Lenkung von Besucherinnen- und Besucherströmen durch Informationen und gezielte Angebote
Durch den Klimawandel verändern sich die Rahmenbedingungen für den Tourismus, was sich auch auf die touristische Nachfrage auswirken kann. Dafür sind neben dem Klimawandel jedoch eine Vielzahl an weiteren Faktoren ausschlaggebend. Vorhersagen zu zukünftigen Entwicklungen sind daher mit Unsicherheiten behaftet. Dennoch kann das Zusammenspiel verschiedener Faktoren im Zusammenhang mit klimatischen Veränderungen zu einer Veränderung von Reisegewohnheiten und einer Verlagerung von Reiseströmen führen. Dadurch können schützenswerte Gebiete zunehmend beeinträchtigt werden. Im Winter beispielsweise gewinnen neben dem klassischen, pistenbasierten Skitourismus das Schneeschuhwandern und das Skitourengehen an Bedeutung. Beide Sportarten sind nicht direkt an eine bestimmte Infrastruktur gebunden, weshalb es in allen hierfür genutzten Gebieten zu einer Beeinträchtigung von Wildtieren und Schäden an den Pflanzen unterhalb der Schneedecke kommen kann.
Die Kanalisierung und Lenkung von Besucherinnen und Besuchern ist eine notwendige Maßnahme, um auf einen veränderten Nutzungsdruck zu reagieren und Attraktivitätsverluste zu vermeiden. Des Weiteren kann eine Gefährdung der Sicherheit der Gäste (z. B. Lawinen, Steinschlag, Küstenabbruch, ...) Lenkungsmaßnahmen erforderlich machen. Dies hat insbesondere vor dem Hintergrund fehlender Lokalkenntnisse der Reisenden eine große Bedeutung. Das Besucherinnen- und Besuchermanagement verfolgt das Ziel, eine hohe Sicherheit und Zufriedenheit der Gäste sicherzustellen und kann dazu beitragen, Konflikte mit anderen Nutzergruppen, wie z. B. der lokalen Bevölkerung, zu vermeiden. Dies kann durch die Gestaltung der touristischen Infrastruktur selbst erfolgen:
- Sichtbare Hinweise auf eine unzureichende Lenkung sind vorhandene Trampelpfade oder Doppelwege, z. B. entstanden durch Wegabschneider (= Personen, die den Weg verlassen, um eine Abkürzung zu nehmen). Gegenmaßnahmen sind eindeutige Beschilderungen, gut ausgebaute Wege oder Hindernisse (Pflanzen, große Steine/Felsen, Zäune oder andere Barrieren) und die Lückenschließung von Wander- und Radwegen oder die Anlage von Rundwegen.
- Darüber hinaus können Elemente zur Attraktivitätssteigerung des Weges miteinbezogen werden (z. B. Hängebrücken, Stege, Rastplätze, Aussichts- oder Beobachtungsplattformen, Spielplätze, ...).
- Für die Lenkung sollten nach Möglichkeit natürliche Hindernisse (Büsche, Hecken, Wassergräben, Bachläufe, …) genutzt werden. Hintergrund ist, dass dadurch die wahrgenommene Fremdbestimmung bei den Touristinnen und Touristen geringer ist als bei Verboten, Zäunen oder offensichtlichen Barrieren.
- Bei der Wegeführung muss darauf geachtet werden, dass diese einen möglichst abwechslungsreichen Verlauf haben, an natürliche Geländestrukturen angepasst sind sowie vorhandene touristisch relevante Angebote (z. B. Parkplätze, Gaststätten, ...) berücksichtigen. Einflussfaktoren auf die Attraktivität einer Landschaft sind dabei vor allem Relief, Wasserflächen und Naturnähe, was in der Wegeplanung berücksichtigt werden sollte.
- Außerdem muss eingeplant werden, dass mit einer größeren Nutzungsfrequenz auch ein erhöhter Aufwand für die Instandhaltung einhergeht.
- Eine Markierung von Wegen kann im Winter z. B. über Hinweisschilder oder Schneestangen erfolgen. Dabei muss insbesondere darauf geachtet werden, dass diese bei unterschiedlichen Schneehöhen gut sichtbar sind.
- Vorhandene Spuren im Schnee können einen starken besucherlenkenden Effekt entfalten, daher kann die lokale Bevölkerung hier eine Vorbildfunktion einnehmen. Voraussetzung hierfür ist, die Akzeptanz der Einheimischen für die (neue) Wegführung zu gewinnen.
- Grundlage für ein funktionierendes Besucherlenkungskonzept sind möglichst genaue Kenntnisse über die Zielgruppe und deren Verhalten (weshalb diese möglichst direkt in die Planungen miteinbezogen werden sollten).
Ergänzend zu den obigen Maßnahmen spielt die Sensibilisierung der Gäste durch eine gezielte Informationsbereitstellung eine wichtige Rolle. Folgende Maßnahmen können zu einer Stärkung der Eigenverantwortung beitragen:
- Vermittlung von Informationen über schützenswerte Arten, über vorhandene Rad- und Wanderwegeinfrastrukturen oder relevante touristische Einrichtungen, empfohlene Routen für Schneeschuhwanderungen bzw. Skitouren sowie Verhaltensleitlinien
- Wege der Informationsbereitstellung: digitale Technologien (z. B. GPS-basierte Angebote, virtuelle Erlebnispfade, ...), Internetauftritt, Schaffung eines Besucherinformationszentrums
- Angebot von geführten Touren oder Vorträgen
- Zielgruppenspezifische Kommunikation (z. B. spezielle Angebote für Kinder)