ASTRA - Anpassungsstrategien an den Klimawandel im Ostseeraum
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Etablierter wissenschaftlicher Kenntnisstand ist es, dass sich die globale Erwärmung fortsetzen wird. Ein Anstieg der mittleren globalen Oberflächentemperatur ist bereits zu beobachten und dieser Trend kann durch eine Minderung der anthropogenen Treibhausgasemissionen zwar reduziert jedoch nicht gänzlich verhindert werden. Eine frühzeitige Anpassung an den Klimawandel kann die mit ihm verbundenen humanitären und finanziellen Risiken reduzieren. Darüber hinaus kann eine geplante Anpassung die Qualität des täglichen Lebens entscheidend steigern, indem z.B. heutige Erholungsmöglichkeiten erhalten bleiben und neue geschaffen werden.
Im Projekt (englischer Titel "Developing Policies & Adaptation Strategies to Climate Change in the Baltic Sea Region") werden daher Anpassungsmöglichkeiten an den Klimawandel untersucht sowie Informationen und Empfehlungen zur Entwicklung von adäquaten Anpassungsstrategien für den Klimawandel gegeben. Es werden existierende Anpassungsstrategien und politischen Instrumente in der Ostseeregion betrachtet und ein Strategiepapier mit politischen Leitlinien und Empfehlungen erstellt, in welches Anpassungsstrategien integriert werden können.
Wesentliches Ziel des Projekts ist es, in der Ostseeregion die regionalen Auswirkungen des anhaltenden globalen Klimawandels abzuschätzen sowie Strategien für den Umgang mit dem Klimawandel zu entwickeln. Dies soll in dem Bewusstsein geschehen, dass die mittel- bis langfristig ausgerichteten Anpassungsstrategien auf die Unterstützung durch Entscheidungsträger und Stakeholder auf regionaler und lokaler Ebene angewiesen sind.
Ziele der Anpassungsuntersuchungen sind:
Es werden die Klimamodelle CSIRO2, HadCM3 und PCM sowie CLIMBER mit den Emissionsszenarien (SRES) A1B, A2 und B1 des IPCC benutzt. Daten zur Erstellung von Karten werden vom Data Distribution Centre (DDC) des IPCC (2007) zur Verfügung gestellt. Die Projektionen zeigen für den Ostseeraum einen Trend hin zu einem Anstieg der mittleren Temperatur und einer Veränderung der Niederschlagsverteilung.
Im Ostseeraum zeigt sich ein Trend hin zu einem Anstieg der mittleren Temperatur und einer Veränderung der Niederschlagsverteilung. Damit sieht sich die Ostseeregion unterschiedlichen regionalen und saisonalen Herausforderungen gegenüber, wie z.B. die nach dem in Zukunft erforderlichen Niveau des Küstenschutzes oder nach den Möglichkeiten mit Flutereignissen oder Wasserknappheit umzugehen.
Die betrachteten Klimafolgen sind z.B. Trockenheit und Waldbrände als Folge extremer Hitze, Sturmfluten und Überflutungen durch Winterstürme und durch Veränderungen des Niederschlagregimes im Einzugsgebiet von Flüssen sowie veränderte Oberflächenabflüsse und Nährstofffrachten. Damit verbunden sind Auswirkungen auf die Primärproduktion in den inneren und äußeren Küstengewässern. Abhängig vom jeweiligen Flusssystem und der Ausprägung der Transformatorfunktion des Ästuars bzw. der inneren Küstengewässer kann es hierbei zu unterschiedlichen Auswirkungen auf die Küstenzone kommen, wie z.B. gehäuftes Vorkommen von Blaualgen an den Küsten der südlichen Ostsee während der Sommermonate aufgrund von veränderten Nährstofffrachten. Insgesamt wird eine sektorenübergreifende Analyse der Klimafolgen durchgeführt.
Die Analyse der heutigen und der zukünftigen Vulnerabilität stellt die Basis für die Entwicklung adäquater Anpassungsstrategien dar. Dabei ist es wichtig, einen Überblick über die besonders vulnerablen Sektoren und Regionen zu bekommen. Zum im Projekt benutzten Vulnerabilitätskonzept gehört nicht nur die Exposition gegenüber Naturgefahren, sondern auch die Sensitivität der Gesellschaft, die z.B. durch ungenügende Vorsorge oder unzureichende Kapazität adäquat zu reagieren bestimmt wird. Auch gibt es soziale Gruppen, die eine höhere Vulnerabilität haben (z.B. alte Menschen gegenüber Gesundheitsproblemen).
Sensitivität der Gesellschaft und der natürlichen System ist Bestandteil des Vulnerabilitätskonzepts. Die betrachteten Gewässersysteme haben eine vergleichsweise geringe Resilienz.
Anpassungskapazität und institutionelle Bereitschaft mit dem Klimawandel umgehen zu können sind Bestandteile des Vulnerabilitätskonzepts.
Die Klimaauswirkungen kollidieren direkt mit wirtschaftlichen Interessen in der Küstenzone, so dass hier vordringlicher Handlungs- und Untersuchungsbedarf herrscht.
Hintergrund:
Die Ansätze zum Klimaschutz und zur Anpassung an die Klimafolgen sollten als komplementär betrachtet werden. Je erfolgreicher beide Wege verfolgt werden, desto geringer werden die Risiken durch den Klimawandel für die Gesellschaft sein. Die Anpassung an die Folgen des Klimawandels ist erst seit kurzem auf der politischen Agenda und eine durchgeführte Erhebung hat gezeigt, dass es nur wenige nationale Initiativen oder sektorale Programme gibt. Ausgehend von den jüngsten Einschätzungen bezüglich des fortschreitenden Klimawandels sollte Anpassung ein integraler Bestandteil von Verfahren zur Sicherung einer nachhaltigen Entwicklung sein.
Folgende Empfehlungen für Entscheidungsträger werden genannt:
Anpassungsmaßnahmen werden im Zusammenhang mit Planungshorizonten und ökonomischen Aktivitäten in verschiedenen Sektoren betrachtet. Dabei wird deutlich, dass die Lebensdauer von Infrastrukturen und Geschäftsplänen mehrere Dekaden beträgt und Planungsprozesse für Anpassung deshalb möglichst früh beginnen müssen.
Klimawandelbedingte Veränderungen in den Küstenökosystemen (z.B. toxische Blaualgenblüten aufgrund veränderter Nährstofffrachten) führen zu Konflikten mit dem Tourismus, der ein wichtiger Wirtschaftssektor in den Küstenregionen ist. Nachhaltige Entwicklung erfordert eine frühzeitige Berücksichtigung der potenziellen Klimafolgen (z.B. Meeresspiegelanstieg) in Planungsprozessen, um zukünftige hohe Kosten zu vermeiden.
kofinanziert durch die Europäische Union, Europäischer Regionalentwicklungsfond (ERDF), im Rahmen des Interreg IIIB-Programms, Ostseeregion (Balitc Sea Region - BSR)
Geological Survey of Finland
Leibniz-Institut für Ostseeforschung (Fallstudie Odermündungsgebiet - Vorhaben IKZM-Oder);
Zusammenarbeit:
insgesamt 18 Partner im inneren Projektkreis (Folgeprojekt von SEAREG)
Geological Survey of Finland
Betonimiehenkuja 4
FI-02151 Espoo