaft wie auch private Akteur*innen brauche, die Interesse am Thema haben und dass Barrieren für diese Akteur*innen reduziert werden müssten. Für sie sei ein Kulturwandel hin zu einer Transformation notwendig, damit Bürger*innen insbesondere naturbasierte Vorsorgemaßnahmen annehmen und auch Verantwortung übernehmen.