Um den Folgen des Klimawandels – etwa zunehmenden Hitzeperioden und Starkregenereignissen – wirksam begegnen zu können, braucht es vor allem Wissen darüber, wie Fortschritte bei der Anpassung erzielt werden und ob die ergriffenen Maßnahmen den Herausforderungen gerecht werden und ausreichen. Die Fachkonferenz des Umweltbundesamtes (UBA) „Klimawandelanpassung im Blick – welche Fortschritte machen wir?“ am 16. und 17. September 2025 lieferte einen Rundumblick auf Fortschrittserfassung und -bewertung.
Erkenntnisse der UBA-Fachkonferenz
Die Fachkonferenz thematisierte die Fragen, wie Fortschritte in der Klimawandelanpassung verstanden werden können und aus welchen Gründen die Fortschrittserfassung trotz ihres zusätzlichen Aufwands praktikabel und von großem Nutzen ist. Darauf aufbauend lieferte sie fachliche Grundlagen zu Indikatoren und Indikatorensystemen für die Fortschrittserfassung. Aktuelle Praxisbeispiele zur Fortschrittserfassung und -bewertung in Deutschland zeigten, wie sich unterschiedliche Akteure dem Thema annähern. Abschließend wurde reflektiert, welche Rolle das Lernen aus Erfahrungen in der Klimawandelanpassung spielt.
Wichtigste Kernbotschaften der Konferenz:
- Die Ziele und Zwecke der Fortschrittserfassung bestimmen ihre Durchführung: Ein generell gültiges Rezept für eine optimale Fortschrittserfassung gibt es nicht, zeigte Dr. Timo Leiter vom Grantham Institut der London School of Economics and Political Science in seinem Eröffnungsvortrag. Ziele und Nutzen der Fortschrittserfassung sollten zu Beginn festgelegt werden, damit sich das Erfassungssystem daran ausrichtet.
- (Quantitative) Indikatoren reichen nicht aus: „Indicators indicate, they do not explain“ (Indikatoren weisen auf wichtige Aspekte [hier: der Fortschrittserfassung; Anm. der Autorin] hin, sie begründen sie nicht), so Leiter. Die Fortschrittserfassung benötigt qualitative Verfahren und Informationen, die Erläuterungen, Kontextualisierung und insbesondere Antworten auf die Fragen des „Wie“ und des „Wieso“ liefern können.
- Begrifflichkeiten werden unterschiedlich verwendet: Output-, Outcome- und Impact-Indikatoren (oder auch State-, Impact- und Response-Indikatoren) können sich auf Klimaparameter/-änderungen, Klimafolgen, und Klimahandlungen/-aktivitäten beziehen. Oft werden die Begriffe unterschiedlich verwendet. Ein gemeinsames Verständnis darüber ist nötig.
- Trotz Herausforderungen ist es fundamental, die Wirksamkeit von Anpassung zu prüfen: Viele Herausforderungen – fachlicher, methodischer, personeller, finanzieller und politischer Art – erschweren die Fortschrittserfassung. Dennoch ist es sehr wichtig, mehr über die Angemessenheit und Effektivität von Anpassungsmaßnahmen zu erfahren, um Entscheidungsfindung mit wichtigen Informationen zu bereichern und dadurch die Wirkung von Anpassungsaktivitäten zu verbessern.
- Ähnliche Herausforderungen auf allen Ebenen: Anhand von Praxiserfahrungen unterschiedlicher Akteure wurde deutlich, dass alle Entscheidungsebenen mit ähnlichen Schwierigkeiten in der Fortschrittserfassung bei der Klimawandelanpassung konfrontiert sind.
- Aus Erfahrungen zu lernen, ist zentral für verbesserte Entscheidungen: Die Sammlung von Informationen über Fortschritte und Wirksamkeit allein macht Anpassung nicht effektiver. Lernen aus Erfahrungen ist dafür fundamental. Lernen in der Klimawandelanpassung scheint auf unterschiedlichen Ebenen, zu unterschiedlichen Zeitpunkten, in unterschiedlichen Geschwindigkeiten und Tiefen stattzufinden. Dafür sind aber neben zeitlichen, personellen und finanziellen Ressourcen ein gelungener Wissenstransfer, eine offene Kommunikationskultur, die Bereitschaft der Beteiligten sowie eine positive Fehlerkultur wesentlich.
Die vollständigen Inhalte und Ergebnisse der Fachkonferenz gibt es zum Nachlesen in der Konferenzdokumentation. Eine erste praxisnahe Unterstützung auf dem Weg zur systematischen Fortschrittserfassung in Kommunen bietet der neue UBA/KomPass-Anpassungsscanner, der auf der Konferenz veröffentlicht und vorgestellt wurde.