Bereits aufgetretene und erwartete Klimaänderungen
Die im Jahr 2024 veröffentlichte Studie des Deutschen Wetterdienstes über das „Wetter und Klima im Land Bremen“ fasst das bekannte Wissen über die Entwicklung des Klimas zusammen und gibt einen fundierten Überblick über den Klimawandel:
Im Land Bremen ist das Jahresmittel der Lufttemperatur im Zeitraum von 1881 bis 2023 um 1,6 °C gestiegen. Die aktuelle Klimanormalperiode 1991 bis 2020 ist dabei 1 °C wärmer als die Klima-Referenzperiode von 1961 bis 1990. Bei Betrachtung der Dekaden ist die letzte Dekade von 2011 bis 2020 mit 10,4 °C die bisher wärmste im gegebenen Zeitraum. Die wärmsten Jahre im Land Bremen im Zeitraum von 1881 bis 2023 waren 2014, 2020 und 2023 mit je 11,1 °C, das kälteste Jahr war 1940 mit 7,2 °C. Die fünf wärmsten Jahre liegen innerhalb der letzten Dekade. Mit Ausnahme des Jahres 2010 waren alle Jahresmitteltemperaturen seit 2000 deutlich höher als in der Klima-Referenzperiode von 1961 bis 1990.
Modellberechnungen für die Zukunft zeigen, dass die Temperatur in der Region Bremen-Bremerhaven weiter steigen wird (siehe Tabelle und Abbildung auf dieser Seite). Für den kurzfristigen Planungshorizont (2031 – 2060) beträgt dieser Anstieg im Mittel für das Klimaschutzszenario (RCP2.6) 1,1 °C und für das Hochemissionsszenario (RCP8.5) 1,9 °C gegenüber der Periode 1971 – 2000. Für den langfristigen Planungshorizont (2071 – 2100) ist die Temperaturentwicklung stark von dem gewählten Szenario abhängig. Bei dem Klimaschutzszenario wird eine Temperaturerhöhung von 1,1 °C im Mittel erwartet. Dieser Wert kann nur durch eine zeitnahe starke Reduktion der Treibhausgasemissionen erreicht werden. Bei dem Hochemissionsszenario kann die Temperatur im Mittel um 3,5 °C ansteigen.
Das jährliche Niederschlagsgebietsmittel vom Land Bremen für die aktuelle Klimanormalperiode 1991 – 2020 beträgt 737 l/m², wobei im trockensten Jahr 1959 nur 438 l/m² gefallen sind. Im nassesten Jahr 2023 waren es 1 076 l/m². Seit 1881 hat die Niederschlagsmenge um 94 l/m² pro Jahr zugenommen. Nichtsdestotrotz gibt es immer mal wieder außergewöhnlich niederschlagsarme Jahre wie zuletzt 2018 mit einer Jahresmenge von 493 l/m², das zweittrockenste Jahr seit Beginn der Messungen
Auch wenn der Jahresniederschlag im Land Bremen insgesamt leicht zugenommen hat, so ist diese Zunahme nicht in allen Jahreszeiten gleichermaßen zu beobachten. Während der Frühling seit 1961 eher trockener und der Winter feuchter geworden ist, haben sich die Niederschlagsmengen im Sommer und Herbst nicht eindeutig verändert
Eine deutliche Änderung der jährlichen Niederschlagsmenge ist in Zukunft in der Region Bremen-Bremerhaven nicht zu erwarten. Für den kurzfristigen Planungshorizont (2031 – 2060) wird ein mittlerer Anstieg der Jahresmenge von 4 – 5 % im Vergleich zu 1971 – 2000 erwartet. Der Unterschied zwischen den Szenarien RCP2.6 und RCP8.5 ist gering.
Bei dem langfristigen Planungshorizont (2071 – 2100) wird bei dem Klimaschutzszenario keine Änderung des Niederschlags erwartet. Bei dem Hochemissionsszenario (RCP8.5) ist die Spannweite deutlich größer. Im Mittel wurde ein leichter Anstieg des Niederschlags um 8 % berechnet.
Bereits beobachtete und erwartete Klimafolgen
Die Analyse der regionalen Vulnerabilität wurde zum einen im Rahmen des Projekts nordwest2050 angestellt. Zum anderen finden sich Analysen verschiedener Handlungsbereiche im Fachkonzept Klimawandel in Bremen sowie funktionaler Betroffenheiten und Verwundbarkeiten in der Anpassungsstrategie an die Folgen des Klimawandels.
Die Ergebnisse der Klimarisikoanalyse 2024 wurden in fünf verschiedene Handlungsfelder unterteilt:
- Infrastruktur: Die Infrastruktur ist in vielfacher Hinsicht von den Auswirkungen des Klimawandels betroffen. Das Aufheizen von öffentlichen Freiflächen führt dazu, dass diese in Hitzeperioden nur eingeschränkt nutzbar sind. Dies verringert die Attraktivität urbaner Räume und beeinträchtigt die Aufenthaltsqualität in den Innenstädten. Veränderte Grundwasserstände und Bodensetzungen können zu Bauschäden führen. Bei der Verkehrsinfrastruktur kann es u. a. im Zusammenhang mit der saisonalen Verschiebung der klimatischen Wasserbilanz und der damit einhergehenden Trockenheit zu Schäden an Verkehrsflächen durch hochwachsende Baumwurzeln oder Böschungsbrände kommen. Zudem kann es bei Starkregen zur Überflutung von Unterführungen kommen, was Auswirkungen auf die Funktionsfähigkeit der Notfallversorgung mit sich bringt. Starkregen kann zusätzlich zu einer Überlastung des Kanalnetzes führen.
- Wirtschaft: In Hitzeperioden kann es durch sinkende Konzentrations- und Leistungsfähigkeit zu einem Rückgang der Produktionsleistung kommen sowie zu logistischen Herausforderungen und einem erhöhten Kühlbedarf von Waren. Zudem können durch Extremwetterereignisse Engpässe bei der Verfügbarkeit von Rohstoffen und Zwischenprodukten auftreten, Hafenschäden entstehen und auch Freizeitangebote beeinträchtigt werden
- Gesundheit: Durch den kontinuierlichen Temperaturanstieg und insbesondere Hitzeextreme wird die menschliche Gesundheit auf unterschiedliche Weise gefährdet. Zunehmende Herz- und Kreislaufbelastung wurden bereits in der Klimaanpassungsstrategie 2018 thematisiert und werden weiterhin als sehr relevantes Klimarisiko gesehen. Der Klimawandel kann zur Erhöhung von sozialen Ungleichheiten führen im Zusammenhang eines fehlenden Zugangs zu kühlen und grünen Orten in manchen Stadtteilen. Neben Risiken durch Hitze, spielen auch Extremwetterereignisse wie Starkregen, Flusshochwasser oder Sturm eine bedeutende Rolle für die Gesundheit. Diese haben direkte Auswirkungen für Menschen und belasten gleichzeitig die Gesundheitsinfrastruktur und den Katastrophenschutz
- Land und Landwirtschaft: Der Klimawandel hat weitreichende Auswirkungen auf Böden, die biologische Vielfalt, die Land- und Forstwirtschaft und das Stadtgrün. Der Temperaturanstieg führt zu einem Verlust der Artenvielfalt und Biodiversität sowie einer Verschiebung von Arealen. Insbesondere Hitze und Trockenheit führen zunehmend zu Pflanzen-, Baumkrankheiten und Vegetationsschäden. Die Beschädigungen und der Verlust von Bäumen, insbesondere Altbaumbeständen, wurde bereits in der Klimaanpassungsstrategie 2018 thematisiert und wird weiterhin als ein besonders hohes Risiko bewertet. Durch die neue Benennung von Folgeschäden, wie der Minderung von Ökosystemdienstleistungen oder dem Verlust von zusammenhängenden Grünstrukturen, wurde diesem Klimarisiko noch mehr Gewicht gegeben. Des Weiteren stellen der Verlust der Artenvielfalt, die Ausbreitung invasiver Tierarten und die Veränderung der Bodenfunktionen sehr hohe Klimarisiken dar.
- Wasser: In Bezug auf Wasser ist die Verschlechterung der Gewässergüte und des Gewässerzustandes ein hohes Risiko. Neu ist die hohe Risikobewertung bezüglich der Austrocknung von Oberflächengewässern, die Zunahme von Niedrigwasser und eine verfrühte Algenbildung durch ein früheres Auftreten höherer Temperaturen. Auch die Risiken durch jahreszeitliche Schwankungen des Grundwassers wurden als hoch bewertet. In Bremerhaven stellt die Versalzung ein weiteres Risiko für das Grundwasser dar. Für das Land Bremen stellt die Gefährdung durch den Meeresspiegelanstieg und insbesondere Sturmfluten ein hohes Risiko dar.