Wiederherstellung, Pflege und Neuanlage von Kleingewässern
Aufgrund des Klimawandels steigt die Durchschnittstemperatur in Deutschland an, aber auch Hitzewellen treten in immer größerer Häufigkeit und Intensität auf. Daneben zeichnet es sich ab, dass Starkniederschlagsereignisse zunehmen.
Hier können Wasserflächen zur Abmilderung von Klimawandelfolgen beitragen, gleichzeitig aber auch das Potenzial einer touristischen Nutzung bieten. Als Wasserflächen werden im Folgenden die sogenannten Kleingewässer bezeichnet. Dazu zählen relativ kleine und flache Wasserkörper wie beispielsweise natürliche Weiher und Tümpel mit temporärer Wasserführung oder Teiche als künstlich angelegte Wasserkörper. Insbesondere Teiche müssen daher regelmäßig und fachgerecht gepflegt werden.
Grundsätzlich sollte dem Schutz bestehender, natürlicher Wasserflächen eine hohe Priorität eingeräumt werden oder Maßnahmen zur ökologischen Aufwertung dieser Gewässer getroffen werden. Abhängig von den naturräumlichen Voraussetzungen kann auch die künstliche Anlage von Wasserflächen in Betracht gezogen werden. Dies bietet sich beispielsweise als Nachnutzung für Kiesabbauflächen an. In Siedlungsgebieten spielt dagegen vor allem der Ansatz einer multifunktionalen Flächengestaltung eine Rolle, um Rückhaltekapazitäten bei Starkregenereignissen zu schaffen. Auch kann geprüft werden, ob historische Dorfteiche wiederhergestellt werden können.
In Abhängigkeit von der Ausdehnung und der Geländemorphologie können Gewässer bei Starkregenereignissen Wasser aufnehmen und anschließend langsam versickern und so einen Beitrag zur Stabilisierung des Grundwasserspiegels leisten. Darüber hinaus wirken sich Wasserflächen durch ihre Fähigkeit, Temperaturextreme ausgleichen zu können, kleinklimatisch positiv aus. So sorgt die Verdunstung von Wasser für eine Kühlung der Umgebungstemperatur, weshalb die Nähe zu Wasserflächen insbesondere an heißen Sommertagen eine hohe Aufenthaltsqualität sicherstellen kann.
Als landschaftsprägendes Element kommt Wasser neben den ökologischen Vorteilen auch eine optische Wirkung zu, welche touristisch genutzt werden kann. So wird Landschaften, die Wasser enthalten, eine größere Attraktivität und ein höherer Erholungswert zugeschrieben als vergleichbaren Landschaften ohne Wasser. Dies wurde in einer Studie für natürliche und künstlich angelegte Wasserflächen nachgewiesen. Außerdem werden als intakt empfundene Ökosysteme mit einer hohen Biodiversität und abwechslungsreiche Landschaften, beispielsweise bestehend aus Wald-, Weide- und Gewässerflächen von Touristinnen und Touristen bevorzugt.
Je nach Gewässer können daher verschiedene Angebote geschaffen werden, die von Bademöglichkeiten bis hin zu einem Lehrpfad reichen können. Dabei sollte darauf geachtet werden, die touristische Nutzung mit Naturschutzaspekten zu vereinbaren. So können beispielsweise Stege und andere Maßnahmen zur Kanalisierung und Lenkung von Besucherströmen und somit zum Schutz der Ufervegetation beitragen. Gleichzeitig können diese für die Gäste einen guten Ausgangspunkt zur Beobachtung der Tier- und Pflanzenwelt am und im Wasser bieten.
Kleingewässer bieten den Vorteil, dass sich verglichen mit anderen Naturschutzmaßnahmen (z. B. Wiederaufforstung) relativ schnell sichtbare Erfolge einstellen werden. Dabei muss aber auch bedacht werden, dass die Gewässer nur eine beschränkte „Haltbarkeit“ aufweisen und mit der Zeit verlanden. Das Ausbaggern stellt aus ökologischen Gründen meist keine Alternative zur Verlängerung der Lebensdauer dar. Ein weiteres Problem ist das sommerliche Trockenfallen von Gewässern, was zwar aus ökologischer Sicht wünschenswert sein kann, aber eine touristische Nutzung ausschließt. Eine Stützung des Wasserstandes mit Trink- oder Grundwasser ist zu vermeiden, da dies zu Nutzungskonflikten führen kann.
Um ein ökologisch wertvolles und somit auch touristisch attraktives Gewässer zu schaffen, müssen die natürlichen Voraussetzungen bestmöglich genutzt werden. Dies trägt dazu bei, den Aufwand für die spätere Gewässerpflege zu minimieren. Gewässerentwicklungsmaßnahmen unterscheiden sich, je nachdem welche Arten sich in dem Biotop ansiedeln können und welche Voraussetzungen dafür geschaffen werden müssen. Wärmeliebende Arten wie die Kreuzkröte bevorzugen beispielsweise sich rasch erwärmende Flachwasserbereiche. Da Gewässer aber nicht nur als Lebensraum für Wassertiere dienen, muss auch die Umgebung in die Planung miteinbezogen werden. Wichtig ist auch, dass bei der Gewässerentwicklung eine negative Beeinträchtigung oder Zerstörung wertvoller Lebensräume ausgeschlossen werden kann. Für die Pflege des Gewässers empfiehlt sich die Aufstellung eines Gewässerpflegeplans. Art, Umfang und Zeitpunkt der Pflegemaßahmen müssen sich an den Bedürfnissen der Arten orientieren, die sich in dem Wasserökosystem angesiedelt haben.