Regionale Klimafolgen in Schleswig-Holstein

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Bundesland Schleswig-Holstein
Quelle: KomPass / UBA

Die Folgen des Klimawandels sind nicht überall gleich. Daher lohnt es sich, sie kleinräumiger auf Ebene der Bundesländer zu betrachten. Welche Auswirkungen des Klimawandels in Schleswig-Holstein zu erwarten sind, erfahren Sie auf dieser Seite.

Inhaltsverzeichnis

 

LÄNDERSPEZIFISCHE KLIMAÄNDERUNGEN

 

Bereits aufgetretene und erwartete Klimaänderungen

Im Klimareport Schleswig-Holstein, der 2023 in enger Zusammenarbeit des Deutschen Wetterdienstes (⁠DWD⁠) mit dem Landesamt für Umwelt des Landes Schleswig-Holstein (LfU), der Nordwestdeutschen Forstlichen Versuchsanstalt (NW-FVA) und dem Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) aktualisiert worden ist, sind die bisher aufgetretenen und die zu erwartenden Entwicklungen des Klimas für Schleswig-Holstein zusammengefasst.

Die bisherigen Entwicklungen zeigen, dass sich Schleswig-Holstein im Zuge des Klimawandels in den letzten Jahrzehnten bereits deutlich erwärmt hat: Die Jahresdurchschnittstemperatur ist seit 1881 bis heute um etwa 1,6 °C angestiegen. Auch das Auftreten bestimmter Temperaturkenntage hat sich in Schleswig-Holstein verändert: So hat zum Beispiel die Anzahl der Sommertage (mit einer maximalen Tagestemperatur >25 °C) und der heißen Tage (mit einer maximalen Tagestemperatur >30 °C) zugenommen, während Frost- und Eistage (mit einer minimalen beziehungsweise maximalen Tagestemperatur <0 °C) seltener geworden sind.

Die jährlichen Niederschläge unterliegen in Schleswig-Holstein deutlichen Schwankungen: Seit 1881 zeigt sich jedoch in allen Jahreszeiten ein steigender Trend in der Niederschlagsmenge, wobei im Winter die höchste und im Sommer die geringste Zunahme zu verzeichnen ist.

Wie im Generalplan Küstenschutz des Landes Schleswig-Holstein (Fortschreibung 2022) dargestellt, stieg der mittlere Meeresspiegel an der schleswig-holsteinischen Nordseeküste von 1900 bis 2015 um etwa 1,9 mm/J bzw. insgesamt um etwa 22 cm an. An der Ostseeküste von Schleswig-Holstein betrug der Anstieg 1,6 mm/J bzw. insgesamt 19 cm. Über die letzten Jahrzehnte lagen die mittleren Anstiegsraten bei 3,2 mm/J (Nordsee) bzw. 3,4 mm/J (Ostsee) und haben sich damit deutlich beschleunigt. Während die Sturmflutwasserstände an der Ostseeküste sich über diesen Zeitraum nicht wesentlich veränderten, nahmen sie an der deutschen Nordseeküste insbesondere in der zweiten Hälfte des letzten Jahrhunderts deutlich zu.

Durch Klimaprojektionen können Aussagen zur zukünftigen Entwicklung des Klimas getroffen werden. Für Schleswig-Holstein zeigen die Klimaprojektionen einen weiteren Anstieg der Jahresmitteltemperatur bis zum Ende des Jahrhunderts. Mit der Temperaturzunahme wird eine markante Zunahme der mit hohen Temperaturen verbundenen Temperaturextreme erwartet. Damit steigt auch die Wahrscheinlichkeit von Hitzewellen. Mit tiefen Temperaturen verbundene Extreme werden hingegen abnehmen. Die Jahresniederschläge könnten laut Klimaprojektionen in Schleswig-Holstein bis zum Ende des Jahrhunderts um ungefähr 10 % ansteigen. Dabei könnte sich der schon heute erkennbare Trend von einer Zunahme der Winterniederschläge fortsetzen.

Hinsichtlich des künftig zu erwartenden Meeresspiegelanstiegs projiziert das ⁠UNO⁠-Klimagremium ⁠IPCC⁠ in seinem Bericht aus dem Jahre 2021 eine weitere deutliche Beschleunigung des Meeresspiegelanstiegs im Vergleich zum letzten Jahrhundert; die aktuellen Projektionswerte liegen je nach ⁠Szenario⁠, wie die Gesellschaft sich im Sinne von ⁠Klimaschutz⁠ verhält, zwischen etwa 0,3 und 1,0 Meter. Nach ⁠IPCC⁠ könnten sich diese Werte weiter erhöhen, wenn die Landeiskappen auf Grönland und in der Antarktis instabil werden.

 

LÄNDERSPEZIFISCHE KLIMAFOLGEN UND VULNERABILITÄT

 

Bereits beobachtete und erwartete Klimafolgen

Damit Klimaveränderungen und deren Folgen frühzeitig erkannt werden können, wurde ein Klimawandelfolgenmonitoring mit acht Indikatoren für Schleswig-Holstein erarbeitet. Die Auswertung der phänologischen Veränderungen bei Wildpflanzen macht sichtbar, dass sich die mittlere Dauer des Winters und des Spätsommers in den letzten Jahrzehnten verkürzt hat, während die anderen phänologischen Phasen in ihrer Zeitspanne konstant geblieben sind oder sich verlängert haben. Auch hat sich die Dauer der landwirtschaftlichen ⁠Vegetationsperiode⁠ nachweisbar verlängert. Der ⁠Indikator⁠ zum Grundwasser deutet auf eine Zunahme von niedrigen Grundwasserständen hin. Gleichzeitig lassen sich im halbjährlich gemittelten ⁠Abfluss⁠ sowie Hoch- und Niedrigwasser in Schleswig-Holstein noch keine ausgeprägten Trends erkennen.

 

Wichtige Studien und Projekte

Bis Ende 2025 sollen die zentralen Auswirkungen des Klimawandels (unter anderem durch Hitze, ⁠Dürre⁠ oder ⁠Starkregen⁠) in einer Klimarisikoanalyse spezifisch für Schleswig-Holstein betrachtet werden. Hierbei soll festgestellt werden, wo die am stärksten gefährdeten Gebiete im Land liegen und was/wer am stärksten betroffen ist. Damit soll eine regionalspezifische Entscheidungsgrundlage geschaffen werden, um Handlungsbedarfe zu erkennen, Handlungsoptionen zu priorisieren und in einem Gesamtkonzept zusammenhängende Maßnahmen zur Klimaanpassung in Schleswig-Holstein festzulegen.