Im Gegensatz geht zum Beispiel der stellvertretende Gouverneur der Bank of England, Dave Ramsden, dahingehend optimistisch, davon aus, dass die Verschärfung der Klimavorschriften für Banken nicht zu einer Zunahme der Finanzströme in nicht regulierte Institute führen wird. Die Regulierungsbehörden seien sich nach seiner Einschätzung der Risiken bewusst, mit denen der Finanzsektor außerhalb des Bankensektors konfrontiert sei, und konzentrierten sich darauf, sicherzustellen, dass dieser eine positive Rolle bei der Unterstützung des kohlenstoffarmen Übergangs spiele. Die zunehmende Regulierung klimabezogener Finanzrisiken, etwa durch die obligatorische Offenlegung und Klimastresstests, habe einige Bedenken hinsichtlich der Anreize für kohlenstoffintensive Kreditnehmer aufkommen lassen, Kredite außerhalb des regulären Bankensystems zu suchen. Deshalb meint Ramsden, er sei "bedingt optimistisch", was die potenziellen Fallstricke der strengeren Klimaregeln angehe, und fügt hinzu, dass sich die Aufsichts- und Regulierungsbehörden derzeit sehr stark auf die Nichtbankenfinanzierung konzentrierten: "Wir müssen sicherstellen, dass dieser unglaublich wichtige Finanzbereich sicher ist und seine Rolle bei der Bereitstellung von Finanzmitteln für die wichtigsten makroökonomischen Ziele – kurz-, mittel- und langfristig – spielen kann, von denen die Klimafinanzierung absolut zentral ist", so Ramsden.
Entsprechend sind immer mehr Forderungen zu vernehmen, die Klimavorgaben auf die Regulierung von Schattenbankkrediten und Derivatemärkten auszuweiten. Ein Bericht, der vom Center for American Progress veröffentlicht wurde, forderte die Regulierungsbehörden auf, aufsichtsrechtliche Instrumente einzusetzen, um den Banken die Vermittlung ihrer Klimarisiken in den Schattenbankensektor zu erschweren. Die Autoren wiesen darauf hin, dass der Schattenbanksektor in hohem Maße von der finanziellen Unterstützung durch das reguläre Bankensystem abhängig ist.
Daneben hat das European Money and Finance Forum SUERF konkrete Vorschläge gemacht, wie das Schattenbanksystem in Bezug auf Sustainable Finance reguliert werden kann. Dieser konzentriert sich vor allem auf die Klimaeffekte des Schattenbankensystems.
Die Margen und Abschläge für Anleihen werden derzeit unabhängig von den Umweltauswirkungen der zugrunde liegenden Sicherheiten festgelegt. Dadurch werden Kredite für Aktivitäten mit schädlichen Umweltauswirkungen mobilisiert. Um den Übergang zu einer kohlenstoffarmen Wirtschaft zu unterstützen, könnten, nach Einschätzung des SUERF, die Margen und Sicherheitsabschläge auf der Grundlage der Umweltfreundlichkeit der als Sicherheiten eingesetzten Vermögenswerte ausgerichtet werden.
Die Gestaltung und Umsetzung von klimafreundlichen Haircuts, also Abschlägen für die Sicherheiten, die für einen Kredit benötigt werden, und Margen könnte sich auf den Rahmen stützen, den der Financial Stability Board (FSB) ursprünglich vorgesehen hat. Dieser könnte für alle Wertpapierfinanzierungsgeschäfte gelten, unabhängig davon, ob es sich um Banken, Schattenbanken oder eine Kombination handelt. Auf diese Weise wird der Spielraum für Banken, klimabedingte regulatorische Arbitrage zu betreiben, laut SUERF erheblich verringert.
Lediglich die Sicherheitsabschläge anzupassen, würde jedoch nach Einschätzung von SUERF nicht ausreichen. Daher wäre ein weiterer Vorschlag, die Verwendung von nicht nachhaltigen Wertpapieren als Sicherheiten in Derivatetransaktionen zu verbieten. So würden die Handlungsfelder, in denen diese nicht nachhaltigen und damit nicht zukunftsfähigen Wertpapiere eingeschränkt. Hierdurch könnten Schlupflöcher, in denen sich nicht nachhaltige lohnen, geschlossen werden. Solche Verbote müssten schrittweise eingeführt werden, ähnlich wie in der Bankenregulierung, so dass die Anleger Zeit haben, sich darauf einzustellen.