Interne Biosicherheit durch gute Stallhygiene
In der landwirtschaftlichen Nutztierhaltung besteht z. B. ein starker Zusammenhang zwischen hygienischen Bedingungen und dem Auftreten von Magen-Darm-Erkrankungen(28). Krankheiten, wie Eutererkrankungen oder Lahmheit bei Rindern und Milchkühen sowie Atemwegs- und Harnwegserkrankungen bei Schweinen, können durch einen guten Hygienezustand vermieden werden. Reinigung und Desinfektion als prophylaktische Maßnahmen reduzieren den Infektionsdruck(29, 28). Dies wiederum verringert den Einsatz von Tierarzneimitteln. Auch die Verschleppungen resistenter Mikroorganismen wird vermieden(30). Verschiedene Maßnahmen sind geeignet, die Verschleppung und Verbreitung von Krankheitserregern innerhalb eines Betriebes zu verringern.
Reinigung des Stalls für gesunde Tiere
Saubere, trockene Stallungen sind eine Grundvoraussetzung für gesunde Tiere. Der regelmäßigen Reinigung und strikten Einhaltung der Reinigungsprotokolle kommt eine besondere Bedeutung zu. So sollten Tierkontaktoberflächen und Gerätschaften regelmäßig gereinigt und desinfiziert werden, um die Zahl der Mikroorganismen und die Übertragung von krankmachenden Erregern zu reduzieren. Dabei muss eine Desinfektion außer in Schweinehaltungen (vorgeschrieben durch die SchweinehaltungshygieneVO) nicht zwangsläufig erfolgen, denn auch diese kann eine Resistenzbildung fördern, vor allem, wenn vorher nicht sorgfältig gereinigt wurde.
Die bauliche Gestaltung ist wichtig, damit Exkremente optimal abgeleitet werden. Glatte Oberflächen tragen maßgeblich zum Reinigungserfolg bei. So ist Kunststoff im Kontaktbereich besser geeignet als Holz (siehe: Krankheitsvermeidende Haltungsbedingungen für Nutztiere). Aus Nachhaltigkeitsgründen werden Stahlbetonkonstruktionen im Stallbau zunehmend häufiger durch Holz ersetzt. Sofern der Kontaktbereich mit Tieren und Fäkalien entsprechend hygienisch ausgeplant sind, spricht nichts gegen Holzbauten. Zudem muss speziell im Liegebereich die Einstreu regelmäßig nachgestreut und ausgetauscht werden, damit sie Feuchtigkeit aufnehmen kann. Die Fütterungshygiene, bei Futterlagerung, Trögen oder Tränkeinrichtungen, muss ebenso eingehalten werden (siehe: Tränkwasserversorgung im Stall und Optimale Fütterung).
Desinfektion bei hohen Temperaturen und mit langen Einwirkzeiten kann dazu beitragen, mit weniger Desinfektionsmittel eine ähnliche Wirkung zu erzielen, wie mit größeren Mengen Desinfektionsmittel(31). Entscheidend für den Erfolg der Desinfektion ist allerdings, die Einhaltung der produktbezogenen Gebrauchsanleitung des verwendeten Desinfektionsmittels sowie die Einhaltung der empfohlenen Trocknungszeiten. Bei der Reinigung und Desinfektion von leeren Buchten oder Ställen empfiehlt es sich von oben nach unten, also von den Wänden zum Boden, vorzugehen. Trog und Tränke sollten mit einem geeigneten Ablauf ausgestattet sein, damit nach der Reinigung keine Rückstände von Desinfektions- oder Reinigungswasser verbleiben.
Optimierte Arbeitsabläufe reduzieren Keimübertragungen
Optimierte innerbetriebliche Arbeitsprozesse vermindern die Verschleppung von Krankheitserregern. Da Jungtiere häufig weniger Kontakt mit Krankheitserregern haben als Alttiere, vermindert die Arbeitsrichtung von jung zu alt die Übertragung. Eine Hygieneschleuse zwischen den Stallbereichen verhindert die betriebsinterne Weitergabe von Krankheitserregern. Eine Arbeitsrichtung von jung zu alt, also zum Beispiel von den Sauen im Abferkelstall, über die Ferkelzucht zur Mast und zum Schluss zum Krankenstall, bietet sich an. Die strikte Anwendung des Rein-Raus-Verfahrens verhindert Keimverschleppungen zwischen schlachtreifen Tieren und neu hinzukommenden Jungtieren. Besonders sensibel ist z.B. der Abferkelbereich. Die gründliche Reinigung der Sauen in den sogenannten Sauenduschen vor der Umstallung in den Abferkelbereich kann helfen, den Keimeintrag zu reduzieren. Nach einem Zukauf von Jungsauen können diese zusätzlich durch Quarantäne an den Stand gewöhnt und der Keimeintrag reduziert werden. (siehe: Umweltaspekte bei Verabreichung von Tierarzneimitteln, Abschnitt: Verschleppung von Tierarzneimitteln vermeiden)
Zur Vermeidung von Mastitis und Förderung der Eutergesundheit tragen alle Hygienemaßnahmen bei, die der Vermeidung von Keimübertragungen von Kuh zu Kuh dienen. Dazu zählt die sorgfältige Reinigung und Desinfektion des Melkzeuges und die Bereitstellung sauberer und trockener Liegeflächen(32). Durch sorgfältige Tierbeobachtung und aufmerksames Vormelken kann zusätzlich die Früherkennungsrate verbessert werden. Automatische Melkanlagen sind häufig schon mit modernen Sensoren ausgestattet, die regelmäßig den Zellgehalt der Milch erfassen und zur Früherkennung genutzt werden können. Tiere mit einer subklinischen Mastitis können so frühzeitig separiert und zuletzt gemolken werden. Dies verringert den Keimdruck für die gesunden Kühe. Auch bei der Geburtshilfe müssen einwandfreie hygienische Bedingungen sichergestellt werden(33).
Sauberkeit von Tieren und Personal verringert den Keimdruck effektiv
Tier- und Personalhygienemaßnahmen verbessern den Gesundheitszustand besonders effektiv(34, 29). Durch Hygieneberatungen und Schulungen von Tierhaltern/ -halterinnen, Beratern/ -innen und Bestandstierärztinnen/-ärzten kann die Tiergesundheit und dadurch die Produktionseffizienz verbessert werden(35, 36). Um Hygienemaßnahmen wirksam zu gestalten, sollten Landwirtinnen/-wirte und Tierärztinnen/-ärzte zusammen einzelbetriebliche Hygienemaßnahmenpläne erstellen und diese in das Gesundheitsmonitoring integrieren (siehe: Erweitertes Gesundheitsmonitoring in der Tierproduktion).