Zentralbanken stehen aufgrund ihres Mandats, das in der Regel auch Finanzstabilität und Bankenaufsicht beinhaltet, an zentraler Stelle des Finanzsystems, auch mit Hinblick auf Nachhaltigkeitsrisiken.
Mark Carney, der damalige Governor der Bank of England und Chairman des Financial Stability Board (FSB), war einer der ersten Regulierungspraktiker, der natürliche Risiken 2015 problematisierte. Seine Rede „Breaking the tragedy of the horizon – climate change and financial stability“ wird heute oft als Referenzpunkt genommen, um den Beginn der Sustainable-Finance-Diskussionen zu kennzeichnen (siehe auch Artikel Historische Entwicklung).
In den vergangenen Jahren haben Zentralbanken und Aufsicht das Thema ESG- und Nachhaltigkeitsrisiken noch stärker in den Fokus genommen. Mit der Gründung des Network for Greening the Financial System (NGFS) im Dezember 2017 existiert ein institutionalisiertes Netzwerk von inzwischen 108 Zentralbanken und Aufsichtsbehörden. Sie tauschen sich zum Thema Klima- und Umweltrisiken und Mobilisierung von Kapital für die Transformation aus und wollen zu einer stärkeren Berücksichtigung von Nachhaltigkeitsaspekten beitragen. Das Netzwerk forscht zu best practices und versucht, sie im Finanzsektor zu verankern.
Auch die Bundesbank und die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) sind Mitglieder des NGFS. Dabei haben die Akteure vor allem die Risiken im Blick, die sich durch den Klimawandel und andere Umweltaspekte ergeben. Diese sind im Vergleich zu anderen Risiken aufgrund fehlender historischer Erfahrungen schwerer zu modellieren als herkömmliche Risikoarten.
Im Rahmen wissenschaftlicher Paper konzentrierten sich die Akteure zunächst auf die Analyse und die Beobachtung von Effekten des Klimawandels auf Geldpolitik und Finanzstabilität. Mittlerweile werden jedoch auch in der Praxis genutzte Instrumente wie Stresstests und Szenarioanalysen dahingehend angepasst, dass Umweltaspekte berücksichtigt werden.
Außerdem formulieren diese Akteure Erwartungen an beaufsichtigte Unternehmen, wie diese Nachhaltigkeitsrisiken berücksichtigen sollten. So hat auch die BaFin 2019 ein Merkblatt zu Nachhaltigkeitsrisiken veröffentlicht, in dem diesbezügliche Hinweise für beaufsichtigte Unternehmen formuliert werden. Nachhaltigkeitsrisiken sind demnach keine alleinstehenden Risiken, sondern wirken auf bereits existierende Risiken, wie Marktrisiken, Liquiditätsrisiken oder operationelle Risiken ein.
Zentralbanken und Aufsicht unterstützen politisch-regulatorisches Handeln mit ihrer Expertise und setzen es im Rahmen ihrer Mandate um. Sie begleiten somit Markt und Politik bei der Umsetzung von Sustainable Finance.