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Komponentenzerlegung: Treiber energiebedingter THG-Emissionen

Die Entwicklung der THG-Emissionen hängt von vielen Einflussgrößen ab, die sich in ihrer Wirkung summieren oder auch gegenseitig aufheben können. Eine Komponentenzerlegung kann aufzeigen, welche Einflussgrößen in welcher Größenordnung steigernd odermindernd auf den THG-Ausstoß wirken, und erlaubt so einen genaueren Blick auf mögliche strukturelle Verschiebungen innerhalb der Emissionsentwicklung.

Table of contents

Komponentenzerlegung: zur Methode

Allgemein gesprochen kann eine Komponentenzerlegung, auch Dekompositionsanalyse genannt, verwendet werden, um den Beitrag wichtiger Treiber auf die zeitliche Entwicklung einer Variablen von Interesse zu quantifizieren.

Als Treiber gelten dabei definierte Größen, von denen angenommen wird, dass sie einen relevanten Einfluss auf die jährliche Entwicklung und den langfristigen Trend der betrachteten Variable haben. Die Quantifizierung der Treiber erfolgt in der gleichen Einheit, in der die betrachtete Variable gemessen wird. Das hat einen Mehrwert, denn in der Regel werden die treibenden Kräfte hinter einer Entwicklung in anderen Einheiten gemessen und der Anteil, den sie an der Entwicklung haben, ist daher nicht direkt ersichtlich.

Im Rahmen des Forschungsvorhabens „Komponentenzerlegung energiebedingter Treibhausgasemissionen mit dem Fokus auf den Ausbau erneuerbarer Energien“ hat das UBA den positiven Beitrag erneuerbarer Energien zur Emissionsreduktion im Vergleich zu weiteren Treibern mittels der Methode der Komponentenzerlegung von den Auftragnehmern Öko-Institut Berlin und ifeu Heidelberg untersuchen lassen.

Die Komponentenzerlegung erfolgt in zweifacher Art und Weise: Zum einen werden die jährlichen Beiträge der einzelnen Komponenten jeweils gegenüber einem definierten Ausgangsjahr dargestellt, zum anderen wird die jährliche Entwicklung der einzelnen Treiber jeweils gegenüber dem Vorjahr dargestellt. Dabei werden – entsprechend der Konvention im nationalen Treibhausgasinventar – ausschließlich die direkten, territorialbasierten CO₂-Emissionen betrachtet. Somit sind (anders als etwa bei der Emissionsbilanz erneuerbarer Energieträger) die vorgelagerten, teilweise im Ausland entstehenden Emissionen nicht Teil der Betrachtung. Eine weiterführende Erläuterung zur Methodik und eine mathematische Definition der einzelnen Treiber kann dem 3. Teilbericht des Forschungsvorhabens „Komponentenzerlegung energiebedingter Treibhausgasemissionen mit Fokus auf dem Ausbau erneuerbarer Energien“ entnommen werden.

Makroebene: Energiebedingte CO₂-Emissionen

Die Dekomposition auf der Makroebene dient dazu, die Beiträge wesentlicher Treiber an der Veränderung der Emissionen des Sektors Energie in der Abgrenzung des New Format on Reporting (vereinfachend gesprochen: NFR 1, im Folgenden: energiebedingte CO₂-Emissionen) zu quantifizieren. Um die Quantifizierung zu ermöglichen, werden die potenziellen Treiber identifiziert, die definitionsgemäß mit einer Veränderung der energiebedingten CO₂-Emissionen über die Zeit in Zusammenhang stehen und zueinander ins Verhältnis gesetzt. Die im Folgenden benannten Treiber sind berechnete Terme, die im oben genannten Forschungsbericht definiert und erläutert sind. Die Abbildungen zeigen die Anteile, die die Emissionstreiber Bevölkerung, Wirtschaftsentwicklung, Energieintensität, Einfluss erneuerbarer Energien und CO₂-Emissionen pro nicht-erneuerbarem Endenergieverbrauch (EEV) an der Entwicklung der deutschen energiebedingten CO₂-Emissionen haben.

Die wesentlichen Treiber der Reduktion der energiebedingten CO₂-Emissionen sind gemäß Dekompositionsanalyse eine sinkende Energieintensität, sinkende CO₂-Emissionen pro nichterneuerbarem Endenergieverbrauch (EEV) sowie ein zunehmender Anteil erneuerbarer Energien. Der emissionsmindernde Beitrag dieser Treiber übertrifft den emissionserhöhenden Effekt der anderen Treiber. Der stärkste emissionssteigernde Treiber der energiebedingten CO₂-Emissionen ist durchgängig die Wirtschaftsentwicklung.

Im Jahr 2022 wirkte neben einem leichten BIP-Wachstum pro Kopf und einem deutlichen Bevölkerungswachstum insbesondere der Anstieg der CO2-Emissionen pro nicht-erneuerbarem EEV emissionserhöhend. Dazu trugen insbesondere die Abschaltung von drei Kernkraftwerken (Ende 2021), die verstärkte Kohleverstromung und der gestiegene Stromexportüberschuss bei. Dagegen wirkten die Erhöhung des Anteils der erneuerbaren Energien am Energieverbrauch sowie die gesunkene Energieintensität emissionsmindernd. In Bezug auf die gesunkene Energieintensität ist insbesondere der starke Rückgang der energieintensiven Industrie, die gemessen an ihrem Anteil am BIP einen überproportional hohen Anteil des Endenergieverbrauchs auf sich vereint, hervorzuheben. 

2023 hatte auf der einen Seite das leichte Bevölkerungswachstum einen leicht emissionserhöhenden Effekt. Die gesunkenen CO₂-Emissionen pro nichterneuerbarem EEV, die gesunkene Energieintensität, der Einfluss der erneuerbaren Energien sowie die Reduktion des Bruttoinlandsprodukts pro Kopf hatten auf der anderen Seite einen emissionssenkenden Effekt.

Im Jahr 2024 wirkten sich insbesondere die gesunkenen CO2-Emissionen pro nicht-erneuerbarem EEV emissionssenkend aus. Darin spiegelt sich unter anderem ein insgesamt emissionsärmerer Energieträgermix, aber etwa auch der gestiegene Stromimportüberschuss wider. Die geringfügig gestiegene Energieintensität, das leichte Bevölkerungswachstum, der Rückgang des BIP pro Kopf und der Einfluss der erneuerbaren Energien hatten demgegenüber lediglich einen vergleichsweisen geringen Effekt auf die Entwicklung der energiebedingten Emissionen.

Im Jahr 2025 war die Wirkung der betrachteten Treiber vergleichsweise gering ausgeprägt. Emissionserhöhend wirkte insbesondere die gestiegene Energieintensität, wozu auch die Witterung beitrug. Emissionssenkend wirkten vor allem der gestiegene Anteil erneuerbarer Energien am EEV und die etwas geringere CO2-Emissionsintensität des nicht-erneuerbaren EEV. 

CO₂-Emissionen aus der Stromerzeugung

Die meisten energiebedingten CO2-Emissionen werden im Stromsektor freigesetzt. Bei der Komponentenzerlegung im Stromsektor ist es eine besondere Herausforderung, dass der Strommix nicht nur einen fossilen und einen erneuerbaren Anteil enthält, sondern dass zum nicht-fossilen Anteil der Stromerzeugung neben den erneuerbaren Energien bis 2023 auch die Kernenergie zählte. Da hier insbesondere die Wirkungen der erneuerbaren Energien interessieren, werden sie getrennt von der Kernenergie quantifiziert. 
Unter den steigernd oder senkend wirkenden Treibern sind der Rückgang der Kernenergie, die gestiegene Effizienz der fossilen Erzeugung und der Zubau der erneuerbaren Energien diejenigen mit den größten Effekten im Vergleich zum Jahr 1990. Dabei geht der sinkende Anteil der Kernenergie aufgrund der entsprechend entfallenen CO2-Vermeidung mit einem emissionserhöhenden Effekt einher. Die steigende Effizienz der fossilen Erzeugung und der Zubau der erneuerbaren Energien senken die CO2-Emissionen hingegen. Während der Einfluss von Effizienz und Energieverlusten im Zeitraum der jüngsten zehn Jahre in etwa konstant geblieben ist, wurden die Effekte sowohl des Kernenergierückgangs bis 2023 als auch des Zubaus erneuerbarer Energien mit der Zeit deutlich stärker. Die Emissionsintensität (siehe „Fossiler Brennstoffmix“ in der Abbildung), die auch ein Maß für das Einsatzverhältnis von Kohle zu Erdgas bei der Stromerzeugung ist, leistete einen kleinen emissionsmindernden Beitrag. Der Stromaustauschsaldo führte bis 2022 in den meisten Jahren gegenüber 1990 zu einem Anstieg der CO2-Emissionen, da mehr Strom exportiert als importiert wurde und die damit verbundenen Emissionen gemäß internationaler Konvention am Ort der Entstehung in die Bilanz eingehen. Der emissionssteigernde Effekt des Stromverbrauchs ist in den letzten Jahren rückläufig.

Für das Jahr 2022 zeigt sich im Einzelnen insbesondere der emissionssteigernde Effekt der Abschaltung von drei Kernkraftwerken Ende 2021. Aber auch der gestiegene Stromexportüberschuss und der kohleintensivere fossile Brennstoffmix hatten eine emissionserhöhende Wirkung. Emissionsmindernd wirkten sich dagegen der gesunkene Stromverbrauch und die gestiegene Bruttostromerzeugung aus erneuerbaren Energien aus. Wesentliche Treiber hinter der insgesamt rückläufigen Emissionsentwicklung im Jahr 2023 waren der emissionssenkende Einfluss der erneuerbaren Energien, der emissionserhöhende Effekt der Abschaltung der drei verbliebenen Kernkraftwerke, die emissionssenkende Entwicklung von einem Stromexportüberschuss zu einem Stromimportüberschuss und der emissionssenkende Effekt des zurückgegangenen Stromverbrauchs. 

Im Jahr 2024 standen den emissionserhöhenden Effekten der im April 2023 abgeschalteten Kernkraftwerke, die im Jahr 2024 keinen Strom mehr lieferten, und des gegenüber dem Vorjahr gestiegenen Stromverbrauchs mehrere emissionssenkende Treiber gegenüber. Hier sind insbesondere der gestiegene Anteil erneuerbarer Energien am Strommix und der im Vergleich zum Vorjahr gestiegene Stromimportüberschuss zu nennen. 

Im Jahr 2025 war die Wirkung der betrachteten Treiber nur relativ gering ausgeprägt. Auf die insgesamt geringfügig gesunkenen CO2-Emissionen aus der Stromerzeugung hatten insbesondere der leicht gesunkene Stromverbrauch und ein etwas CO2-ärmerer fossiler Brennstoffmix einen emissionssenkenden Effekt. Der rückläufige Stromimportüberschuss hatte dagegen einen emissionserhöhenden Effekt.

CO₂-Emissionen aus der Bereitstellung von Industriewärme

Die Industrie ist nach der Stromerzeugung und dem Straßenverkehr die drittwichtigste Quelle von Treibhausgasemissionen in Deutschland. Eine besondere Bedeutung hat hierbei die Emissionen aus der Wärmeerzeugung. Industrie umfasst dabei das Verarbeitende Gewerbe, Raffinerien sowie Kokereien und die sonstige Herstellung von Brennstoffen. Ebenfalls enthalten sind die Emissionen aus der Wärmeerzeugung in industriellen Kraft-Wärme-Kopplungs-Anlagen (KWK).

Die folgenden Abbildungen zeigen die Anteile, die die Emissionstreiber Wirtschaftsentwicklung, Industrieanteil am Bruttoinlandsprodukt (BIP), Wärmeintensität, erneuerbarer Anteil am Wärmebedarf und fossiler Brennstoffmix zur Veränderung der energiebedingten CO₂-Emissionen der Industriewärme gegenüber 1990 und gegenüber dem Vorjahr haben.

Der mit Abstand stärkste Treiber ist die gesunkene Wärmeintensität. Die Wärmeintensität bildet ab, wieviel Wärme in der Industrie benötigt wird, um eine Einheit Bruttoproduktionswert zu generieren. Wird weniger Wärme benötigt, um den gleichen Wert zu erzielen, ist die Wärmeintensität niedriger und dementsprechend auch die CO2-Emissionen. Fernwärme geht an dieser Stelle nicht in die Berechnung ein, da Fernwärme im Energiewirtschaftssektor verbucht wird. Zu Beginn der 1990er-Jahre hatte hierbei insbesondere der wirtschaftliche Niedergang der in Teilen sehr ineffizienten ostdeutschen Wirtschaftsbereiche einen wichtigen Einfluss.

Der sinkende Industrieanteil am BIP führte in den 1990er-Jahren zu leicht sinkenden Emissionen. Auch in den jüngsten Jahren ist der Industrieanteil am BIP tendenziell zurückgegangen und trug insofern zur Emissionsreduktion bei. Es zeigt sich darüber hinaus, dass im Bereich der Energieträger die relativ gestiegene Bedeutung von Gas bisher eine deutlich größere Emissionsminderungswirkung erzielt hat als der Einsatz erneuerbarer Energien.

Einen merklichen Effekt haben die erneuerbaren Energien erst seit 2003. Dies ist teilweise ein statistisches Artefakt, denn mit der Novelle des Energiestatistikgesetzes 2003 sind die erneuerbaren Energien besser erfasst worden. Im Vergleich des Jahres 2024 mit 1990 sind die emissionssenkenden Treiber (Wärmeintensität, fossiler Brennstoffmix, Industrieanteil am BIP und erneuerbarer Anteil am Wärmebedarf) in Summe größer als der emissionssteigernde Treiber (Wirtschaftsentwicklung), so dass es im Betrachtungszeitraum insgesamt zu einer Senkung der CO₂-Emissionen der Industriewärme gekommen ist.

CO₂-Emissionen der Raumwärme privater Haushalte

Im aktuellen Wohnbestand wird der größte Teil der Energie für Raumwärme, also die Beheizung der Wohnflächen, aufgewendet. Eine Komponentenzerlegung für die Raumwärme in privaten Haushalten berücksichtigt – entsprechend der Konvention des nationalen Treibhausgasinventars – ausschließlich die direkten CO₂-Emissionen. Zur Betrachtung des Witterungseffekts wurde eine Temperaturbereinigung des Endenergieverbrauchs durchgeführt. Die folgenden Abbildungen zeigen die Anteile, die die Emissionstreiber Bevölkerung, Wohnfläche pro Person, spezifischer Endenergieverbrauch für Raumwärme, Witterung, Anteil erneuerbarer Energien und fossiler Brennstoffmix zur Veränderung der direkten CO₂-Emissionen der Raumwärme privater Haushalte gegenüber 1990 und gegenüber dem Vorjahr beitrugen.

Die stärksten Treiber in der jährlichen Betrachtung der Emissionsentwicklung im Bereich der Raumwärme sind die Witterung und der spezifische Endenergieverbrauch der Raumwärme, d.h. der (temperaturbereinigte) Endenergieverbrauch für Raumwärme pro Wohnfläche. Zu Letzterem tragen u.a. strengere energetische Standards bei neuen Wohngebäuden, energetische Sanierungen (zum Beispiel durch Dämmung) von bestehenden Wohngebäuden und Verhaltenseffekte bei. 

Zu den Treibern mit emissionssteigernder Wirkung, die im Vergleich zum Jahr 1990 am bedeutendsten waren, gehört die deutlich gestiegene Wohnfläche pro Person: Im Jahr 1990 standen im Schnitt noch 34,8 m² pro Person zur Verfügung, im Jahr 2024 war der Wert mit 49,2 m² pro Person  etwa 41% höher (siehe auch Rebound-Effekte). Zusätzlich wirkte das leichte Wachstum der Bevölkerung etwas emissionserhöhend.

Im Bereich der Energiebereitstellung sorgten der gestiegene Anteil erneuerbarer Energien und die Emissionsreduktion im fossilen Brennstoffmix zu einer Abnahme der direkten CO₂-Emissionen der Raumwärme. In der Veränderung des fossilen Brennstoffmix ist allerdings auch die erweiterte Nutzung von Fernwärme enthalten, deren Emissionen nicht direkt bei den privaten Haushalten, sondern in der Energiewirtschaft erfasst werden.

CO₂-Emissionen aus der Bereitstellung von Fernwärme

Fernwärme wird in allen stationären Endverbrauchssektoren, also der Industrie, privaten Haushalten und im Sektor Gewerbe, Handel und Dienstleistungen (GHD), genutzt. Die Emissionen der Fernwärmeerzeugung werden im Treibhausgasinventar nicht in den jeweiligen Endverbrauchssektoren, sondern in der Energiewirtschaft bilanziert. Zusätzlich zu der Komponentenzerlegung für die Industriewärme und die Raumwärme wurde daher eine Komponentenzerlegung für die Fernwärme durchgeführt. Die folgenden Abbildungen zeigen die Anteile, die die Emissionstreiber Fernwärmeverbrauch, Netzverluste, Umwandlungseffizienz, Anteil erneuerbarer Energien und der fossile Brennstoffmix zur Veränderung der direkten CO₂-Emissionen der Fernwärmeerzeugung gegenüber 2003 und gegenüber dem Vorjahr beitrugen.

Stärkster emissionsmindernder Treiber im Gesamtzeitraum bis 2003 ist der gestiegene Anteil erneuerbarer Energien. 2024 gab es einen Anstieg des Fernwärmeverbrauchs mit einer entsprechenden emissionserhöhenden Wirkung. Allerdings ist hierbei zu beachten, dass die Fernwärmenachfrage stark witterungsabhängig ist. Von eher untergeordneter Bedeutung und in der Zeitreihe teilweise schwankend sind die Auswirkungen der Veränderung des fossilen Brennstoffmix, der Netzverluste und der Umwandlungseffizienz.

CO₂-Emissionen des Personenstraßenverkehrs

Die Emissionen des Personenverkehrs werden vom motorisierten Individualverkehr (MIV) dominiert. Dies liegt im Wesentlichen daran, dass ca. drei Viertel der in Deutschland zurückgelegten Personenkilometer dem PKW- und Motorradverkehr zugeordnet werden können. Hinzu kommt, dass der MIV einen hohen Energieverbrauch im Vergleich zum öffentlichen Verkehr hat und die Emissionen der Stromerzeugung für den Bahnverkehr nach der Logik des Treibhausgasinventars dem Stromsektor zugeordnet werden. Die Abbildungen in der nachstehenden Galerie zeigen den Einfluss der einzelnen Treiber auf die Entwicklung der Emissionen des MIV. 
Die langfristig (abgesehen von einem ausgeprägten Einbruch während der Corona-Pandemie) gestiegene Beförderungsintensität, also die pro Person und Jahr zurückgelegte Strecke über alle Verkehrsträger, ist im Vergleich zu 1994 der größte emissionssteigernde Treiber, mit deutlichem Abstand gefolgt von der Bevölkerungsentwicklung. Die Energieeffizienz des motorisierten Individualverkehrs hat seit 1994 nahezu kontinuierlich zugenommen. Neben der technischen Verbesserung der Motoren wirken sich hier auch die verstärkte Nachfrage nach schwereren PKW, die die möglichen Effizienzgewinne vermindert, sowie etwaige Änderungen in der Auslastung aus (siehe auch Rebound-Effekte).

Die Einführung der sogenannten Ökosteuer kann am Tankverhalten gut nachvollzogen werden. Bis zum Ende des Jahrtausends wurde in Deutschland ungefähr so viel Kraftstoff abgesetzt wie verbraucht, d.h. es hat sich nicht gelohnt, zum Tanken ins Ausland zu fahren. Nach der Einführung der Ökosteuer ab dem Jahr 2000 kam es zu einer klaren Wende: Obwohl der Energieverbrauch des MIV stieg, wurde weniger Treibstoff in Deutschland verkauft und somit die Emissionen ins Ausland verlagert. Im vergangenen Jahrzehnt hat teilweise wieder eine Rückverlagerung im Vergleich zu 1994 stattgefunden.  
Die Bevölkerungsentwicklung, der fossile Kraftstoffmix und der Anteil des nicht-motorisierten Verkehrs spielten im Betrachtungszeitraum nur eine untergeordnete Rolle bei der Emissionsentwicklung. Der Anteil des öffentlichen Verkehrs am motorisierten Verkehrsaufkommen stagnierte nach Zuwächsen bis 2008 zunächst und stieg im weiteren Verlauf von 2015-19 leicht an. 
Besonders deutlich sind die Auswirkungen der Corona-Pandemie im Ausnahmejahr 2020 ersichtlich. So kam es durch die pandemiebedingten Maßnahmen zu einer deutlichen Reduktion der Beförderungsintensität und zu einer ebenfalls deutlich geringeren Nutzung des öffentlichen Verkehrs. Im Gegensatz zu den vorher beobachteten Trends fielen beide Quoten sogar geringer aus als im Ausgangsjahr 1994. Mittlerweile erreicht der Anteil des öffentlichen Verkehrs ungefähr wieder das Vor-Corona-Niveau.  Auch die Beförderungsintensität steigt seit mehreren Jahren in Folge wieder an, liegt aber bis dato unter dem Vor-Corona-Niveau.

CO₂-Emissionen des Straßengüterverkehrs

Die Emissionen des Güterverkehrs werden vom Güterkraftverkehr, also dem Transport mit schweren und leichten LKW, dominiert. Dies liegt im Wesentlichen daran, dass ca. drei Viertel der in Deutschland zurückgelegten Tonnenkilometer dem LKW zugeordnet werden können. Hinzu kommt, dass der Straßengüterverkehr einen relativ hohen Energieverbrauch pro Tonnenkilometer im Vergleich zum Transport per Bahn oder Binnenschiff aufweist. Außerdem werden die Emissionen der Stromerzeugung für den Bahnverkehr nach der Logik des Treibhausgasinventars dem Stromsektor zugeordnet. Die Abbildungen in der nachstehenden Galerie zeigen den Einfluss der einzelnen Treiber auf die Entwicklung der Emissionen des Straßengüterverkehrs gegenüber 1991 und gegenüber dem Vorjahr.

Von allen untersuchten Sektoren ist der Straßengüterverkehr der einzige, in dem die CO2-Emissionen im Vergleich zu 1991 gestiegen sind. Dieses Emissionswachstum steht insbesondere mit den folgenden drei Treibern in Zusammenhang: mit dem BIP-Wachstum, mit der gestiegenen Transportintensität und mit einer Verlagerung vom Schienen- und Schiffsverkehr zum Straßengüterverkehr. Die Transportintensität, also das Transportaufkommen im Vergleich zum Bruttoinlandsprodukt, ist sowohl gegenüber 1991 als auch gegenüber 2000 gestiegen. Neben der gestiegenen Nachfrage nach Transportdienstleistungen insgesamt (zwischen 1991 und 2024 ein Anstieg um gut 70 Prozent) hat auch der Straßengüterverkehr eine immer wichtigere Rolle am Gesamttransportvolumen eingenommen. Die verbesserte Effizienz der LKW sowie die Einführung von Biokraftstoffen und ersten elektrischen Lieferfahrzeugen konnten die emissionssteigernden Treiber lediglich teilweise ausgleichen.

Die Einführung der sogenannten Ökosteuer und die Verteuerung des Diesels zwischen 1999 und 2003 zeigt sich deutlich im Tankverhalten: Nach 1999 wurde im Vergleich zu den Vorjahren deutlich mehr Kraftstoff in Deutschland verbraucht als getankt. Im Corona-Jahr 2020 weist die Komponentenzerlegung auf einen starken emissionssteigernden Effekt des Tankverhaltens hin, im Folgejahr war eine gegenteilige Entwicklung zu beobachten. Der emissionssenkende Effekt des Tankverhaltens im Vergleich zu 1991 erreichte in letzten beiden Jahrzehnten allerdings nicht mehr die Größe wie Anfang der 2000er Jahre.

Exkurs: Entwicklung der Treibhausgasemissionen im Vergleich zur Entwicklung der erneuerbaren Energien in Deutschland

Betrachtet man die Entwicklung der Treibhausgasemissionen von der Wirtschafts- und Finanzkrise 2008 bis zum Jahr 2017, so lässt sich feststellen, dass die Emissionen zwischen etwa 890 Millionen Tonnen CO₂-Äquivalente und etwa 970 Millionen Tonnen CO₂-Äquivalente schwankten. Im gleichen Zeitraum stieg jedoch der Anteil erneuerbarer Energien am Primärenergieverbrauch über alle Sektoren hinweg von etwa 8 % auf etwa 13 %.

Dieses Beispiel zeigt, dass der steigende Anteil erneuerbarer Energieträger nicht immer mit einem entsprechenden Rückgang der Emissionen einhergeht. Neben der Emissionsvermeidung durch erneuerbare Energieträger müssen für ein Verständnis der Entwicklung der Gesamtemissionen, wie in den oben dargestellten Komponentenzerlegungen gezeigt, weitere relevante Einflussgrößen betrachtet werden, unter denen auch emissionssteigernde Treiber sein können.

Das Diagramm zeigt auf der linken Achse die Entwicklung der gesamten Treibhausgasemissionen (Säulen), auf der rechten Achse den Anteil der erneuerbaren Energien am Primärenergieverbrauch (Linie) für die Jahre 2000-2025. THG-Emissionen und Anteil der erneuerbaren Energien am Primärenergieverbrauch 2000-2025
Source: AGEE-Stat / Umweltbundesamt

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