Regionale Anpassung im Saarland

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Bundesland Saarland
Quelle: KomPass / UBA

Viele Anpassungsmaßnahmen müssen lokal umgesetzt werden. Länder und Kommunen spielen daher eine besondere Rolle bei der Anpassung an den Klimawandel. Welche Strategien und Maßahmen das Saarland bei der Klimaanpassung verfolgt, können Sie auf dieser Seite nachlesen.

Politischer Rahmen und gesetzliche Anforderungen

Die Erstfassung des Klimaschutzkonzepts für das Saarland (Juli 2024) beinhaltet auch die thematische Aufbereitung der Auswirkungen des Klimawandels auf das Saarland (Kapitel 3.9) sowie einen umfassenden Maßnahmenkatalog mit 17 Maßnahmenbündeln zur Anpassung an die Folgen des Klimawandels (Kapitel 8):

  • Maßnahmen zur Anpassung der Landesliegenschaften an den ⁠Klimawandel
  • Unterstützung der Kommunen bei der ⁠Anpassung an den Klimawandel
  • Unterstützung von Privatpersonen und Wirtschaftsunternehmen bei der Anpassung an die Folgen des Klimawandels

Darüber hinaus ist in 2024 ein "Aktionsplan zum Schutz der Menschen im Saarland vor Hitze" veröffentlich worden, der Hilfe im Umgang mit Hitzewellen bietet.

Saarländisches Klimaschutzkonzept 2008 – 2013, S. 213-221

Das Saarland führt gemäß § 7 SKSG ein Monitoringsystem auf Basis quantitativer und qualitativer Erhebungen zu der Überprüfung des Erreichens der Ziele nach § 4 und § 10 Absatz 3 sowie zu der Umsetzung der Strategien und Maßnahmen nach § 6 Absatz 2 Nummer 1 bis 3 ein, welches einen Monitoringbericht im 2-Jahres-Rhythmus vorsieht. Gemäß § 7 (2) SKSG ist hierbei auch der Umsetzungsstand wichtiger Strategien und Maßnahmen in den Bereichen ⁠Klimaschutz⁠ und Klimaanpassung zu berücksichtigen.

Grundlage bildet das Saarländische Klimaschutzgesetz (SKSG), in welchem in § 4 (3) auch Ziele zur Klimaanpassung formuliert sind: Die negativen Auswirkungen des Klimawandels sollen durch handlungsfeldspezifische und auf die jeweilige Region abgestimmte Anpassungsmaßnahmen begrenzt werden. Eine weitere Konkretisierung hinsichtlich der zu berücksichtigenden Handlungsfelder erfolgt in § 5 (2): Bei der Umsetzung von Klimaanpassungsmaßnahmen kommt den Handlungsfeldern menschliche Gesundheit, Bauwesen, Wasserhaushalt sowie Wasserwirtschaft, Boden, biologische Vielfalt, Land- und Forstwirtschaft sowie Verkehr und Verkehrsinfrastruktur eine besondere Bedeutung zu. Der Katastrophenschutz ist in angemessenem Umfang zu berücksichtigen. Wesentliches Instrument zur Erfüllung der Zielsetzungen ist das in § 6 (1) benannte Klimaschutzkonzept, welches im Frühjahr 2025 verabschiedet werden soll: Die Landesregierung erstellt unter Beteiligung der Öffentlichkeit ein Konzept zu den wesentlichen Klimaschutzstrategien und -maßnahmen sowie zu den wesentlichen Klimaanpassungsmaßnahmen zur Erreichung der Ziele nach § 4 (Klimaschutzkonzept). Mit der Konzepterstellung wird unmittelbar nach Inkrafttreten des SKSG begonnen. Das Konzept wird spätestens alle vier Jahre auf Grundlage der Monitoringberichte nach § 7 fortgeschrieben.

Länderspezifische Anpassungsmaßnahmen

Schutz der Wälder:

Oberstes Ziel ist der Walderhalt und die Wiederherstellung der Ökosystemleistung nachhaltig bewirtschafteter multifunktionaler Wälder sowie die ⁠Anpassungsfähigkeit⁠ und Widerstandsfähigkeit (⁠Resilienz⁠) der Wälder zu fördern. Der ökologische Waldumbau, die Wälder sukzessive zu mehrstufigen Mischwäldern umzubauen, die sich in der Baumartenzusammensetzung, Dynamik und Struktur an natürlichen Waldgesellschaften orientieren, ist die Grundlage unserer Arbeit.
Im Staatswald des Saarlandes werden seit 1988 Nadelbaumreinbestände konsequent in baumartenreiche standortheimische Mischwälder umgebaut. Ein möglichst breites Baumartenspektrum erhöht die Chance, dass sich die Waldvegetation durch Differenzierung an sich verändernden Klimabedingungen anpassen wird.

Die natürliche Verjüngung heimischer Baumarten hat Vorrang vor Pflanzungen. Angestrebt werden möglichst hohe Anteile von Schlusswaldbaumarten in Gemeinschaft mit Pionierbaumarten wie Birke, Aspe oder Vogelbeere und weiteren. Favorisierte Baumarten für einen klimaflexibleren Wald sind Eiche, Esskastanie, die im Verbund mit anderen Baumarten wie Weißtanne, Bergahorn, Hainbuche und Erle, um nur einige zu nennen, am Umbau beteiligt sind.
Der Waldumbau hin zum klimaresilienten Wald (und seinen weiteren Funktionen), ist im Saarland auf einem guten Weg und ein wichtiger Beitrag der saarländischen Waldwirtschaft zum Erhalt der Kohlenstoff-Senke Wald im Kampf gegen den ⁠Klimawandel⁠. Die drei aktuellen Publikationen zeigen konkret den weiteren Weg im Waldumbau auf. Ein ökologisch hochwertiger Wald ist unserer Meinung nach auch ein hochwertiger klimaresilienter Wald.

Starkregenvorsorge:

Das saarländische Projekt SER-SL (⁠Starkregen⁠- und Erosionsgefahrenkarten für das Saarland) der HTW, der Universität des Saarlandes und des MUKMAV hat zum Ziel, Starkregengefahrenkarten und ereignisbasierte Erosionsgefahrenkarten für das gesamte Saarland zu erstellen. Angesichts des Klimawandels, der zu häufigerem und intensivem Starkregen führt, sollen diese Karten eine fundierte Informationsbasis bieten, um Risiken durch Überflutungen und starkregenereignis-bedingte ⁠Erosion⁠ besser zu verstehen und geeignete Anpassungsmaßnahmen zu entwickeln. Durch die zukünftige Bereitstellung detaillierter Daten unterstützt das Projekt sowohl Behörden als auch die Öffentlichkeit dabei, präventive Maßnahmen zu ergreifen und die ⁠Resilienz⁠ gegenüber klimabedingten Extremwetterereignissen zu erhöhen.

Lokale Maßnahmen

  • Hochwasser-/ Starkregenbereich: Zahlreiche lokale Maßnahmen durch sukzessive Umsetzung der kommunalen Hochwasser- / und Starkregenvorsorgekonzepte aktuell und in den kommenden Jahren
  • KAN-T – Schaffung eines KlimaAnpassungsNetzwerks in der Gemeinde Tholey zum proaktiven Umgang mit den Folgen des Klimawandels: Das Projekt KAN-T unterstützte die Gemeinde Tholey aktiv dabei, mögliche Folgen und potenzielle Gefahren des Klimawandels zu identifizieren. Hierauf aufbauend wurden vorbeugende Maßnahmen zur ⁠Anpassung an den Klimawandel⁠ ausgearbeitet und umgesetzt. Den Kern des Projekts bildete das 2019 gegründete KlimaAnpassungsNetzwerk Tholey, das sich aus verschiedensten Akteuren (u. a. Kommune, Landkreis, Ingenieur- & Planungsbüros, Wasserversorgung, Feuerwehr, ⁠THW⁠, Natur-Zweckverband, Handwerksbetriebe, Landwirtschaft) zusammensetzt und bei Bedarf erweitert werden kann. Es versteht sich als Ideenschmiede und Impulsgeber und unterstützt die Entwicklung und die Umsetzung der ⁠Anpassungsstrategie⁠ Tholeys sowie die Information und Sensibilisierung der Bürger*innen. Gemeinsam mit der Gemeinde Tholey und dem Landkreis St. Wendel wurden insbesondere die drei Handlungsfelder Wasser, Bauwesen und kommunale Planung adressiert. (weitere Informationen unter Klimafolgen Tholey)
  • KAN-T II: KlimaAnpassungsNetzwerk Gemeinde Tholey: Im Rahmen des Projekts KAN-T II wurde die Gemeinde Tholey bei der nachhaltigen Verankerung der Klimaanpassungsstrategie begleitet. Bereits erarbeitete Maßnahmen und Aktivitäten wurden durch vertieft und nachhaltig etabliert. Außerdem unterstützte das Projekt die Ausweitung der Anpassungsaktivitäten auf den Landkreis St. Wendel. (weitere Informationen unter Klimafolgen Tholey)
  • STARK: Saarlouis klimafit – Strategien und Anpassungsmaßnahmen zur Erhöhung der Resilienz gegenüber den Folgen des Klimawandels in der Kreisstadt Saarlouis: Das Projekt STARK unterstützte die Kreisstadt Saarlouis in ihrem Vorhaben, sich selbst und ihre Einwohner*innen vor den Folgen des Klimawandels zu schützen. Hierfür wurden durch das Projektkonsortium, gemeinsam mit der Stadtverwaltung und weiteren relevanten Akteuren Strategien und Anpassungsmaßnahmen entwickelt, durch die sich die Resilienz insbesondere gegenüber Hitze und ⁠Starkregen⁠ erhöhen lässt. Die Gemeinde Nalbach wurde als Transferkommune eingebunden. (weitere Informationen unter STARK - Saarlouis klimafit)
  • ADAPT: Überhitzung und Hitzestress – Abminderungs- und Anpassungsstrategien: Im Rahmen des Interreg Projekts auf Ebene der Großregion betreut die IZES gGmbH den Landkreis St. Wendel als Modellregion für ein Hitze-Monitoringsystem in sozialen Einrichtungen. Zusätzlich werden Maßnahmen zur kurz-, mittel- und langfristigen Hitzeanpassung für soziale Einrichtungen im Landkreis St. Wendel entwickelt und die Projektergebnisse in das politische und administrative Handeln auf lokaler, regionaler und nationaler Ebene sowie in der Großregion integriert. Das übergeordnete Ziel des Interreg Projekts auf Ebene der Großregion besteht darin, Neu- und Umbau von Gebäuden klimagerecht zu planen und auszuführen, gesundheitsgefährdende Raumklimata in Bestandsgebäuden zu vermeiden und effektive Maßnahmen zur akuten Gefahrenabwehr während Hitzewellen zu entwickeln und umzusetzen. Das Konsortium besteht aus sieben finanziellen Partnern und 15 strategischen Partnern aus allen Ländern der Großregion. (weitere Informationen unter ADAPT Project)
  • Regionalverband Saarbrücken: Gesund bei Hitze im Quartier
  • internationale und nationale Hochwasserpartnerschaften

Anpassungsstrategien und -konzepte einzelner Kommunen:

Beispiele für ⁠Stakeholder⁠-Beteiligung:

  • Anpassungsfeld Hochwasser-/Starkregen: Förderung der Erstellung kommunaler Hochwasser- und Starkregenvorsorgekonzepte incl. intensiver Stakeholder-Beteilung als Fördervoraussetzung.
  • Im Rahmen des Projekts ADAPT dient der Landkreis St. Wendel als Modellregion für ein Hitze-Monitoringsystem in sozialen Einrichtungen. Dies beinhaltet den Aufbau und die Anwendung des Monitoringsystems und einer Warn-App in Einrichtungen des Gesundheits- und Bildungssektors sowie die Schulung der Mitarbeitenden bzw. der Nutzer*innen. Die relevanten Akteure des Gesundheits- und Bildungssektors werden durch zielgruppenspezifische Beteiligungsformate aktiv in die Projektentwicklung einbezogen.

Stand der Maßnahmenumsetzung

Im Anpassungsfeld Hochwasser-⁠Starkregen⁠ erfolgt regelmäßig eine Überprüfung des Umsetzungsstandes im Rahmen der Aktualisierung des saarländischen Hochwasserrisikomanagementplanes. 

EU und internationale Kooperation

  • Im Anpassungsfeld Hochwasser-⁠Starkregen⁠ erfolgt in den internationalen Flussgebietskommissionen IKSR und IKSMS ein regelmäßiger Austausch, die Abstimmung und internationale Zusammenarbeit der Mitgliedsstaaten der jeweiligen Einzugsgebiete.
  • Das übergeordnete Ziel des Interreg Projekts ADAPT auf Ebene der Großregion besteht darin, Neu- und Umbau von Gebäuden klimagerecht zu planen und auszuführen, gesundheitsgefährdende Raumklimata in Bestandsgebäuden zu vermeiden und effektive Maßnahmen zur akuten Gefahrenabwehr während Hitzewellen zu entwickeln und umzusetzen. Das Konsortium besteht aus sieben finanziellen Partnern und 15 strategischen Partnern aus allen Ländern der Großregion.

Wichtige Institutionen und Ansprechpersonen

  • Ministerium für Umwelt, ⁠Klima⁠, Mobilität, Agrar und Verbraucherschutz des Saarlandes, Referat C/5,  Koordinierungsstelle für ⁠Klimaschutz⁠, Klimaanpassung und Elektromobilität, E-Mail: Referat_C5 [at] umwelt [dot] saarland [dot] de
  • Ministerium für Arbeit, Soziales, Frauen und Gesundheit, Hitzeschutzbeauftragter des Ministeriums, E-Mail: t [dot] schreiner [at] soziales [dot] saarland [dot] de
  • Institut für Zukunftsenergie- und Stoffstromsysteme gGmbH (IZES), E-Mail: izes [at] izes [dot] de