Anpassung gegenüber abiotischen Stressoren
Im Handlungsfeld Landwirtschaft (Bereich Pflanzenbau) können Anpassungsaktivitäten an der Art der Bodenbearbeitung und -behandlung, an der Bewässerung, der Wahl der Pflanzensorten sowie dem Frostschutz ansetzen. Zudem sind technische Maßnahmen relevant, die Wettervorhersagen und Warnsysteme verbessern und die es den Landwirt*innen ermöglichen, sich rechtzeitig auf Wetterveränderungen und Extremereignisse einzustellen und Schutzmaßnahmen einzuleiten.
Hitze
Hinsichtlich des zunehmenden Hitzestresses in den Sommermonaten können frühe Getreidesorten verwendet werden, wobei jedoch aufgrund der im früheren Stadium der Vegetationsperiode geringeren Strahlung negative Effekte auf die Kornerträge zu erwarten sind. Die Klimaveränderungen erlauben zudem die Einführung von Fruchtarten, die bislang in Deutschland kaum angebaut wurden. Besonders geeignet sind bestimmte Maissorten, Hirse und weitere wärmeliebende Arten, die Wasser effektiv nutzen. So hat sich beispielsweise der Anbau von Sojabohnen in den letzten Jahren in Deutschland deutlich ausgeweitet.
Frost
Im Acker-, Obst- und Weinbau kommen gegen Spätfrostgefahr verschiedene Maßnahmen zur Anwendung. Generell sollte der Anbau in Frostlagen (z. B. Tallagen, Senken) gemieden werden und eine an dem jeweiligen Standort angepasste Sortenwahl (Winterfestigkeit) getroffen werden. Im Ackerbau können zur Vermeidung von Kahlfrostschäden winterhärtere Sorten oder gar Kulturen (z. B. Roggen) angebaut werden. Im Obstbau hat sich die Frostschutzberegnung als effektive Maßnahme erwiesen. So sind an der Niederelbe bei Hamburg ca. 75 % des Obstanbaugebietes mit Frostschutzberegnung ausgestattet. Hierbei werden Obstbäume durch kontinuierliche Beregnung während des Frosts vereist. Die beim Gefrieren des Wassers freiwerdende Wärmeenergie verhindert, dass die Blüten erfrieren. Bei der Beregnung zu bedenken ist der hohe Wasser- und Energieverbrauch, die Bereitstellung eines ausreichenden Wasservorrats sowie die Gefahr der Vernässung von Böden. Im Weinbau können zur Minderung der Spätfrostgefahr Windräder und Windmaschinen zur Durchmischung kalter und warmer Luftschichten eingesetzt werden. Hier können zudem Frostkerzen in den Rebzeilen zum Einsatz kommen, die durch die erzeugte Wärme bei günstigen Windverhältnissen das Spätfrostrisiko ebenfalls reduzieren können.
Trockenheit
Um den negativen Auswirkungen von Trockenstress entgegenzuwirken, kommen in der Landwirtschaft in erster Linie eine wassersparende und standortangepasste Bodenbearbeitung, Bewässerungsmaßnahmen und die Sortenwahl zum Einsatz. Der Pflugverzicht bzw. eine konservierende Bodenbearbeitung, der Anbau von wechselnden Pflanzenarten (Fruchtfolge) und Zwischenfrüchten, die Förderung des Humusaufbaus sowie eine ganzjährige Bodenbedeckung durch Untersaaten oder durch eine Mulchschicht können die Verdunstung von Wasser aus dem Boden reduzieren. Zudem haben diese Maßnahmen weitere positive Wirkungen: eine Steigerung der Bodenfruchtbarkeit, eine Reduzierung der Erosionsgefahr durch Wind und Wasser sowie der Nitratbelastung des Grundwassers durch die Bindung von überschüssigem Stickstoff. Die Bewässerung kann bei zunehmenden Trockenperioden eine wirksame Anpassungsmaßnahme darstellen, um künftig den Feldauflauf der Kulturpflanzen sowie die Ertragshöhe und die Qualität der Ernteprodukte zu sichern. In einigen Regionen Deutschlands ist ein wirtschaftlicher Anbau von Kartoffeln, Obst, Gemüse und einiger Sonderkulturen ohne Bewässerung künftig weitgehend nicht mehr möglich. Bei der Bewässerung sollten wassersparende und nach der Bodenfeuchte gesteuerte Bewässerungsverfahren mit hoher Wassernutzungseffizienz zum Einsatz kommen, z. B. die Tröpfchenbewässerung. Das benötigte Zusatzwasser kann durch Entnahme aus Grund- bzw. Oberflächenwasser, Wasserspeichern oder Wasserüberleitungen verfügbar gemacht werden. Die Entnahme von Beregnungswasser aus Grund- und Oberflächenwasser ist in Deutschland rechtlich im Wasserhaushaltsgesetz und entsprechenden Verordnungen der Länder geregelt. Angesichts der Sensitivität von Pflanzen gegenüber der Kombination aus Hitze und Trockenheit ist anzunehmen, dass die Bedeutung der Bewässerung in der Landwirtschaft im Zuge des Klimawandels in Deutschland zunimmt. Sowohl die EU als auch der Bund fördern Bewässerungsinfrastrukturen in der Landwirtschaft, z.B. auf europäischer Ebene der Europäische Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raumes (ELER) und in Deutschland über die Gemeinschaftsaufgabe „Verbesserung der Agrarstruktur und des Küstenschutzes“ (GAK). Bewässerungsmaßnahmen sollten, wenn möglich, nur in den Gebieten mit einem ausreichenden Zusatzwasserdargebot gefördert werden und sich dort aus Gründen einer ressourcenschonenden Wassernutzung auf wassersparende bzw. effizienzsteigernde Bewässerungsmaßnahmen konzentrieren.
Auch die Auswahl des Saatguts sollte an die Klimaveränderungen angepasst werden. Vor allem Sorten, die weniger anfällig gegen Trocken- und Hitzestress sind und sich als robust gegenüber Schadorganismen erweisen, sind geeignet, dem Klimawandel effektiv zu begegnen. Generell können ein vielfältiger Sortenanbau und der Einsatz robuster Sorten und Kulturarten das Risiko von Ernteausfällen reduzieren.
Dauer- und Starkniederschlag
Gegenüber den Stressfaktoren Nässe, Dauer- und Starkniederschlag sollten im Acker-, Obst-, Wein- und Gartenbau als vorsorgende Maßnahmen Standorte mit Wasser stauenden Bodenschichten gemieden werden. Dies gilt auch für die Wahl von staunässeempfindlichen Sorten. Die überwiegend bei zur Vernässung neigenden Flächen eingesetzten Maßnahmen sind Entwässerungsverfahren, die unter- sowie oberirdisch, als Drainage oder Grabenentwässerung sowie frei oder reguliert erfolgen kann. Als kulturtechnische Maßnahme können eine Bodenbedeckung bzw. eine Begrünung in Steillagen zur Minderung des Erosionsrisikos beitragen. Eine angepasste Bodenbearbeitung sowie Breitbereifungen von landwirtschaftlichen Maschinen helfen Bodenverdichtungen zu vermeiden. Als Managementmaßnahme kommt im Obst-, Wein- und Gartenbau der Abschluss bzw. die Förderung einer Versicherung gegen Starkregen in Frage.
Hagel
In Regionen, in denen recht häufig Hagelereignisse auftreten (z. B. Süddeutschland), kommen im Obst- und Weinbau als gängige Anpassungsmaßnahme Hagelschutznetze zum Einsatz. Die Maßnahme ist kostenintensiv, hat aber einen hohen Wirkungsgrad und einen Zusatznutzen durch Vogelabwehr. Bei einem großflächigen Einsatz sind negative ökologische Auswirkungen zu erwarten, z. B. auf die Biodiversität. Als Alternative können sich Betriebe mit einer Hagelversicherung gegen Schäden durch Hagelschlag versichern lassen.
Sturm
Starke Winde und Stürme, die Winderosionen hervorrufen können, sind eine Herausforderung für den Bodenschutz und damit auch für die Landwirtschaft. Neben einer standortangepassten Bodenbearbeitung und das Anlegen von Windschutzhecken können Agroforstsysteme (Agroforst), der gemeinsame Anbau von Ackerkulturen, Grünland oder Sonderkulturen mit Bäumen eine wirksame Anpassungsmaßnahme darstellen, um die Winderosion zu reduzieren. Derartige Systeme erhöhen zudem die Bodenfruchtbarkeit und die Wasserhaltefähigkeit im Boden, schaffen ein günstiges Mikroklimas vor Ort und erhöhen die Biodiversität.
Indikatoren aus dem Monitoring zur DAS: Sorten und Vermehrung wärmeliebender Ackerkulturen | Anpassung des Sortenspektrums im Weinbau | Anbau wärmeliebender Ackerkulturen | Pflanzenschutzmittel-Absatz und -Anwendung | Landwirtschaftliche Bewässerung
Die Klimaveränderungen erlauben die Einführung von Fruchtarten, die bislang in Deutschland kaum angebaut wurden. So hat sich beispielsweise der Anbau von Sojabohnen in den letzten Jahren in Deutschland deutlich ausgeweitet.