Unter dem Summenparameter „gebundenes Chlor“ werden weitere Nebenprodukte der Chlorung zusammengefasst. Es handelt sich dabei um Chloramine und um organischen Stickstoffverbindungen mit Chloratomen. Da das gebundene Chlor die Badewasserqualität erheblich beeinträchtigt, muss es als Nebenprodukt der Chlorung auf die technisch unvermeidbare Konzentration begrenzt werden. Insbesondere Trichloramin, das ebenfalls zu dem gebundenen Chlor gehört, reizt Augen, Nase, Rachen und Bronchien extrem. Es besitzt eine Geruchs- und Geschmacksschwelle von 0,02 Milligramm pro Liter. Es tritt wie die THM aus dem Beckenwasser in die Luft aus und sorgt für den typischen Hallenbadgeruch. Trichloramin entsteht durch die Reaktion von Chlor mit Harnstoff, der von den Badegästen durch das Ausspülen aus der Hornhaut, sowie über Urin und Schweiß in das Beckenwasser eingebracht wird.
Harnstoff ist ein wichtiger Bestandteil der Haut, der sie feucht hält. Die Hornschicht als äußere Schicht der Haut enthält circa acht Mikrogramm Harnstoff pro Quadratzentimeter. Ein erwachsener Mensch besitzt ungefähr zwei Quadratmeter Hautoberfläche. Wird der Harnstoff aus der Haut vollständig vom Wasser beim Schwimmen oder Baden ausgespült, dann gelangen pro Badegast durchschnittlich 0,16 Gramm Harnstoff ins Badewasser. Bei 1000 Badegästen wären das 160 Gramm. Durch gründliches Duschen lässt sich der Harnstoff fast vollständig aus der Haut entfernen. Das Beispiel verdeutlicht wie wichtig das Duschen vor dem Schwimmen ist, um die Bildung von Trichloramin zu verringern.
Bildung von Chlorat
In die Norm DIN 19643: 2012-11 wurden als neue chemische Parameter für das Beckenwasser die anorganischen Desinfektionsnebenprodukte Chlorit, Chlorat und Bromat aufgenommen und mit einem Maximalwert versehen, der aus gesundheitlichen Gründen einzuhalten ist.
Das zur Desinfektion zugesetzte Chlor im Beckenwasser liegt als hypochlorige Säure und Hypochlorit-Ionen vor. In Wasser zerfallen die Hypochlorit-Ionen in einer zweistufigen Reaktion zu Chlorat. In der ersten Stufe wird Chlorit gebildet, das in Gegenwart von Hypochlorit sofort zu Chlorat weiter reagiert. Deshalb ist in einem Beckenwasser, das ausreichend Chlor enthält, kein Chlorit vorhanden. Der Zerfall von Hypochloriten zu Chlorit und Chlorat wird begünstigt durch hohe Hypochlorit-Konzentrationen, Wärme, UV-Strahlung, pH- Werte unter 10,5 und Schwermetallionen, die als Katalysatoren wirken. So kommt es an heißen Sommertagen in Freibädern immer zur Bildung von Chlorat durch den Zerfall von Hypochlorit. Eine weitere Chlorat-Quelle ist die zur Desinfektion verwendete Chlorbleichlauge. Höhere Temperaturen, Lichteinstrahlung und lange Lagerzeiten führen darin zum beschleunigten Abbau des Chlors unter Bildung von Chlorat.
In Hallenbädern ist bei Verwendung von Chlorgas zur Desinfektion die Gefahr der Bildung von Chlorat weniger stark ausgeprägt. Calciumhypochlorit als Desinfektionsmittel (Tabletten, Granulat) bildet besonders dann Chlorat, wenn vor Ort hergestellte Lösungen unter ungünstigen Bedingungen gelagert wurden.
Toxikologischer Hintergrund
Die Chlorit/Chlorat-Konzentration im Beckenwasser muss begrenzt werden, weil beide Stoffe die roten Blutkörperchen (Methämoglobin-bildende Stoffe) und die Niere schädigen.
Chlorat lässt sich nicht durch die Wasseraufbereitung aus dem Beckenwasser entfernen. Die Chloratkonzentration kann deshalb nur durch Verdünnung mit Frischwasser in Grenzen gehalten werden.